zurück
Lohr
Beschwerlichen Weg erfolgreich gegangen
Teresa Nätscher ist glücklich mit Büchern. 
Foto: Steffen Schreck | Teresa Nätscher ist glücklich mit Büchern. 
Steffen Schreck
 |  aktualisiert: 03.04.2025 12:13 Uhr

Welche Berufsaussichten haben Förderschülerinnen und -schüler? Die 30 Jahre alte Teresa Nätscher zum Beispiel arbeitet in der Würzburger Universitätsbibliothek. Doch der Weg zum Traumjob war lang.

Teresa Nätscher sitzt gegenüber. Die junge Frau strahlt. Seit 2021 hat sie sich ihren Traum verwirklicht. Eine Arbeit mit Büchern. An der Universitätsbibliothek in Würzburg erledigt sie die vielfältigsten Aufgaben. Bis dahin war es ein weiter und beschwerlicher Weg. Mit etwas Abstand zu ihrer Schulzeit spricht sie heute offen über ihren Werdegang.

Nach einem Jahr im Regelkindergarten besuchte Teresa die Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) der Lebenshilfe in Lohr-Wombach. Teresa erzählt, dass sie als Kind viele Einschränkungen hatte. "Ich konnte nur wenige Worte sprechen, auch die Motorik hat nicht gepasst", sagt Teresa. Sie habe sich damals auf ihre eigene Art verständlich gemacht, erinnert sie sich heute. Woher ihre Einschränkungen kamen, kann sie nur vermuten. Naheliegend wäre ihrer Meinung nach ein Schlaganfall im Mutterleib.

Die Förderung in der SVE bewerte sie rückblickend als sehr gut. In der nur zehn Kinder großen Gruppe sei für jedes einzelne Kind genug Zeit gewesen. Teresa, die viel mit den Händen redet und gestikuliert, sagt, sie hätte sogar Gebärdensprache lernen sollen. Ihre Gestik führt sie darauf zurück. Dazu kam es aber nicht.

"Ich war langsam, ich habe einfach meine Zeit gebraucht"

Nach dem Kindergarten wechselte sie an die St.-Kilian-Schule in Lohr. Sie ärgert sich, dass viele Menschen ihre Art von Einschränkungen mit "dumm" gleichsetzen würden. Doch schnell bewies die heute 30-Jährige, dass sie das ganz und gar nicht ist. "Ich war dann immer eine Einser-Schülerin", sagt Teresa. Der Wechsel an eine Regelschule sei auch immer wegen ihrer guten Noten ein Thema gewesen. "Aber ich war langsam", gibt Teresa zu bedenken. "Ich habe einfach meine Zeit gebraucht", ergänzt die in Lohr-Sendelbach wohnende junge Frau. Die Einser seien dann auch gut für das eigene Selbstbewusstsein gewesen. Ein Lehrer für viele Fächer, anders als an der Mittelschule, sei für sie die beste Lösung gewesen.

Nach der neunten Klasse der St. Kilian-Schule wechselte sie in die neunte Klasse der Mittelschule. Kein unüblicher Schritt. "Das war ein Sprung, vor allem die Schnelligkeit war eine ganz andere", sagt sie rückblickend. Und dann kam ein Moment, den ihre spätere Schulleiterin Sibylle Rohde heute noch ungläubig schildert. Teresa wusste auch am Ende der Mittelschule nicht, welche berufliche Laufbahn sie einschlagen soll. "Was mit Büchern" sei immer ein Thema gewesen. Aber für eine Buchhändler-Ausbildung hätte sie einen Realschulabschluss gebraucht. Und so beschloss Teresa, die neunte Klasse Mittelschule zu wiederholen.

Mit nur einer kurzen Vorbereitung von einem Tag nahm sie an den Prüfungen für den qualifizierenden Mittelschulabschluss teil. Und hat bestanden. Mit den Worten "Oh Gott, sie hat bestanden", sei dann ihr Lehrer Michael Brönner verzweifelt im Schulhaus umhergelaufen. Denn mit der bestandenen Prüfung hätte Teresa ihren Plan der Wiederholung normalerweise nicht umsetzen können. Viel Überredungskunst beim Schulamt sei dann nötig gewesen. Teresa durfte wiederholen und dankte es mit einem Schnitt von 2,24 als Jahrgangsbeste. In Vollzeit-Schule absolvierte sie dann die Prüfung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Mit 23 Jahren war sie fertig. Im Anschluss arbeitete sie in der Wachtmeisterei des Amtsgerichtes Gemünden.

Ihre einzige weitere Bewerbung schickte sie an die Universitätsbibliothek Würzburg. Dort wurde sie genommen. Auch wenn sie einen einfachen Arbeitsweg von 90 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hat, ist sie dort glücklich.

Sibylle Rohde blickt mit ein wenig Stolz auf ihre ehemalige Schülerin zurück. Zwischen beiden hat sich eine Freundschaft entwickelt. "Sie war Schülersprecherin", erinnert sich Sibylle Rohde. Dort sei ihr die Gleichbehandlung aller Schüler immer wichtig gewesen. Was sie mit einer gemeinsamen Vernissage der drei Schulen am Lohrer Nägelseezentrum toll organisierte. Teresa selbst hat heute vor allem private Träume. Neben einer schon gebuchten Ägypten-Reise kann sie sich eine kleine Eigentumswohnung in Würzburg vorstellen.

 
Themen & Autoren / Autorinnen
Lohr
Amtsgericht Gemünden am Main
Mittelschule Maroldsweisach
Realschulabschluß
SV Erlenbach a.M. e.V.
Schulzeit
Schulämter
Schülerinnen und Schüler
Universitätsbibliotheken
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden Jetzt registrieren

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits von 50 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen
Kommentare
Aktuellste
Älteste
Top