Wenn es nach Pfarrer Andreas Biesold gegangen wäre, hätte er zum Abschied bestimmt nur leise Servus gesagt. Ohne großen Trubel. Doch so ganz still und heimlich wollte die evangelische Kirchengemeinde in Ostheim "ihren" Pfarrer nicht in den Ruhestand ziehen lassen.
Zahlreiche Gäste waren am Sonntag zum Abschiedsgottesdienst gekommen, um Andreas Biesold auf Wiedersehen zu sagen. Fünf Jahre wirkte der beliebte Geistliche in Ostheim. Obwohl es ein besonderer Gottesdienst war, unterschied er sich fast nicht von seinen allsonntäglichen Vorgängern. Biesold wollte kein großes "Brimborium". Eher etwas im kleinen Stil.
Predigt über Hoffnung und Umkehr
So wählte er als Thema seiner Predigt keineswegs einen Rückblick auf sein Berufsleben, sondern sprach über die "Gefahr des Reichtums". Im Markusevangelium, Kapitel 10, wird die Geschichte eines reichen Jünglings beschrieben. In der Überlieferung kommt der junge Mann zu Jesus und fragt, was er tun muss, um ewiges Leben zu erlangen. Jesus antwortet, dass er alles verkaufen und ihm nachfolgen soll. Daraufhin geht der junge Mann traurig weg. "Es ist eine Geschichte der Hoffnung und Umkehr", erklärte Biesold. Im Leben verlaufen die Dinge nicht immer geradlinig, doch wer an Gott festhält und die Hoffnung nicht aufgibt, gelange an sein Ziel.
Obwohl seine Predigt auf den ersten Blick nicht viel mit dem gegebenen Anlass zu tun hatte, gab es doch eine Parallele. "Ich gehe auch traurig davon", stellte er fest. "Doch ich gehe, weil ich weiß, dass es neue Wege geben wird." Und ganz aus der Welt ist der Pfarrer ja auch nicht. Er zieht nach Dingsleben im Landkreis Hildburghausen. Dort hat er sich ein Haus gekauft, das er herrichten will. Außerdem wird er noch mindestens zweimal wiederkommen. Im Juli für die Konfirmation und im Oktober für eine Taufe. "Damit die Kollegen sich langsam an die Vakanz gewöhnen", merkte Andreas Biesold mit einem Augenzwinkern an.
Offenes Ohr und klare Worte
Pfarrer Oliver Englert lobte die sehr persönlichen Predigten Biesolds und betonte: "Du warst immer für alle Brüder und Schwestern da. Hast kein offenes und klares Wort gescheut. Das wird uns fehlen." Biesold war 1984 aus der DDR ausgereist, studierte evangelische Theologie und wurde am 5. Oktober 1995 in Bayreuth ordiniert. Im November 2015 wechselte er nach Ostheim. Zuvor war er zwölf Jahre lang in Waltershausen und Bad Neustadt tätig. Als stellvertretender Dekan überreichte Englert dem Geistlichen die Entlassurkunde und entpflichtete ihn von seinen Aufgaben als Pfarrer. Anschließend segnete er ihn für seinen neuen Lebensabschnitt.
Denn wie heißt es so schön: "Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine Neue." Nämlich die des Ruhestandes. Dazu gab es von Michael Schlotthauer, Vertrauensmann im Kirchenvorstand, nicht nur gute Wünsche, sondern auch ein besonderes Geschenk. Ein Ostheimer Bienenvolk, dem sich der Hobbyimker nun ausgiebig widmen kann. Genügend Zeit wird er künftig auch für seine anderen Leidenschaften, Autos und Uhren, haben.
Gutes Miteinander und Städtepartnerschaft gepflegt
Grußworte mit herzlichem Dank für stets konstruktive und gute Zusammenarbeit, verbunden mit Geschenken, überbrachten Ostheims stellvertretende Bürgermeisterin Karina Werner und Adolf Büttner als Vertreter der Kirchenburgfreunde. Werner war es zudem wichtig, allen Ehrenamtlichen ihren Dank auszusprechen, für die es während der Vakanzzeit deutlich mehr zu tun geben wird. "Hoffentlich dauert die Vakanz nicht zu lange", fügte die stellvertretende Bürgermeisterin noch hinzu. Stefan Kunze, evangelischer Pfarrer in Wasungen, bedankte sich bei Andreas Biesold für die Pflege der Städtepartnerschaft, die längst eine Freundschaft sei.
Biesold dankte für all die guten Wünsche, dem kleinen Ensemble der Stadtkapelle Ostheim und dem Organisten für die musikalische Umrahmung. Und verabschiedete sich mit einem "Auf Wiedersehen". Denn das wird es auf jeden Fall geben.