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Lohr
Abschied von einem Künstler und Kunsttherapeuten: Michael Henning ist gestorben
Der Künstler und Kunsttherapeut Michael Henning ist im Alter von 65 Jahren gestorben. 
Foto: Wolfgang Weismantel | Der Künstler und Kunsttherapeut Michael Henning ist im Alter von 65 Jahren gestorben. 
Wolfgang Weismantel
 |  aktualisiert: 04.04.2025 10:55 Uhr

"Kunst ist Reaktion und Dialog" – diesen Satz prägte Michael Henning nicht nur, er lebte ihn. In seinem künstlerischen wie therapeutischen Wirken suchte er stets die Begegnung, die Rückmeldung, das kreative Miteinander. Nach langer Krankheit ist der Partensteiner Künstler und langjährige Kunsttherapeut am Bezirkskrankenhaus Lohr nun im Klinikum Main-Spessart gestorben. 

Michael Henning war stark in seinen Heimatort eingebunden. Schon als Jugendlicher engagierte er sich als Handballsportler des TSV, übernahm später als Gemeinderat Verantwortung und bleibt unvergessen als Schöpfer einiger Skulpturen, die im Ortsbereich aufgestellt sind. Besonders begeisterte ihn das Hornblasen bei den Partensteiner Musikanten und im Posaunenchor. Als humorvoller Mensch konnte er über lange Jahre Faschingsveranstaltungen bereichern.

Feste Größe in Kunstszene

Insbesondere war er über viele Jahrzehnte eine feste Größe in der regionalen Kunstszene und prägte als Kunsttherapeut mit großem Einfühlungsvermögen die therapeutische Arbeit am Sommerberg entscheidend mit. Sein Lebensweg war gekennzeichnet von der Neugier auf Materialien, Formen und Ausdrucksmöglichkeiten – und von der Überzeugung, dass Kunst nicht nur ästhetischer Ausdruck, sondern auch heilsame Kraft sein kann.

Schon als Kind war er von der Welt des Gestaltens fasziniert. In Höfen und Ställen, zwischen Werkzeugen und allerlei Fundstücken, erlebte er in der Gemeinschaft mit anderen Kindern die Freude am Bauen, Basteln und Erfinden – eine spielerische Auseinandersetzung mit der Welt, die seine künstlerische Sprache früh prägte. Aus Haselnussstöcken wurden Speere, aus alten Brettern windige Hütten. Diese kreative Ursuppe wurde zur Grundlage für ein Leben mit und für die Kunst.

Nach dem Abitur und verschiedenen Praktika schlug er zunächst den Weg des Handwerks ein und ließ sich zum Holzbildhauer ausbilden – ein Schritt, der seinen späteren Stil nachhaltig prägen sollte. Es folgte ein Kunststudium an den Hochschulen in Bremen und Kassel, bevor er als freischaffender Künstler wirkte und ab 1994 eine berufsbegleitende Ausbildung zum Kunsttherapeuten absolvierte.

Kunst bedeutete für ihn nie bloß ein fertiges Produkt, sondern immer auch Prozess, Suche, Experiment. Ob Holz, Stein, Farbe oder Grafik – stets ging es ihm darum, dem Material seine eigene Geschichte zu entlocken. Besonders das Holz, im Spessart fast schon ein Schicksalsmaterial, blieb zeitlebens sein bevorzugter Werkstoff. Seine Skulpturen und Figuren erzählten vom Alltag, von Idolen, vom Leben selbst – oft augenzwinkernd und mit feinem Humor.

Über viele Jahre lebte und arbeitete Henning mit seiner Familie im Elternhaus in Partenstein, wo auch sein Atelier und eine beachtliche Präsentationsfläche für Ausstellungen untergebracht waren. Seine letzte Schau trug den Titel "Kunst aus dem Depot" und war ein Rückblick auf frühere Schaffensperioden – zugleich ein stiller Abschied aus dem aktiven künstlerischen Leben.

Er war ins Elternhaus seiner Frau gezogen, um mit ihr gemeinsam den Ruhestand zu genießen. Neben seinem eigenen künstlerischen Wirken war ihm die therapeutische Kraft der Kunst ein zentrales Anliegen. Über 25 Jahre prägte er als Kunsttherapeut das Bezirkskrankenhaus Lohr. Was mit dem Umbau eines alten Schuppens begann, wurde unter seiner Leitung zu einer anerkannten Einrichtung, dem Kunsthof. Dort fanden Patienten kreative Räume, in denen sie – oft jenseits der Worte – Ausdruck, Ermutigung und Selbstwirksamkeit erleben konnten.

Für Henning war diese Arbeit nicht nur Beruf, sondern Berufung: "Diese nonverbale und wertfreie Art des Ausdrucks erleichtert die Kommunikation", sagte er einmal. Kunsttherapie könne helfen, Blockaden zu lösen, Selbstwert zu stärken und neue Perspektiven zu eröffnen.

Kraft in den kleinen Dingen

Der leidenschaftliche Künstler, der seine Werke als Gesprächsangebote verstand, war für viele auch ein Gesprächspartner im wörtlichen Sinn – zugewandt, nachdenklich, humorvoll, manchmal auch zurückgezogen. Er glaubte an die Kraft der kleinen Dinge, an die Wirkung von Farbe, Form und Material, an das stille Verändern durch Gestalten.

Michael Henning hinterlässt seine Ehefrau, seine Kinder, seine Enkel und ein beeindruckendes Lebenswerk, das in zahlreichen Ausstellungen sichtbar wurde – und in den Erinnerungen jener weiterlebt, die mit ihm gearbeitet, geschaffen oder einfach nur gesprochen haben.

Die Beerdigung ist am Mittwoch, 16. April, um 15 Uhr auf dem Friedhof in Partenstein.

 
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