Die Gemeinderat von Zellingen und Thüngersheim haben sich für einen gemeinsamen Bauhof entschieden. Für die "Bauhofgemeinschaft Thüngersheim-Zellingen" wird ein gleichnamiger Zweckverband zum 1. Januar 2027 gegründet, vorher ist ein Probebetrieb vereinbart. In einer gemeinsamen Sitzung im Zellinger Rathaus stimmten beide Gemeinderäte in getrennten Abstimmungen zu und ermächtigten die Bürgermeister, die Zweckverbandssatzung zu unterzeichnen.
Gestartet war das Projekt "Interkommunaler Bauhof" vor zwei Jahren deutlich größer innerhalb der ILE "Main-Wein-Garten" mit den Mitgliedsgemeinden Zell, Margetshöchheim, Erlabrunn, Himmelstadt, Thüngersheim, Leinach Retzstadt und Zellingen. Sieben der acht Gemeinden waren anfangs interessiert, doch letztlich entschieden sich immer mehr Gemeinderäte dagegen. Sitz des Zweckverbandes ist Zellingen, wo auch der zentrale Bauhof entstehen soll. Personal- und Finanzverwaltung sowie die Kassengeschäfte werden der Verwaltungsgemeinschaft Zellingen übertragen. "Von der Größe und Nähe her passen wir gut zusammen, befand Zellingens Bürgermeister Stefan Wohlfart. Wenn es gut läuft, kämen nach seiner Überzeugung noch einige der anderen Gemeinden dazu, denn kleine Bauhöfe seien nicht überlebensfähig.
Kleine Bauhöfe sind nur schwer überlebensfähig
Die von der Rechtsaufsicht des Landratsamts genehmigt Verbandssatzung listet insgesamt zehn Aufgaben auf, neben dem Betrieb des Bauhofs sind das vor allem der Unterhalt und die Pflege der örtlichen Kanalnetze, der Gemeindewälder, der Straßen und Plätze inklusive Räum und Streudienst, der Liegenschaften, der Spielplätze, der Friedhöfe, der gemeindlichen Gewässer und der Schwimmbäder. Eine sehr wichtige Aufgabe während der Vegetationsperiode ist die Landschafts- und Grünpflege.
"Mein Herz schläg für den Bauhof, seit 20 Jahren", schickte Christel Haupt von der gleichnamigen Kommunalberatung ihren Ausführungen voraus. Sie hat nicht nur die acht Bauhöfe der ILE-Gemeinden untersucht, sondern im Laufe der Zeit rund 170 Bauhöfe. Mit sehr ähnlichen Ergebnissen: Kleinere und mittlere Gemeinden haben fünf bis zwölf Mitarbeiter und immer die gleichen Aufgaben samt passender Fahrzeug- und Maschinenausstattung. Die Grünpflege mache meist den größten Teil aus. Das Fachpersonal bestehe oft aus einem Gärtner und Handwerkern, die aber als Allrounder tätig werden müssen, weil bis auf die Grünpflege kein Gewerk (Holz, Elektro, Metall) die nötige Vollauslastung erreiche. Gerade diese mache es aber wirtschaftlich effizient und verbessere zudem die Motivation der Mitarbeiter.
Bauhofgemeinschaft wird 18 Mitarbeiter haben
In einem großen Bauhof könnte anderes gearbeitet werden, mit Kolonnen oder Trupps. Dann könnte der Bautrupp etwa eine Fläche "am Stück" pflastern und werde nicht zwischendurch zu einem umgestürzten Baum gerufen. Eine wissenschaftliche Untersuchung belege, dass ab 18 Mitarbeitern eine solche Arbeit möglich ist. Zufall? Die Bauhofgemeinschaft wird genau 18 solche Mitarbeiter haben, das Personal wird zusammengeführt, Einsparungen sind nicht geplant. Dazu braucht es noch eine "starke Leitung", Christel Haupt empfiehlt einen Techniker oder Meister, eine Verwaltungskraft (halbe Stelle) und ein Bauhofabrechnungsprogramm. Das klinge zunächst nach zusätzlichen Stellen, die Stunden würden ja schon jetzt abgerechnet. In Zellingen teilten sich die Aufgabe zwei Vorarbeiter, in Thüngersheim kümmere sich ein Mitarbeiter des Bauamtes darum. Das seien versteckte Kosten.
Wohlfart: Zweckverbände sind nichts Neues
Ähnlich sieht es bei den Maschinen und Fahrzeugen aus. Zellingen hat derzeit sechs Transporter als Werkstattwagen, Thüngersheim zwei, dazu je ein großer und ein kleiner Traktor und einen Aufsitzmäher. Die höchste jährliche Auslastung hat der große Traktor in Zellingen mit guten 24 Prozent, in Thüngersheim sind es 20 Prozent. Die Satzung regelt, dass dieses bewegliche Anlagenvermögen in den Zweckverband eingebracht wird, wofür Wertgutachten erstellt werden. Auch dafür braucht es die 1,5 Jahre Vorlauf. Vermutlich wird der große Traktor aus Thüngersheim bleiben, weil er neuer ist, und der aus Zellingen wird verkauft.
Ihre Erfahrung sei, so Christel Haupt, dass sich Ängste, keinen Zugriff auf den "eigenen Bauhof" zu haben, nicht erfüllten. Vielmehr wolle nach ein paar Jahren niemand mehr zurück und lobe die Entscheidung. Vor den Abstimmungen erinnerte Bürgermeister Stefan Wohlfart daran, dass Zweckverbände nichts Neues sein. Beim Abwasser käme niemand auf die Idee, den Zweckverband auflösen zu wollen. Für manchen Aufgaben seien viele Gemeinden zu klein. "Wir kommen an unsere Grenzen und flüchten uns in Fremdvergaben, um übers Jahr zu kommen, berichtete Thüngersheims Bürgermeister Michael Röhm. Als "Duo" zu beginnen müsse kein Nachteil sein, auch wenn es schade sei, dass sechs der acht ILE-Gemeinden absprangen.