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Martinsheim
Bomben zerstörten die Martinsheimer Kirche
So sah die Martinsheimer Kirche aus, bevor sie beim Bombenangriff zerstört wurde. 1946 begann der Wiederaufbau, am Ostermontag 1949 wurde die neue Kirche eingeweiht. Der Turm wurde 1951 vollendet. Volles Glockengeläut gab es 1952.
Foto: Archiv Brigitte Müller | So sah die Martinsheimer Kirche aus, bevor sie beim Bombenangriff zerstört wurde. 1946 begann der Wiederaufbau, am Ostermontag 1949 wurde die neue Kirche eingeweiht. Der Turm wurde 1951 vollendet.
Gerhard Krämer
 |  aktualisiert: 31.03.2025 02:32 Uhr

Der 28. März 1945, der Mittwoch vor Karfreitag, ist für Martinsheim der schwärzeste Tag in der Geschichte des Ortes. Vor 80 Jahren bombardierten amerikanische Jagdflieger den Ort. Etliche Menschen starben oder wurden verletzt.

Die frühere Martinsheimer Rektorin der Grundschule, Brigitte Müller, hat viele Unterlagen über diesen schicksalhaften Tag gesammelt. Ein ganzer Ordner voll ist es geworden. Darin enthalten sind auch Berichte von Zeitzeugen.

Frauen und Kinder halfen beim Löschen 

Eine der Zeitzeuginnen kann sich noch gut erinnern. Erleben möchte sie so etwas nicht mehr. Im Gespräch mit dieser Redaktion erzählt sie, dass sie an diesem Tag mit dem Rad in Marktbreit gewesen sei. Auf der Rückfahrt habe sie gesehen, dass Martinsheim brennt. Drei Tiefflieger flogen nacheinander über sie hinweg. Sie spricht von Gnade, dass ihr nichts geschah. Viele Frauen und kleine Buben halfen beim Löschen, erinnert sie sich.

Wie war es dazu gekommen? Einem Bericht des damaligen Bürgermeisters Karl Döller ist zu entnehmen, dass am 28. März der Befehl gekommen war, dass alle verfügbaren Fuhrwerke von Martinsheim nach Segnitz fahren sollten, um Kriegsmaterial von dort nach Sulzfeld zu transportieren.

Gegen Mittag kehrten die Fahrzeuge zurück nach Martinsheim. Es sei ein nebliger, trüber Märztag gewesen. Amerikanische Jagdflieger seien zu diesem Zeitpunkt gekreist. Wahrscheinlich, so steht es im Bericht des Bürgermeisters, hätten die Jagdfliegerin bei den heimkehrenden Fuhrwerken eine "marschierende bespannte Kolonne" vermutet.

Die Jagdflieger hätten dann angegriffen und auf den Westteil des Dorfes "eine verderbenbringende Last zahlreicher Splitterbomben" abgeworfen.

In der Kirche blieb nur der Altar stehen

Bomben zertrümmerten die Dorfkirche. "Der Altar ist stehengeblieben, dem hat es nichts gemacht", erzählt die Zeitzeugin der Redaktion. Auch das Bild, das heute noch in der Kirche hängt, blieb erhalten. "Es ist ein Wunder, dass der Altar stehengeblieben ist, da doch alles zertrümmert war." Innerhalb von nur vier Jahren wurde die Kirche wieder errichtet, der Turm etwas später.

In das Anwesen von Johann Fluhrer fielen zwei Bomben und zerstörten die Stallung, die Scheune ging in Flammen auf. Im Anwesen des Bauern Leonhard Mantel richteten die Bomben ebenfalls schweren Schaden an.

Am schwersten wurde das Anwesen von Georg Pfeuffer getroffen. Die Großmutter, die Dienstmagd Kathi und Knecht Leo kamen ums Leben. Das Wohnhaus wurde größtenteils zerstört, Scheune und Stallung wurden ein Raub der Flammen. Der gesamte Viehbestand starb. "Ich gewahrte zu meinem Entsetzen, dass unser Haus wie durch eine Riesenfaust auf die Seite gedrückt war."

Fünf Menschen starben durch den Bombenangriff

Beim Anwesen Mantel konnte der Sohn aus den Trümmern verletzt, aber lebend geborgen werden. Die Tochter erlag im Krankenhaus dagegen ihren Verletzungen, eine Flüchtlingsfrau wurde von einer einstürzenden Mauer erschlagen.

Fünf Menschen starben durch den Bombenangriff. Ein weiterer Martinsheimer wurde am 5. April erschossen – nach dem am 2. April erfolgten Einmarsches der Amerikaner. Ein nicht ganz nüchterner amerikanischer Soldat, so die damaligen Zeitzeugenberichte, stellte einem Mädchen nach, das bei Karl Pfeuffer Zuflucht fand. Der Soldat polterte an dessen Tür. Als Pfeuffer zur Türe geeilt war, krachte ein Schuss und Pfeuffer "sank zu Tode getroffen im Hausflur zu Boden".

Der größte Teil der Bomben war in die Baumgärten diesseits und jenseits der Enheimer Straße gefallen. In den metertiefen Bombentrichtern wurde das verendete Vieh verscharrt.

Im Gedenken zum 80. Jahrestag der Zerstörung der Martinsheimer Kirche läuten am heutigen Freitag um 11 Uhr zehn Minuten lang die Glocken. Um 19 Uhr findet eine Andacht in der Burchardiskirche statt.

 
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