
Es ist laut. Wenn die Trompeten anfangen, wird es richtig laut. Und wenn man nicht aufpasst und sich vor den Schlagwerker setzt, der die Becken in der Hand hat, zuckt man beim Einsatz gehörig zusammen. Aber es ist nur hier im Probenraum des Musikvereins Willanzheim e.V. sehr laut, in einem größeren Raum wird das gerade richtig sein.
Man hat sich hier häuslich eingerichtet, in einem der kleinen Häuschen, die die Kirchenburg in Willanzheim bilden. Hier proben sie, unterrichten den Nachwuchs und feiern alles, was es zu feiern gibt. Eine bunte Truppe von 40 Musikern ist es, die da zum Probenwochenende für ein großes Ereignis teils von weit her gekommen ist. Lustig geht es zu, es wird viel gelacht, aber auch wirklich ernsthaft geprobt. Man ist in den Endproben für die Dirigenten-Gala am 5. April in der Knaufhalle in Iphofen.
Urkundlich belegt gibt es in Willanzheim seit 1888 ein Bläserensemble, welches außer in den Kriegsjahren immer bestand. Der eingetragene Musikverein hat sich 1978 gegründet. Damals war Ottmar Schwab aus Stadtschwarzach Dirigent. Man spielt bei Prozessionen, in der Kirche, bei Konzerten und auf Festen. Und als man unlängst zu dessen 70. Geburtstag aufspielte, kam die Idee auf, einmal ein Konzert zu veranstalten, das alle Dirigenten vereint, die seither das Blasorchester geleitet haben.
Musikalischer Lauf durch die Vereinsgeschichte
Seit drei Monaten nun bereiten sie dieses Konzert vor: Ottmar Schwab, Udo Appel, Michael Mauer, Karoline Mauer, Klaus Hammer, Thomas Joha, Siegfried Graf, Linda Graf kamen teils von weit her, um für die Stücke, die sie in Iphofen präsentieren werden, den letzten Schliff zu erarbeiten. Jeder Dirigent wird in der Gala ein Stück präsentieren, welches er zu seiner Zeit mit den Musikern erarbeitet hatte, sodass verschiedene Stile zur Aufführung kommen werden.
Die jüngeren Dirigenten haben alle einen Abschluss als Staatlich anerkannte Dirigenten von Blasorchestern im Laienmusizieren. Sie sind gut ausgebildet und bringen vor allem auch neues Repertoire mit, so dass der Abend kurzweilig werden wird. Vom Florentiner Marsch und klassischer böhmischer Blasmusik über Whitney Houston, Udo Jürgens, Musicals und Filmmusiken wird Vielseitiges geboten. Ein ganz musikalischer Lauf durch die Geschichte des Vereins wird es werden und so, wie ein Gründungsmitglied es formulierte: "Besinnd euch wo da har kummd".
Aber nicht nur für die Zuhörer in der Knaufhalle wird das interessant sein, sondern auch für die Musiker bringt ein solcher Dirigentenreigen neue Impulse. Jeder Dirigent ist unterschiedlich, und die Musiker müssen sich schnell auf die jeweiligen Eigenarten einstellen. Linda Graf, Schulmusikstudentin, die schon das Nachwuchsorchester von Musikverein und Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Iphofen leitet, betont, dass man bei jedem etwas abgucken kann.
Gut aufgestellt in Sachen Nachwuchs
Überhaupt ist der Musikverein Willanzheim gut aufgestellt, was den Nachwuchs betrifft. Musikbegeisterte haben die Möglichkeit, bei Diplommusiklehrern des Vereins ein Instrument zu lernen, so soll das Weiterleben des Vereins gesichert werden. Um das Niveau zu halten, nehmen die Musiker an Wertungsspielen teil, wo sie sich mit anderen Kapellen messen und nach verschiedenen Kriterien von einer Jury bewertet werden. Und in unregelmäßigen Abständen sitzen sie nach der Probe zur Brotzeit zusammen und bereden alles, was so anfällt im Verein und überhaupt.
Aber jetzt sind sie im Probenfieber, noch einige Tage bis zum Konzert, und natürlich sitzt noch nicht alles absolut perfekt. Zuversicht ist angesagt. "Des krieg mer scho" sagt Dirigent Mauer, wobei eine mahnende Stimme meint: "Mir ham nimmer viel Zeit zum Kriegen". Aber als unbeteiligte Zuhörerin kann man durchaus finden, dass sich das alles schon sehr prächtig anhört.









