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Lohr
Welthungerhilfe dankt für über 40 Jahre Unterstützung
Viele Akteure trugen zum Gelingen der Veranstaltung der örtlichen
Welthunger-Hilfe anlässlich 40 Jahre Spendenbereitschaft in der Alten Turnhalle
in Lohr bei. 
Foto: Sylvia Schubart-Arand | Viele Akteure trugen zum Gelingen der Veranstaltung der örtlichen Welthunger-Hilfe anlässlich 40 Jahre Spendenbereitschaft in der Alten Turnhalle in Lohr bei. 
Sylvia Schubart-Arand
 |  aktualisiert: 30.03.2025 03:29 Uhr

Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung, stellte Cornelia Völker von der Aktionsgruppe "Lohr Hilft! Welthungerhilfe (WHH)" beim "Abend des Dankeschöns" in der Alten Turnhalle mit über 100 Gästen fest. WHH-Präsidentin Marlehn Thieme war anlässlich der Unterstützung seit über 40 Jahren in Lohr gekommen, um in drei Vortragsblöcken die WHH, deren Projekte und die künftigen Herausforderungen vorzustellen.

"Das unermüdliche, sehr inspirierende Engagement für die Ärmsten und die Beständigkeit darin sucht seinesgleichen", war Bürgermeister Mario Paul voll des Lobes für die Ehrenamtlichen vor Ort und stellte die Vita von Ehrengast Thieme vor.

Stimme im Kampf gegen Hunger

Die fast 68-jährige Juristin ist seit 2018 ehrenamtliche WHH-Präsidentin, war zuvor über 27 Jahre bei der Deutschen Bank und deren Stiftung, Aufsichtsratsvorsitzende der Bank für Kirche und Diakonie und bis 2024 ehrenamtlich für den Rat der evangelischen Kirche im ZDF-Fernsehrat tätig. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes sei "eine Stimme im Kampf gegen den Hunger" und ein leuchtendes Beispiel, stellte der Bürgermeister fest und kam auf die Leistungen der Lohrer Gruppe und deren Engagement mit dem Gesamtspendenaufkommen von über 600.000 Euro zu sprechen.

Paul nannte ein amüsantes Schmankerl der "beispiellosen Erfolgsgeschichte": Mit einem Dosen-Gewicht von 2,7 Kilogramm Münzgeld hatten die Frauen zu viel geklappert – der Henkel brach ab.

Paul lobte die nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe, sprach von der vorbildlichen, schlanken Verwaltung der WHH mit der direkten Hilfe an Bedürftige. Er zählte die Unterstützung der Lohrer für den Brunnenbau, die Schulspeisungen oder die Südostasien-Hilfe 2005 auch der Stadt nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 auf. Er versprach auch, selbst weiterhin mit der Büchse unterwegs zu sein – wie im Übrigen auch seine Amtsvorgänger.

"Mitgefühl und Solidarität können Berge versetzen." Mit ihrer Menschlichkeit und Hoffnung könne die Lohrer Gruppe so vielen Menschen Zuversicht für die Zukunft geben, so der Bürgermeister.

Transparent und effizient

Die 1962 gegründete Welthungerhilfe mit ihren rund 4000 Mitarbeitern aus 93 Nationen – davon 90 Prozent lokale Kräfte – ist derzeit laut Thieme in 40 Ländern im Einsatz, arbeitet mit über 280 lokalen Partnerorganisationen zusammen, unterstütze aktuell 72 Projekte. Die WHH arbeite seriös, transparent und effizient, wobei ein verantwortungsvoller Umgang mit den Spenden oberste Priorität habe.

"Die Transparenz unserer Arbeit und was mit Ihren Spenden geschieht, kommunizieren wir offen und stets aktuell", versichert die Präsidentin. Schirmherr der WHH mit 40 Mitgliedern im Verein ist der jeweils aktuelle Bundespräsident, dem die Präsidentin einmal im Jahr Rede und Antwort steht. "Der Präsident darf aber keinen Einfluss nehmen", betont Thieme. Sie sei "zutiefst dankbar", dass die Organisation in 2024 ein Allzeithoch mit fast 90 Millionen Euro Spenden erreicht hat, um damit "die richtige Arbeit an der richtigen Stelle zu leisten".

