
Die von Mellrichstadts Bürgermeister Michael Kraus ins Leben gerufene Baumpflanzaktion für jedes neugeborene Kind des vergangenen Jahres hat sich zu einem echten Renner entwickelt. Auch heuer kamen viele Eltern mit ihren Kindern, Omas und Opas in die Gemarkung des Mellrichstädter Forstes zwischen Willmars und Sands, um unter Anleitung des Revierförsters Michael Merkel von der Forstbetriebsgemeinschaft Obere Rhön Bäume zu pflanzen.

Die Aktion wurde zum fünften Mal durchgeführt. 40 Neugeborene hatte es im vergangenen Jahr in der Stadt Mellrichstadt und den Stadtteilen gegeben. Fast alle Eltern nahmen nun die Gelegenheit wahr, um einen Baum zu pflanzen. Unter ihnen auch Familie Seifert aus Mellrichstadt, die einen eigenen Wald in Hendungen besitzt. "Es ist eine tolle Aktion. Richtig klasse", lobte Franziska Seifert, die ihren acht Monate alten Kurt in den Armen hielt.
Ehemann Andreas Seifert pflanzte in Rekordzeit den Baum – ein Profi eben. Beim Pflanzen galt es zu beachten, dass die Wurzeln genug Platz haben, gerade und ganz in den Boden gesteckt werden. Ein Schutzgitter verhindert, dass die jungen Bäume von Rehen zerbissen werden.
Esskastanie ergänzt den Stadtwald
Die Esskastanie, die heuer gepflanzt wurde, gehört zu den klimastabilen Baumarten, die wohl auch in den nächsten 100 Jahren noch gut gedeihen werden. Die Baumart ist laut Michael Merkel eine schöne Ergänzung zu den bereits vorhandenen Bäumen des Stadtwaldes wie Buche, Fichte oder Kiefer.
Die erste Baumpflanz-Aktion hatte es zu Corona-Zeiten gegeben, im März 2021; damals aufgrund der Pandemie ohne Eltern und Kindern, nur mit dem Stadtrat. Der Kinder-, Jugend- und Sozialausschuss der Stadt Mellrichstadt betreut das Projekt. Heuer waren die Stadträte Sabine Buß und Michael Mühlfeld genauso wie der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft, André Link, mit von der Partie. Bürgermeister Michael Kraus betonte, das große Interesse zeigte, wie wichtig der Wald sei.
Wer tüchtig seinen Baum gepflanzt hatte, kam anschließend an der Jagdhütte in den Genuss einer kleinen Brotzeit.

Michael Merkel ging auf die Situation des Waldes im vergangenen Jahr ein. Dieses sei für ihn ein Jahr zum Durchschnaufen gewesen. "Es war ein sehr gutes Jahr für den Wald", betont der Revierförster. Das Frühjahr 2024 sei sehr feucht gewesen. Doch leider seien viele neuen Triebe der Bäume durch den Spätfrost erfroren. Das Pflanzen der Esskastanien soll diese Ausfälle nun zum Teil ausgleichen.
Die Borkenkäferplage sei zu Beginn des Jahres 2024 sehr heftig gewesen, doch zum Glück sei diese dann schnell durch den feuchten Sommer "im Sand verlaufen", denn mit dem feuchten Wetter komme der Borkenkäfer nicht so zurecht. In diesem Jahr habe es gut geregnet, doch zuletzt sei die Feuchtigkeit im Boden zurückgegangen. Wenn es nun weiter so trocken bleibe, könne sich das negativ auswirken. Denn dann könnte man nicht mehr von den feuchten Monaten zuvor profitieren.

"Wir brauchen im Wald sehr viele verschiedene Baumarten und wollen klimastabile Arten anpflanzen, wie eben die Esskastanie oder auch Elsbeere, Kirsche oder Sommerlinde", erklärt Michael Merkel. Der Boden, auf dem die Pflanzaktionen erfolgt, besteht aus nährstoffärmerem Buntsandstein. Darauf können viele Baumarten wachsen.
Jede Pflanzaktion hat nach Merkels Ansicht ihre eigene Geschichte. Jeder Jahrgang, der neu dazukomme, forme die Gemeinschaft mit. Im Wald und auch im menschlichen Leben.