
Sinkende Schüttungen, eine ungesicherte Quelle und in verschiedenen Stadtteilen kein zweites Standbein: Die Lohrer Trinkwasserversorgung steht vor so mancher Herausforderung. Gutachter haben jetzt untersucht, was getan werden müsste, damit auch in 25 Jahren noch klares Wasser aus Lohrer Hähnen fließt.
Noch ist das aktuell rund 300 Seiten umfassende Strukturgutachten nicht ganz fertig. Im Werkausschuss des Stadtrats gab es jetzt einen Zwischenbericht. Er lässt erkennen: Die Lohrer Trinkwasserversorgung steht derzeit solide da. Doch es gibt Handlungsbedarf, der sich noch verschärfen dürfte.
Teils nur ein Brunnen
Insgesamt, so erklärte Andreas Kautz vom beauftragten Ingenieurbüro Jung, befinden sich die Trinkwasseranlagen in einem "nicht katastrophal schlechten Zustand". Vielmehr seien sie auf einem guten Niveau. Es gebe im Landkreis auch andere Fälle. Allerdings müsse man an manchen Stellen dennoch "hinlangen", sagte Kautz.
Die Schwachstellen präsentierte sein Kollege Marc Jäger. Er nannte etwa die "Versorgungsinseln" Steinbach, Halsbach und Ruppertshütten, wo es jeweils nur einen Trinkwasserbrunnen gibt. Würde dieser ausfallen, bliebe nur die Möglichkeit, Trinkwasser per Tankwagen heranzukarren.
Als mögliche Lösungen nannte Jäger zum einen die Suche nach neuen Quellen. Denkbar sei auch der Bau von Leitungen zu anderen Versorgungsnetzen, im Fall von Halsbach etwa zum Karlstadter Netz nach Rettersbach. Für Ruppertshütten wäre der Bau einer Leitung nach Partenstein oder Langenprozelten denkbar. Steinbach ließe sich mit Sendelbach oder Sackenbach verbinden.
Freilich wären alle Lösungen kostspielig, teils im Millionenbereich. Bürgermeister Mario Paul betonte, dass es sich bei sämtlichen Ideen zur interkommunalen Zusammenarbeit bislang um "rein technische Betrachtungen" handle. Konkrete Gespräche hat es also offenbar noch nicht gegeben. Vorrang hätten ganz klar Erhalt und Sicherung der eigenen Quellen, so Paul.
Bei eben dieser Sicherung gilt die Herrnbergquelle als Problemfall. Sie liegt zwischen Lohr und Rechtenbach direkt unterhalb der B 26. Sollte es auf der Straße einen Unfall beispielsweise mit einem Gefahrguttransport geben, wäre dieser Brunnen in akuter Gefahr.
Sollte die Herrnbergquelle als Wasserlieferant ausfallen, wäre die Situation der Lohrer Trinkwasserversorgung "noch gravierender", erklärte Jäger. Denn das derzeitige Wasserangebot der Lohrer Trinkwasserbrunnen werde durch den Verbrauch benötigt.
Im Spätsommer, wenn die Schüttung der Quellen nachlasse, werde es "schon kritisch", sagte Jäger. Durch den Klimawandel sei mit einem Rückgang der Niederschläge zu rechnen, welche das Grundwasser speisen. Die Rechenmodelle für 2050 arbeiten mit einem angenommenen Schwund von zehn Prozent.
Eine Möglichkeit, die Lohrer Trinkwasserversorgung für Krisenfälle zu rüsten, wäre laut Jäger ein Verbinden mit Nachbarnetzen, etwa dem der Fernwasserversorgung Mittelmain (FWM). Die betreibt bekanntlich zwischen Rodenbach und Wombach mehrere Brunnen, hat laut Jäger jedoch signalisiert, dass man Lohr weder dauerhaft mit Wasser beliefern noch die betreffenden Brunnen an die Stadt verkaufen könne.
Mainwasser als Option
Trinkwasser ließe sich eventuell auch per Uferfiltrat aus dem Mainwasser gewinnen. Doch das, so erklärte Stadtwerkeleiter Johannes Goßmann, wäre "enorm teuer", da das Wasser aufwendig aufbereitet werden müsste. Überdies, so gab Jäger zu bedenken, müssten beim Schaffen neuer größerer Einspeisepunkte eventuell größere Teile des vorhandenen Leitungsnetzes erweitert und dazu erneuert werden.
Am Ende identifizierte Goßmann zwei besonders vordringliche Maßnahmen: das Schaffen eines zweiten Standbeins für den Stadtteil Steinbach sowie die Sicherung der Herrnbergquelle.
Um die zu schützen, so erklärte Bürgermeister Paul, müsse es notfalls ein Verbot für Gefahrguttransporte auf der B 26 oder eine adäquate Umgestaltung derselben geben. Die Quelle selbst sei "technisch nicht schützbar".
Die finale Version des Strukturgutachtens zur Lohrer Trinkwasserversorgung soll bis zum Sommer vorliegen. Ab dann wird man sich im Stadtrat früher oder später damit befassen müssen, wo zuerst angesetzt werden soll.