
Im Lohrer Untergrund rumort es. Dumpfe Geräusche steigen am Schlossplatz aus der Tiefe, auf dem Pflaster ist bisweilen ein leichtes Zittern zu spüren. Aber es hat alles seine Ordnung. Denn das Altstadtparkhaus wird saniert und dabei fliegen die Brocken. Beim Bau der Tiefgarage in den 1980er-Jahren kamen Unmengen an Beton zum Einsatz. Ein stabiles Material, jedoch mit begrenzter Haltbarkeit. Chlorid, wie es in Streusalz enthalten ist, macht Beton mit den Jahren mürbe, und das passierte auch beim Lohrer Altstadtparkhaus. So wurde das unterirdische Gebäude ein Sanierungsfall.
Die Arbeiten begannen im Februar und liegen im Zeitplan, ist von den Stadtwerken Lohr zu hören. Aktuell stehe der Abbruch des alten Betons im Fokus, sagt Werkleiter Johannes Goßmann. Die Arbeiten seien bis Ende des Jahres angedacht; das heißt, so lange bleibt das Parkhaus gesperrt. Ziel sei es, die Bausubstanz langfristig zu erhalten.
Das Ausmaß der Schäden wurde im Stadtrat ungeschminkt beschrieben. Ein Sachverständiger sprach voriges Jahr von relevanten Einschränkungen der Standsicherheit. Der Bewehrungsstahl roste, die Betonschicht darüber sei dünner geworden und mit Chlorid durchsetzt. Außerdem wurden lange Risse in den Bodenplatten festgestellt.
Ein Totalschaden
Eigentlich ist das Parkhaus ein Totalschaden. Wäre es ein frei stehendes Gebäude, könnte man über einen Abriss nachdenken, hieß es. Was bei der Lohrer Tiefgarage freilich schlecht möglich wäre, weil sonst am Schlossplatz ein riesiges Loch entstehen würde, das aufgefüllt werden müsste. Außerdem würden 175 Autostellplätze in der Innenstadt wegfallen.
Die Stadtpolitik entschied sich folglich für eine Sanierung, deren Kosten auf 2,4 Millionen Euro kalkuliert wurden. Geplant ist, marode Teile abzuklopfen und durch frischen Beton zu ersetzen. Zudem soll Bewehrungsstahl ergänzt und ein neuer Oberflächenschutz aufgebracht werden. Dann könnte das Parkhaus mit seinen fünf Stockwerken weitere 25 bis 30 Jahre halten. Im Moment wird also Beton entfernt. Treten darunter weitere, bislang unsichtbare Schäden zutage? Auf solche Überraschungen würden die Stadtwerke gerne verzichten.
Erhöhte Schutzvorkehrungen
Jedenfalls gibt es erhebliche Mengen an Bauschutt und es entsteht viel Staub, weshalb für die Arbeiter erhöhte Schutzvorkehrungen gelten. Die Brocken und Brösel werden per Radlader nach draußen transportiert und am Portal an der Haaggasse in Container geladen. Das Material werde dann ordnungsgemäß entsorgt, wofür die Baufirma verantwortlich sei, so Goßmann.
Erhebliche Kosten
Lohr muss für die Tiefgarage tief in die Kasse greifen. Das zeigt ein Blick ins Archiv: 2001 wurde das Bauwerk schon einmal saniert mit Kosten von 1,4 Millionen Mark. Überhaupt ist die Instandhaltung eine Daueraufgabe: Kassen, Schranken, Lüftung, Treppenhaus, Aufzug, Brandschutz und Beleuchtung sind Kostenfaktoren. Für die Erneuerung der Sprinkleranlage waren 320.000 Euro fällig, für acht neue Werbevitrinen wurden 60.000 Euro ausgegeben. Das Altstadtparkhaus sei ein "Fass ohne Boden", wurde 2017 im Stadtrat beklagt.
Erhebliche Kosten verursachte auch der Rückbau von Einrichtungen, die zur früheren Funktion als Schutzraum gehörten. Fünf große Luftschutztüren mussten herausgenommen werden, ebenso das massive Bunkertor, eine 30 Tonnen schwere Konstruktion aus Stahl und Beton. Angesichts der Weltlage sind inzwischen Fragen zu hören, ob die Tiefgarage wieder für den Zivilschutz ertüchtigt werden könnte. Aber das ist ein anderes Thema und fällt ohnehin, so Johannes Goßmann, "nicht in die Zuständigkeit der Stadtwerke".

