
"Wann bringt ihr das endlich auf die Reihe mit den Straßennamen und der Speicherung der GPS-Daten?", fragt Franz Pohley in der ersten Wortmeldung nach dem Ende der Präsentation von Bürgermeister Helmut Dietz (SPD) bei der Bürgerversammlung in Gereuth. Und schon geht es los. Mit lauter Stimme antwortet der Bürgermeister: "Es wurde ans Vermessungsamt geschickt – und zwar rechtzeitig. Im Bayern-Atlas ist es drin." Das aber habe auch lange gedauert, kommentiert prompt ein weiterer Gereuther Bürger die Ausführungen.
Es ist ein Thema, das die Gemüter schon lange bewegt und von dem sowohl die Gereuther Bürger als auch der Bürgermeister wohl schon im Vorfeld geahnt hatten, dass es in der Versammlung noch einmal zur Sprache kommen wird: Seit September vergangenen Jahres hat der Ort neue Straßennamen erhalten. Seitdem kommen Pakete der Ortseinwohner oftmals an falscher Stelle an. Versicherungen bessern die neuen Adressen aufgrund noch falsch hinterlegter Daten in ihren Datenbanken immer wieder fälschlicherweise aus, wie Pohley aus eigener Erfahrung berichtet. Und die Gereuther Bürger fühlen sich in ihren Bedenken bestätigt. Denn: Ein Großteil der Ortseinwohner wollte die Einführung der Straßennamen selbst nicht, die Gemeinde allerdings sah sich in der Pflicht für eine bessere Orientierung zu sorgen. Auslöser dafür waren zwei medizinische Notfälle, bei denen eine Adresse in dem Ort nicht direkt gefunden werden konnte.
"Wegen einer Adresse haben wir das geändert alles, jetzt findet man keine Adresse mehr", und: "Ihr sollt nur wissen, dass wir jede Menge Ärger damit haben", lauten so auch weitere Anmerkungen der Bürger in Richtung des Rathauschefs. Dietz derweil betont mehrfach, dass die Gemeindeverwaltung alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, sogar ein EDV-Fachmann sei engagiert worden. Doch auf private Unternehmen wie Google, in dessen Suchdienst Maps die neuen Adressen noch immer nicht vollständig zu finden sind, habe die Gemeinde schlichtweg keinen Einfluss. "Das ist der Fluch der Digitalisierung", sagt Dietz dazu.
Auch nach dem kurzen Schlagabtausch bleibt es in der Gaststätte, in der die Bürgerversammlung stattfindet, weiter unruhig. An den Tischen wird munter weiterdiskutiert, während der Bürgermeister bereits auf weitere Fragen wartet. Die betreffen schließlich den Fußweg, der hinter der im vergangenen Jahr abgebrannten Lagerhalle entlangführt und ziemlich ramponiert ist, das Gereuther Wasser und eine zusätzliche Stelle, an der ein Abfalleimer für Hundekotbeutel als sinnvoll erachtet wird. Dietz verspricht, sich um all diese Belange zu kümmern.
Kai Karl äußert zudem die Sorge vor einem "Windrad-Friedhof" am Bretzenstein und fragt: "Bleibt es dabei, dass die zwei alten Windräder abgebaut werden?" Das beantwortet der Bürgermeister mit einem deutlichen "Ja". Zum weiteren Thema Windkraftausbau hatte er zuvor bereits in einer Präsentation informiert, dass der Gemeinderat dem Regionalplan Main-Rhön zur Windenergie zugestimmt hat. Der sieht die Ausweisung eines Windvorranggebiets am Bretzenstein in Richtung Losbergsgereuth vor. Ein weiteres Windrad könnte damit im Bereich des Staatswaldes entstehen. Das Thema werde die Gemeinderäte auch noch einmal in der nächsten Sitzung beschäftigen.
Für die Orte Gereuth, Wüstenwelsberg und Buch hat der Bürgermeister im Speziellen zudem noch folgende Infos parat: Der Breitbandausbau in diesen Gemeindeteilen ist im Los 2 vorgesehen, geplanter Baubeginn im Herbst diesen Jahres. Im Juli soll es dazu noch eine Informationsveranstaltung geben. Die Kreisstraßen bei Buch und Wüstenwelsberg sind nach aktuellem Stand im Ausbauplan 2028 enthalten.
Was eines der weiteren großen Themen in der gesamten Gemeinde betrifft, hat Dietz an dem Abend zudem noch ganz aktuelle Infos parat: Nach dem "neuesten Stand seit gestern" könnte die Investitionssumme für die Bauwerke, die rund um die Sanierung der Kläranlage bei Kaltenbrunn zusätzlich benötigt werden, voraussichtlich rund eine Million Euro günstiger ausfallen als bisher angenommen, erklärt der Bürgermeister in Gereuth.
Als letzter Redner an dem Abend meldet sich Reinhold Meixner zu Wort: Auch wenn das mit den Straßennamen wirklich ungünstig gelaufen sei, beginnt er und läutet dann einen Stimmungswechsel ein, "wollen wir Gereuther auch mal Danke sagen: Seitdem du 2008 als Bürgermeister angetreten bist, ist in Gereuth viel passiert." Alle Anwesenden applaudieren und die Körperhaltung des Bürgermeisters wird zum ersten Mal seit Beginn der Fragerunde weicher.
Auch er müsse sich bedanken, sagt Dietz daraufhin. Denn ohne Bürger, die mitgehen, wäre das alles nicht möglich gewesen. "Es war gut und es hat Spaß gemacht", erklärt er noch und gesteht dann ein: "Das mit den Straßen haben wir total unterschätzt. Das tut mir auch leid."