Weitblick gefordert

Sie führte aus, dass durch jeden Spenden-Euro drei weitere generiert werden können und damit ein Umsatz von 400 Millionen Euro erreicht wird. Thieme sorgt sich, dass viele nur noch national denken und übersehen, was auf unserer Erde los ist. Trotz der Not auch im eigenen Land komme man nicht umhin, sich um die Menschen im globalen Süden zu kümmern – aus Solidarität und Menschlichkeit, aber auch in Hinblick auf Exporte und die Klimapolitik.

Die Präsidentin nannte die Schwierigkeiten für die WHH-Arbeit: Konflikte nehmen ebenso zu wie Autokratien, Klimaprobleme verschärfen sich. Bei ihrer kürzlichen zehntägigen Reise in Simbabwe lernte sie erfolgreiche Projekte der Hilfe zur Selbsthilfe kennen. Dank präventiver Notfälle-Übungen vor drei Jahren seien Bauern auf die nicht erklärbare Dürre im Land im vergangenen Jahr besser vorbereitet: Sie hatten Gruben für Wasser ausgehoben, diese abgedeckt und auch mit Futtermitteln vorgesorgt sowie Saatgut eingelagert. Thieme bezeichnete das als "vorverlegte Katastrophenhilfe".

Auskunft per Handyfoto

Ein anderes Beispiel sei die Digitalisierung. Mittlerweile reiche ein Handyfoto von Kindern aus, das auch afrikanische Eltern machen können, um Aussagen über den Unterernährungszustand treffen und helfen zu können.

Aktuell werden 72 Projekte unterstützt – da geht es um Ernährung, Flucht, Migration, Nothilfe, Hygiene, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Zahlen sind laut Thieme erschreckend: Nach Erhebungen der FAO leiden rund 733 Millionen Menschen an Hunger, befanden sich 2023 rund 282 Millionen Menschen in einer akuten Ernährungskrise. Alle 13 Sekunden sterbe ein Kind unter fünf Jahren durch Mangelernährung: Thieme warnte vor den Folgen, nachdem Präsident Trump die gesamte US-Entwicklungshilfe gestoppt hat. Die Zahlen werden hochschnellen, prognostizierte Thieme.

Nahrung für Hotspots

Die WHH konzentriere sich auf das Thema Hunger. Zu den bisherigen Hotspots der Hungerbekämpfung im Südsudan, in Somalia, im Tschad und Madagaskar sei auch noch der Gazastreifen hinzugekommen. Dort sei die Situation "apokalyptisch". Zwei Lastwagen pro Monat werden mit Spezialnahrung für Kleinkinder geschickt. Zusammen mit tschechischen und italienischen Partnern helfe man dort mit Planen und Textilien.

Generell stellt sie fest, dass die WHH mit digitaler Hilfe schneller flexibler in Länder muss, um dort zu helfen. Thieme stellte auch Projektbeispiele vor: klimaangepasste Feldfrüchte wie der Anbau von kleinen Rüben, Spinat oder kleine Tomaten in Simbabwe, in Pakistan der Einsatz gegen die Hitze durch den Aufbau von Kühlungszentren, Wasserstellen mit Pumpen und deren eigenverantwortlichen Wartungsdienst sowie Kauf von Schirmen gegen die sengende Sonne. In Bangladesch die Versorgung mit sauberem Wasser in Zeiten der Überschwemmung dank Keramikfilter.

Die Vision der WHH bis 2030: ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Gerechtigkeit, um frei von Hunger und Armut leben zu können.

Im Gespräch mit der Politik

Im dritten Block sprach Thieme künftige Herausforderungen an, betonte, dass eine NGO wie die WHH die preiswerteste Zusammenarbeit mit einem Land ist: "Unser größter Vorteil ist, dass wir uns freier bewegen können." Derzeit ist Thieme auch viel in Berlin, redet als Netzwerkerin mit den Bundespolitikern, denn es drohe, dass das Entwicklungsbudget gekürzt wird. Für die FHH müsse gelten: die Mittel effizienter, zielgerichteter einzusetzen und zu evaluieren.

Wie immer trug auch die Musik die Veranstaltung der örtlichen WHH-Gruppe: Dazu trugen bei die Veeh-Harfen-Gruppe unter Leitung von Petra Helfrich, der Gitarrenspieler Janus Heilgenthal und der Klavierspieler Leonhard Grimm von der örtlichen Musikschule, die ein Geschenk der WHH bekamen. Ein Benefiz-Orgelkonzert mit Alfons Meusert wird es am 12. Oktober in Sankt Michael geben.

 
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