
Zu einer Serenade hatte das K.u.K. Klavierquartett Bad Königshofen am Sonntagnachmittag in den Rathaussaal der Stadt eingeladen: Die vier Musiker Jutta Müller Vornehm (Klavier), Susanne Aengeneyndt (Violine), Wolfram Schmidt (Viola) und Werner Jaksch (Violoncello), verbindet eine langjährige musikalische Freundschaft. Ihre Leidenschaft gehört der Kammermusik - mit vielen Konzerten haben sie sich mittlerweile einen Namen über den Landkreis hinaus gemacht.
Der junge Mendelssohn Bartholdy
Bei der Serenade standen zwei Klavierquartette der Romantik im Mittelpunkt. Werner Jaksch bereitete die Besucher auf die Werke vor. Als Musikhistoriker weiß er um Hintergründe und versteht es, geschichtliche Zusammenhänge zu erläutern und für seine Zuhörer lebendig zu machen.
Das erste Werk des Nachmittags war das Klavierquartett c-moll op.1. aus der Feder von Felix Mendelssohn-Bartholdy, der es mit 12 Jahren komponierte. Als Sohn einer wohlhabenden Bankiersfamilie genoss Mendelssohn-Bartholdy von klein auf eine intensive musikalische Ausbildung, die Instrumentalunterricht ebenso wie Kompositionslehre umfasste.
Sein erstes Werk trug er im Oktober 1821 in Weimar im Haus des Geheimrats Goethe vor - gemeinsam mit Musikern der Weimarer Hofkapelle und seinem Lehrer Karl Friedrich Zelter, der ein enger Freund Goehtes war. Er wollte Goethe das Wunderkind Mendelssohn-Bartholdy vorstellen. Und der war tief beeindruckt von dem jungen Komponisten und Interpreten, denn Mendelssohn spielte den Klavierpart selbst, so Jaksch.
Das viersätzige Werk verrät bereits große Musikalität. Es zeichnet sich durch viele Tempiwechsel aus, ist gefühlsbetont, dann wieder tänzerisch beschwingt, auch dramatisch. Die vier Interpreten überzeugten bei der Serenade mit ihrem präzisen Zusammenspiel, dem Dialog der Instrumente, der fein abgestimmt dem Werk eine große Tiefe verlieh.
Auf Umwegen zur Musik
Mit Robert Schumanns Klavierquartett Es-Dur op. 47 erwartete die Zuhörer ein weiteres gewaltiges Werk des Genres. Anders als Mendelssohn-Bartholdy kam Schumann auf Umwegen zur Musik. Erst nachdem er seinen Wunsch, Pianist zu werden wegen einer durch übermäßiges Üben mit mechanischen Gerätschaften erzeugten Handlähmung aufgeben musste, und nach seiner Heirat mit der Pianistin Clara Wieck begann er schließlich selbst zu komponieren, erzählte Jaksch.
Im Jahr 1842, seinem Kammermusikjahr, entstand das op. 47. Die vier Sätze sind thematisch eng miteinander verbunden, wunderschöne Melodien werden von den vier Instrumenten jeweils aufgenommen und weitergegeben, sodass ein Eindruck der Vollkommenheit entsteht. Das ist natürlich auch das Resultat des abgestimmten Zusammenspiels der vier Musiker des K.u.K. Klavierquartetts.
Jeder Einsatz, jedes Satzende passte punktgenau, setzte Akzente und ließ im Zuhörer einen Spannungsbogen entstehen, der bis zum Ende anhielt. Viel Applaus zeigte, wie sehr das Werk die Besucher beeindruckt hat. Eine kleine Zugabe sollte am Ende doch die Spannung lösen, versprach Jaksch und mit Schumanns Träumerei, einem leicht wehmütigen und doch beglückenden musikalischen Kleinod, entließ man die Zuhörer nach Hause.