Eines der tragischsten Kapitel der Ortsgeschichte ereignete sich in Neuhütten am 1. April 1945, also vor 80 Jahren. Der Ostersonntag, traditionell ein Symbol für Frieden und Hoffnung, wurde für die Dorfbewohner zu einem Tag der Angst und Zerstörung.
Es war kurz vor Mittag, als plötzlich Flugzeugmotoren die frühlingshafte Stille durchbrachen. Ohne Vorwarnung begann ein verheerender Bombenangriff, der in wenigen Minuten große Teile des Ortskerns zerstörte. In seinem 2005 erschienenen Buch "So war das damals" schilderten Linus Kunkel und weitere Augenzeugen, wie Wohnhäuser, Scheunen und Stallungen dem Erdboden gleichgemacht wurden. Das gesamte soziale und wirtschaftliche Leben des Dorfes brach zusammen.
Kaum wiederzuerkennen
Besonders schwer betroffen waren zentrale Gebäude wie das Gemeindehaus, die Schule und viele Bauernhöfe, die in Flammen aufgingen. Die Zerstörung war so umfassend, dass Neuhütten kaum wiederzuerkennen war.
Augenzeugen berichten von Familien, die verzweifelt Schutz in Kellern suchten, während Explosionen und Feuer das Dorf verwüsteten. Ein Zeitzeuge schilderte eindringlich, wie sein Vater versuchte, das Vieh aus den brennenden Stallungen zu retten, während ringsum alles zusammenbrach. Zahlreiche Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben, darunter auch Kinder und ältere Dorfbewohner.
In den Stunden und Tagen nach der Bombardierung zeigte sich aber auch die große Solidarität innerhalb der Dorfgemeinschaft. Menschen teilten die wenigen verbliebenen Vorräte, halfen einander bei der Suche nach Angehörigen und boten Obdachlosen Unterkunft in noch halbwegs intakten Gebäuden und Scheunen. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser war extrem schwierig, da viele Brunnen zerstört waren. Erst mit den ersten Hilfslieferungen entspannte sich die Lage ein wenig.
Wenige Tage nach der Bombardierung erreichten amerikanische Truppen Neuhütten. Diese Begegnungen waren geprägt von Angst und Unsicherheit, aber auch von vorsichtiger Hoffnung. Erste Hilfsmaßnahmen der amerikanischen Soldaten sorgten für Erleichterung, gleichzeitig führten sprachliche und kulturelle Unterschiede immer wieder zu Missverständnissen. Doch bald wandelte sich das anfängliche Misstrauen vieler Dorfbewohner in Dankbarkeit, als sie bemerkten, dass die Soldaten humanitäre Hilfe leisteten und sich um den Wiederaufbau bemühten.
Stück für Stück aufgebaut
Der Wiederaufbau Neuhüttens dauerte Jahre und verlangte den Bewohnern sehr viel ab. Baumaterialien waren knapp, Arbeitskräfte rar, und außerdem litten viele Einwohner langfristig unter den psychischen Folgen des Angriffs. Dennoch gelang es ihnen, das Dorf Stück für Stück neu aufzubauen.
Heute, acht Jahrzehnte später, bleibt es umso wichtiger, diese tragischen Ereignisse wachzuhalten und daran zu erinnern, welche verheerenden Auswirkungen Krieg und Gewalt haben.