Am 15. März 2020 haben die Bürger Main-Spessarts die Wahl zwischen fünf Landratskandidaten – drei Männern und zwei Frauen. Wie ticken sie, welche Ziele haben sie? Bei einer vom Medienhaus Main-Post organisierten Fahrt durch den Landkreis gaben Sabine Sitter (CSU), Pamela Nembach (SPD), Christian Baier (Grüne), Christoph Vogel (Freie Wähler) und Hubert Fröhlich (FDP) am Samstag Einblick in ihr Denken.
Los ging's am Samstagvormittag im Steinfelder Ortsteil Hausen mit dem Oldtimerbus der Firma Hock. Als Herbert Hock den 1962 gebauten Setra startete, dessen 150-PS-Motor eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern ermöglicht, gab er seinen Fahrgästen mit auf den Weg: „Man muss sich erst mal entschleunigen.“
Flammendes Plädoyer gegen die B26n
Bereits nach einem guten Kilometer Fahrt machte der Bus kurz hinter dem Hausener Wohngebiet „Forst“ seinen ersten Halt. Dort hielt Gerd Reimer vom örtlichen Heimat- und Geschichtsverein ein flammendes Plädoyer gegen die B26n die „zu 100 Prozent Transitverkehr“ in den Landkreis bringen werde.
Mit Blick auf die im Zusammenhang mit der B26n geplante Straßenspange durchs Waldgebiet Kohlplatte und das Buchental verwies Reimer zum einen auf die dort vorhandene intakte Natur mit seltenen Pflanzen und Tieren, zum anderen auf die Bedeutung der 25 historischen Grabhügel, die bis zu 3600 Jahre alt seien. „Verhindern Sie dieses idiotische Projekt“, appellierte er an den künftigen Landrat beziehungsweise die künftige Landrätin. Stattdessen solle man lieber vorhandene Straßen ausbauen und im Werntal Ortsumgehungen schaffen.
An zahlreichen Leserzuschriften zur B26n könne man erkennen, dass dieses Thema die Menschen bewege, machte Joachim Spies, der Leiter der Main-Post-Redaktion Main-Spessart, deutlich. Der Wähler erwarte von den Landratskandidaten eine klare Positionierung. Die kam zunächst nicht, am Nachmittag dann aber doch. Aber dazu später mehr.
Zwischendurch gab Spies die Leseranfrage weiter, welcher der Kandidaten sich als künftiger Landrat für die Wiedereinführung der alten Autokennzeichen (GEM, KAR, LOH, MAR) einsetzen werde. Klare Sache: Keiner!
Vier Gesprächsrunden zu verschiedenen Themen
Mittlerweile war die Busgesellschaft in Karlstadt angekommen, wo es im Aufenthaltsraum des Ruderclubs um Fragen rund um den Wirtschaftsstandort Main-Spessart ging; kompetenter Diskussionsteilnehmer dort war Frank Kampmann, Geschäftsführer der Karlstadter Systec-Gruppe.
Nächste Station war Gemünden, wo die kleine Reisegruppe aus Landratskandidaten und Journalisten im Huttenschloss auf knapp 50 Bürger traf, unter denen sich auch Gemündens Bürgermeister Jürgen Lippert befand. Diskussionsthemen waren der öffentliche Personennahverkehr, Möglichkeiten der Dorf-Revitalisierung und Probleme bei Veranstaltungen, bedingt durch hohe Auflagen.
Nach einer Mittagsrast im Hotel-Gasthof „Zum letzten Hieb“ in Langenprozelten ging es weiter nach Lohr ins Kreiskrankenhaus. Dort setzte sich Hebamme Yvonne Gunst, unterstützt von Main-Post-Redakteur Roland Pleier, nachdrücklich für die Einrichtung einer Geburtshilfeabteilung im geplanten Klinikumsneubau ein. Sowohl Klinikreferent René Bostelaar als auch die fünf Landratskandidaten winkten ab. Auch wenn dies prinzipiell wünschenswert wäre, seien der immens hohe Aufwand und die Einhaltung der medizinischen und rechtlichen Standards, den eine solche Einrichtung erfordert, nicht zu schaffen, hieß es.
Klare Einordnung am Ende
In den Geschäftsräumen der Main-Post in Marktheidenfeld trafen die fünf Bewerber für den Chefsessel im Landratsamt auf vier junge Fridays-for-Future-Aktivisten und wurden von ihnen mit ökologischen Themen konfrontiert.
Es stellte sich heraus, dass keiner der Kandidaten Vegetarier ist und alle noch mit Autos unterwegs sind, in denen sich Verbrennungsmotoren befinden. Beim Ziel eines energieautarken Landkreises setzen die Kandidaten auf eine Mischung aus Photovoltaik-Ausbau, Car-Sharing, Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs und Energiesparen durch Gebäudesanierung.
Die vier jungen Klimaaktivisten forderten von den Landratskandidaten auch eine klare Aussage zum Straßenbauprojekt B26n. Als einziger sprach sich Christian Baier von den Grünen gegen die B26n aus, die anderen befürworteten den Bau dieser Straße.
Fazit: Bei der Tour durch Main-Spessart ließ der Eindruck gewinnen, dass die fünf Kandidaten bei vielen landkreisrelevanten Themen sehr ähnlich denken. Lediglich in Sachen B26n gibt es einen Andersdenkenden.
Berichte zu den einzelnen Themenfeldern folgen.