
Rund 80 Teilnehmende einer Demonstration gegen die Windkraftvorrangfläche W54 haben am Montagabend die Mitglieder des Frammersbacher Gemeinderats vor dem Rathaus empfangen. Die Organisatoren bezifferten die Zahl der Teilnehmenden auf über 100. Mit Plakaten, großen Bannern, Bulldog, Gesang und Sprechchören machten sie auf ihr Anliegen, die Ablehnung der Windkraftvorrangfläche im Regionalplan, aufmerksam.
Organisiert hatten sich die Teilnehmenden über die Bürgerinitiative Heimatwald Spessart. Unter den Demonstranten waren überwiegend Habichsthaler vertreten. Unterstützt wurden sie von Teilnehmern unter anderem aus Wiesthal, Heinrichsthal, Jakobsthal, Neuhof, Eichenberg.
Die Plätze im Sitzungssaal reichten bei weitem nicht aus
Das direkte Gespräch mit Bürgermeister Christian Holzemer suchte Versammlungsleiterin Anja Kunkel (Habichsthal) gemeinsam mit Ralf Domdey (Heinrichsthal). Auch die anderen Ratsmitglieder tauschten Argumente mit den Teilnehmern der Kundgebung aus. Aufgrund des großen Besucherinteresses wurde die Beratung und Beschlussfassung zur Änderung des Regionalplans als erster Tagesordnungspunkt vorgezogen. Das Thema stand ursprünglich als achter Punkt auf der Tagesordnung.
Der Sitzungssaal war dem Besucherstrom nicht gewachsen. Nicht alle Interessierten fanden Platz, ein Teil musste sich mit einem Stehplatz im Flur begnügen. Das Thema war in den Fraktionen bereits vorberaten. Die Fraktionsvorsitzenden erläuterten jeweils die Positionen.
Den Anfang machte Elisabeth Ruby für die Fraktion der CSU. "Welche Alternativen böten sich denn an?", stellte sie als Frage in den Raum und begründete die Befürwortung der Flächenausweisung unter anderem mit finanziellen Aspekten. Denn eine Windkraftanlage brächte für die Kommune Einnahmen, die für die Erfüllung der Pflichtaufgaben dringend gebraucht würden. Unter anderem für den Bau des neuen Feuerwehrhauses in Habichsthal, sagte Ruby.
Ein anderer Vorteil sei, dass die Wertschöpfung in der Region bleibe und die Option einer Bürgerbeteiligung bestehe. Fraktionskollege Edgar Bloier ergänzte, dass bei den Themen Wald und Energie ein Kompromiss gefunden werden müsse. Die jetzige Generation habe den Nachkommen gegenüber sowohl beim Wald als auch beim Thema Energie eine Verpflichtung.
Der Waldbestand wird von Nadelholz dominiert
Für die Grünen betonte Werner Friedel, dass es sich bei dem Wald im Vorranggebiet keinesfalls um einen Naturwald, sondern um einen minderwertigen Wald handle. Das bestätigten im weiteren Sitzungsverlauf auch der Revierleiter der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Jonas Ostarek und Betriebsleiter Thorsten Schwab. Es handle sich beim Gemeindeanteil um einen jungen bis mittelalten Wald mit von Nadelholz dominiertem Bestand, antworteten sie beim Tagesordnungspunkt Forstbetriebsplanung auf Nachfrage von Theo Anderlohr (FW).
Friedel argumentierte, dass die Fläche gut gewählt sei. Aus Sicht der Grünen könne die Marktgemeinde es nicht verantworten, auf diese mögliche Geldquelle zu verzichten. Zumal der Bau von Windkraft an der Küste nur bedingt eine Alternative sei, da es "unendlich teuer" sei, die nötigen Netze zu bauen, um den so erzeugten Strom bis nach Bayern zu schaffen.
Für die SPD argumentierte Sandra Völp mit dem Verweis auf die Spessartregion als Arbeitgeber und Industriestandort, der den Bewohnern ihr Auskommen sichere. Diese Arbeitgeber benötigten Strom. Dazu käme der Strombedarf für das Krankenhaus, die Kläranlage und die Trinkwasserversorgung. Und der Spessart sei schon mal als Atommüllendlager im Gespräch gewesen, erinnerte sie. Das wünsche sich niemand vor der Haustür. Und wer schon mal ein Braunkohleabbaugebiet gesehen habe, wisse, wie das aussieht, stellte sie die Alternativen der Energieversorgung gegenüber.
Zudem müsse man sich bei der Stromversorgung unabhängig von Diktaturen machen. Die Windenergie vor Ort sei dabei eine Möglichkeit. Für die Freien Wähler betonte Norbert Meidhof, dass die Chancen größer als die Risiken zu bewerten seien.
Regionalplan wird einstimmig befürwortet
Das Ratsgremium befürwortete in der anschließenden Abstimmung einstimmig den Regionalplan mit Ausweisung der Vorrangfläche W54. Bürgermeister Christian Holzemer hob den konstruktiven Umgang seitens der Bürgerinitiative mit dem Thema gegenüber der Verwaltung und den Ratsmitgliedern hervor. Er habe "den Austausch sehr geschätzt" und nehme die Einwände ernst, betonte er.
Stellungnahmen, die im Rathaus eingingen, werde die Verwaltung an den Planungsverband weiterleiten, sicherte der Bürgermeister zu. Er ergänzte, dass die Bürger noch bis zum 10. April die Möglichkeit haben, ihre Stellungnahmen direkt beim Planungsverband einzureichen.