
Dieses Jahr hat die Pfarrei der Karlstadter Gemeinde „Zur Heiligen Familie“ das traditionelle Weißwurstessen zum Anlass genommen, am Sonntag nach dem Josefstag, das Gemeinschaftsprojekt für eine bunte Gemeinde mit Zivilcourage und gegen Rassismus zu gestalten. Nachdem im Januar 2024 Teile der Bodelschwingstraße in Karlstadt mit fremdenfeindlichen Sprüchen, die Fäkalsprache enthielten, beschmiert wurden, war das Entsetzen groß. Mitbetroffen war der Turm der Kirche Zur Heiligen Familie. Das Geschmiere wurde umgehend überdeckt und die Pfarrei startete schnell eine Gegenaktion.

So wurden zwei Malen-Nach-Zahlen-Banner, eines mit Friedensmotiven und eines mit Schriftzug „Wir sind bunt“ entworfen. Am Schulfest des Johann-Schöner-Gymnasiums im vergangenen Juli durfte die Öffentlichkeit die Abdeckungen mit bunten Farben ausmalen. Als Material für die Banner wurde Stoff verwendet, der noch vom Kunstprojekt des verhüllten Kirchturms übrig war. Die Plakate wurden über die Schmierereien gehängt. Jedoch wurde eines nicht lange Zeit später entwendet. Wieder ließ sich die Gemeinde nicht unterkriegen, ein neues Banner wurde gestaltet, von Groß und Klein ausgemalt und trotze den Widersachern mit dem Spruch "Wir bleiben bunt".
Banner soll zeigen, dass Fremdenhass hier keine Chance hat
Von langer Dauer war es allerdings auch diesmal nicht. Obwohl die Randalierer hartnäckig blieben, war klar, ein neues Banner musste her. Diesmal wurde ein P-Seminar des Johann-Schöner-Gymnasiums beauftragt. Über mehrere Schulstunden organisierten sich die Schülerinnen und Schüler unter Aufsicht ihres Lehrers Jochen Diel selbst und erarbeiteten ein neues Design. Als Spruch wählten sie: „2x runter, jetzt noch BUNTER“ mit einem Hintergrund aus Puzzleteilen.

Der Spruch sollte zum einen den Randalierern zeigen, dass der Fremdenhass hier keine Chance hat, zum anderen soll es zum Zusammenhalt gegen Ausgrenzung aufrufen unter dem Motto: Wir sind eine Gemeinde und so stehen wir gemeinsam gegen Rassismus. Das Puzzle soll für die Menschen stehen, die so unterschiedlich sie auch sind, zusammengehören und nur durch Zusammenhalt eine Gemeinschaft bilden.
Viele Menschen malten gemeinsam ein kunterbuntes Statement
Natürlich wurde auch das neue Banner zunächst im Malen-Nach-Zahlen-Stil gestaltet, damit das Ausmalen des Plakats passend zur Message auch dieses Mal ein Gemeinschaftsprojekt ist. Das Banner in der Mitte und viele Farbtöpfe und Meschen drumherum, jeder schnappte sich einen Pinsel, um am Mal-Spaß teilzunehmen und seinen Beitrag zu leisten.
Die Aktionen mit den bunten Bannern sind eine Kooperation der Pfarrei Zur Heiligen Familie und des Johann-Schöner-Gymnasiums. Neben vielen kleinen und großen Gottesdienstbesuchern waren Jochen Diel, Leiter des P-Seminars, Hans-Michael Kaufmann, 2. Vorsitzender des Pfarrfördervereins, sowie Dekan Simon Mayer und Bürgermeister Michael Hombach mit dabei. Ob sich der Aufwand für ein drittes Banner lohnt? Für Dekan Simon Mayer steht die Antwort fest: Das Statement bleibt. Und falls weiterhin Plakate verschwinden sollten, gilt: Vom Kirchturmstoff ist noch einiges übrig, außerdem wurden neue Schutzvorkehrungen getroffen.
