
Wenngleich der Stock im 20. Jahrhundert an Bedeutung verloren hat, bis dahin zählte er zu einem wichtigen Gegenstand für die Menschen. Stock ist nicht gleich Stock – das zeigt das Iphöfer Knauf-Museum in seiner neuen Sonderausstellung. Bis heute sind Spazierstöcke aus den vergangenen drei Jahrhunderten begehrte Objekte für Liebhaber, Sammler und Kenner.
Das Knauf-Museum Iphofen präsentiert ab Sonntag, 30. März, die Sonderausstellung "Stocktanz – Spazierstöcke aus drei Jahrhunderten".

Wie das Museum zu dieser Ausstellung kam? "Ganz einfach, jeder Stock hat einen Knauf", meinte Museumsleiter Markus Mergenthaler in Anspielung an die drei wesentlichen Bestandteile eines Stockens, nämlich Knauf oder Griff, Schuss oder Schaft, Spitze oder Zwinge.
Faszinierendes Neben-Thema
Nein, verwarf er glich die humorvolle Erklärung. Vielmehr seien Stöcke ein faszinierendes Thema, das nur wenige Häuser bis heute ausgestellt hätten. Doch das Knauf-Museum sei bekannt dafür, solche kleinen Neben-Themen aufzugreifen.

Hinzu kommt, dass in der Dauerausstellung auf den Reliefs schon Stöcke zu sehen sind, zum Beispiel ist Tutanchamun mit einem solchen abgebildet. Dann traf Mergenthaler auch noch mit Thomas Dennerlein zusammen, der von seinen etwa 600 Objekte zählenden Stock-Sammlung erzählte. 120 werden nun in der Sonderausstellung mit sechs Themenbereichen präsentiert.
Sieben tanzende Scherenschnittfiguren
"Die Ausstellung darf alles andere werden, nur nicht stocksteif", erzählte Mergenthaler beim Presserundgang, an dem auch Schirmherrin Ingrid Knauf und Adelheid Rasche, die im Begleitband zur Ausstellung eine Einführung über die Kulturgeschichte des Spazierstocks geschrieben hatte, teilnahmen.

Wie durch die Ausstellung läuft auch durch den Begleitband die Choreographie des Tanzes. Sieben tanzende Scherenschnittfiguren mit Stöcken empfangen die Besucher und Besucherinnen auf der Glaswand im Foyer. Auch ein Film im Scherenschnittfiguren-Stil läuft in einem Ausstellungsraum im Hintergrund – die Darsteller: Museums- und Unternehmensmitarbeitende sowie zwei Gardemädchen.
Von Barockzeit bis Jugendstil
Der Rahmen für einen kurzweiligen Museumssaufenthalt ist also geschaffen. Gefüllt ist er mit Stöcken, die in Form und Vielfalt faszinieren. Denn Stock ist nicht gleich Stock. Um es vorwegzunehmen, es geht nicht um den klassischen Wanderstock mit den kleinen Metallschildern von erwanderten Orten oder Ähnlichem. Von diesen liegen zwar auch drei in einer Vitrine, aber klar getrennt von der eigentlichen Ausstellung, die nämlich zeigt Objekte aus der Barockzeit bis in den Jugendstil. Das ist der Schwerpunkt der Sammlung, denn stark in das 20. Jahrhundert geht die Ausstellung nicht mehr hinein.

War der Stock laut Museumsmitteilung seit jeher ein Werkzeug für den Menschen gewesen, verändert sich im 18. Jahrhundert seine Rolle. Er wird zum modischen Accessoire, mehr noch zum Statussymbol der Aristokratie. Damit sind der kunsthandwerklichen Gestaltung Tür und Tor geöffnet.

Entstanden sind bemerkenswerte Spazierstöcke aus Holz, mit Silbergriff oder als raffiniertes System mit verborgenen extravaganten Funktionen wie etwa eine Stockgeige oder der Spazierstock mit Fernrohr.
Diverse Materialien und Funktionen
Edle Hölzer, Silber, Gold, Edelsteine, Elfenbein oder auch Koralle spiegeln den Reichtum des Besitzers oder Auftraggebers eines Spazierstockes wider. Materialien und Design erzählen aber ebenso Geschichten über die Herstellung und den historischen Hintergrund, vor dem die Stöcke entstanden.
Zu den besonderen Objekten der Ausstellung zählen auch Stöcke aus dem Zahn eines Narwals, aus Haifischwirbeln, aus einem Rochenstachel oder aus Malachit. Es gibt Knäufe mit biblischen Darstellungen, Figuren und Tieren.
Die Sonderausstellung "Stocktanz – Spazierstöcke aus drei Jahrhunderten" ist noch bis 10. Juni zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr.
Weitere Informationen im Internet unter www.knauf-museum.de




