Eine gemauerte Feuerstelle, umgeben von Baumstämmen zum Sitzen, trockenes Brennholz, ein Fass mit Löschwasser, ein Plumpsklo. Darüber hinaus ist dort nichts weiter zu finden unter den Eichen und Buchen des Hochspessarts - außer Natur pur: Der Trekkingplatz Rothenbuch 1 ist wahrhaft spartanisch ausgestattet. Und doch ist er gefragt: Fast 200 Zelte wurden dort im vergangenen Jahr aufgeschlagen - und nach einer Nacht wieder zusammengefaltet. Denn länger darf man dort nicht verweilen.
Etliche sind am nächsten Tag weitergezogen, sechs Kilometer durch den Spessart, für eine zweite Nacht auf dem Trekkingplatz Rothenbuch 2. Auf der Lichtung dort wurden zwischen April und Ende Oktober 128 Zelte aufgebaut. Macht auf beiden Plätzen zusammen gut 300 Buchungen - doppelt so viele wie im Jahr davor. Und für die kommende Saison, die am 1. April beginnt, liegen jetzt schon wieder 36 Buchungen vor, teilte Helga Lorenz vom Spessartbund auf Anfrage der Redaktion mit.
Maximal 15 Camper für eine Nacht an einem Platz
Wie viele Menschen es waren, die die Ruhe im Wald genossen haben, lässt sich nicht genau sagen. Denn ob in einem Zelt jetzt ein einsamer Trapper, ein verliebtes Pärchen oder ein Vater mit zwei Kindern übernachtet hat, das wird nicht erfasst vom Spessartbund, über den die beiden Rothenbucher Naturzeltplätze gebucht werden können. So dürfte die Gesamtzahl von übernachtenden Naturfreunden auf den beiden Plätzen zusammen im vergangenen Jahr irgendwo zwischen 600 und knapp 1000 gelegen haben - und das, obwohl es wegen der Hitze über weite Strecken nur kalte Küche gab vor Ort. Denn aufgrund der sommerlichen Trockenheit war offenes Feuer natürlich erst recht auf den Trekkingplätze im Hochspessart verboten.
Man muss die Natur schon mögen und dem Luxus abschwören, will man sich dort wohl fühlen. Denn der geneigte Camper muss (außer Brennholz) nicht nur alles mitbringen, was er benötigt, sondern auch wieder mitnehmen - den Müll inklusive. Vor allem muss er sich vorher überlegen, wie viel Wasser er zum Trinken, fürs Kochen und Waschen mitschleppen will. Denn Wasserstellen sucht man in der Umgebung vergeblich.
Eine Hängematte tut's auch
Manch einer macht es sich buchstäblich leichter: In der vergangenen Saison hätten drei Männer auf ein schützendes Zeltdach verzichtet und stattdessen Hängematten zwischen die Bäume gespannt, verriet Lorenz. Jeder von ihnen überwies dafür 10 Euro. Es sei auch vorgekommen, dass jemand 50 Euro gezahlt und damit den ganzen Platz für sich alleine beansprucht habe - ohne dass er die Kapazitäten selbst ausgenutzt hätte, plaudert Lorenz aus dem Nähkästchen.
Jugendgruppen hätten sich dort getroffen, Familien seien ebenso dabei gewesen wie Einzelwanderer. Viele, sehr viele seien aus dem Raum Frankfurt gekommen, liest Lorenz aus den Unterlagen heraus, etliche aus Aschaffenburg. Anreisen zwischen 150 und 400 Kilometer hätten Camper aus Erlangen (Mittelfranken) und Passau (Niederbayern), Recklinghausen und Lüdenscheid (beide Nordrhein-Westfalen) gehabt. Gefragt seien vor allem die Wochenenden und dies vor allem in den Urlaubsmonaten Juli und August, erläutert Lorenz, die im Vorstand des Spessartbunds für Finanzen verantwortlich ist.
Ärgernis: Langfristige Buchung kurzfristig abgesagt
Abgesehen von einem kaputten Wasserfass gab es keinerlei unliebsame Vorkommnisse, bestätigt auch Florian Vogel, Leiter des Forstbetriebs Rothenbuch. Seine Leute schauen immer mal wieder nach dem Rechten - ebenso wie ehrenamtliche Beauftragte der Spessartbund-Ortsgruppen Rothenbuch und Schollbrunn. Einziger Ärger bei der Verwaltung: Es sei vorgekommen, so Lorenz, dass langfristig gebuchte Plätze kurzfristig abgesagt worden seien. Deshalb fordere der Spessartbund nun die Bezahlung binnen drei Wochen nach Bestellung. Bleibt die Zahlung aus, wird die Bestellung storniert.
Die beiden Trekkingplätze im Spessart waren 2017 die ersten in Bayern."Das ist schon ein Erfolgsmodell", fasst Lorenz die Erfahrungen nach den ersten beiden Sommern zusammen. Ein Modell, das ausgebaut wird: Nicht zum 1. April, aber wahrscheinlich noch in dieser Saison soll laut Lorenz mit Heigenbrücken 1 östlich von Schöllkrippen ein dritter Trekkingplatz im Spessart hinzukommen. Das Landratsamt Aschaffenburg hat laut Pressemitteilung der Bayerischen Staatsforsten bereits seinen Segen dazu gegeben. Für den vierten steht dieser noch aus: Der Plan für den Platz westlich von Partenstein liegt derzeit beim Landratsamt Main-Spessart zur Prüfung vor.
Auf den Geschmack gekommen ist man auch im Steigerwald: Entlang zweier Wanderrouten zwischen Oberschwappach (Landkreis Haßberge) und Geiselwind (Landkreis Kitzingen) wurde im September 2018 das "Trekking Erlebnis Steigerwald" eingeweiht. Neun der zehn Plätze sind inzwischen eingerichtet.
Eine Erweiterung des Netzes im Spessart - über die vier Plätze hinaus, etwa nach Norden - ist derzeit jedoch nicht in Sicht. Zwar hatte sich die Forstdienststelle Hammelburg vor zwei Jahren offen gezeigt für das Konzept. Wie deren stellvertretender Leiter Andreas Füller auf Anfrage der Redaktion erklärte, sei dieses Vorhaben bislang jedoch nicht weiter verfolgt worden.
Aber abgesehen davon - die Trekkingplätze sind eine wirklich tolle Einrichtung.