Der Himmel strahlte fast so blau wie früher über Hasaka und Aleppo. Nicht ganz so warm wie in Syrien gestaltete sich dieser Frühlingstag in der Lehmgrube, an dem die Kurden aus dem ganzen Landkreis Rhön-Grabfeld ihr Neujahrsfest feierten.
Shiar Ibriham aus Bad Neustadt organisierte das Fest für alle, die 2015 oder etwas später als Flüchtlinge an die Saale kamen und im mittlerweile abgerissenen Möbelhaus Pfeuffer eine Notunterkunft fanden. Gemeinsam mit seinen Landsleuten, die inzwischen zum großen Teil Arbeit gefunden haben und hier sesshaft geworden sind, lud er auch die einheimischen Familien und Betreuer ein, die sich damals unermüdlich um ihr Wohlergehen bemühten und sie teilweise bis heute auf ihrem integrativen Weg begleiten. Sie kamen und waren mitten drin in einer fremden Tradition.
Neujahrsfest wurde gefeiert
In Syrien beginnt das Neujahrsfest Nawroz (21. März) schon morgens um 5 Uhr und dauert problemlos bis in die Nacht hinein, denn man hat ein Zelt dabei. Ganz so früh brannte das Feuer zum üblichen Auftakt in Unsleben allerdings nicht. Es erinnert an die Legende von König Dahak, der sich Kindern gegenüber grausam verhielt und schließlich selber mit einem Hammer getötet wurde. Endlich konnten die Kinder frei und sorglos leben.
Ein kleines bisschen Kurdenheimat wurde die Lehmgrube auf recht einfache Weise. Überall in den Büschen und Bäumen flatterten rot-weiß-grüne Fähnchen, aus dem Lautsprecher erklang traditionelle kurdische Musik und von den Grillstellen stieg der Duft von orientalischen Gewürzen auf. Rund 150 Festgäste, darunter auch eine afghanische Familie, ließen sich auf dem Gelände nieder, breiteten ihre Gemüse- und Salatschüsseln um sich aus, genossen gemeinsam die Lamm- und Hähnchenspieße und das friedliche Leben. Das Tanzen war der schönste Weg, die Freude darüber zum Ausdruck zu bringen.