
Über 100 Mitarbeitende der Diakonie Bamberg-Forchheim, über 80 Ehrengäste aus beiden großen Kirchen, aus Stadt und Landkreis Bamberg, aus Politik und Gesellschaft, aus Familie und Freundeskreis füllten am Freitagnachmittag die Stephanskirche. Es galt, einen Netzwerker, der die Diakonie ins Gespräch gebracht hat, in den Ruhestand zu verabschieden: Nach 18 Jahren an der Spitze des evangelischen Wohlfahrtsverbandes beschloss der katholische Vorstandsvorsitzende, Norbert Kern, seine berufliche Laufbahn.
"Ihr Weg verändert sich, vom aktiven Dienst geht es in Altersteilzeit und Ruhestand", wandte sich Dekanin Sabine Hirschmann an den Pädagogen und Betriebswirt Kern. Für alle Anwesenden, die sich zum Abschiedsgottesdienst eingefunden hatten, sagte ihm die Dekanin "Adieu, Gott befohlen!" Während Verwaltungsratsvorsitzender Dekan i.R. Günther Werner ihn zur Freiheit beglückwünschte: "Jetzt sind Sie befreit von allen Verpflichtungen", lautete die Formel zur offiziellen Entpflichtung.

Dekan i.R. Hans-Martin Lechner, der seit Beginn seiner Dienstzeit in Bamberg 2014 bis 2024 mit Norbert Kern eng zusammenarbeitete, nannte den frischgebackenen Ruheständler in seiner Laudatio einen "hochkompetenten, umsichtigen und weitsichtigen Vollprofi voller Vernetzungskraft": "Sie sind sich des Grundes und des Zieles Ihres Handelns bewusst, reflektieren es immer wieder neu und verfolgen es konsequent", wandte sich Lechner an Kern und erinnerte an die vom Evangelium geprägte Basis der Diakonie: "Die Gottebenbildlichkeit jedes Menschen ohne Unterschied und die grundlegende Menschlichkeit Gottes, die in Jesus Christus zu erleben ist." So sei es Norbert Kern etwa in Verhandlungen mit staatlichen Stellen immer daran gelegen, zunächst auf die Menschen zu sehen und dann über die Pflegesätze zu reden.
Einsatz auch für Menschen am Rand der Gesellschaft
Um die "herausragende Ära Dr. Norbert Kern" näher zu beleuchten, führte Dekan i.R. Lechner einige Beispiele an, die für den Erfolg des Diakonischen Werkes unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden stehen. Kerns "Herzensprojekte" etwa in den Bereichen Kinder- und Jugendhilfe, Behinderten- und Altenhilfe, Flüchtlinge und Migranten verteilten sich über ein Gebiet von Gräfenberg im Nordern Nürnbergs über Forchheim und Bamberg bis in die Hassberge. Lechner hob besonders Kerns Einsatz auch für Menschen hervor, die am Rande der Gesellschaft stehen und für die er sich Kooperationspartner gesucht habe: Etwa die "Kulturtafel" zusammen mit dem evangelischen Dekanat Bamberg oder das Integrationsprojekt Löwenzahn zusammen mit der Erlöserkirchengemeinde in Bamberg. "Wegweisend für die Ausbildung neuer und junger Fachkräfte aus aller Welt und herausragend in ganz Bayern" sei die ökumenische Pflegefachschule Dr. Selma Graf, die jeweils zu 50 Prozent von Diakonie und Caritas getragen werde.
All diese Projekte und viele mehr habe Norbert Kern zusammen mit dessen Vertreter und nunmehrigen Nachfolger, Karlheinz Seib, sowie mit vielen Mitarbeitenden erfolgreich auch durch die Coronakrise geführt: "Es gab keine Kurzarbeit und keine Stellenstreichungen, ganz im Gegenteil", so Hans-Martin Lechner. Es habe ständig ein deutlich positives Jahresergebnis gegeben, das in die weitere Profilierung gesteckt werde.
Von 700 auf 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Norbert Kern hatte die Diakonie am 1. April 2007 mit 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen und übergebe dieses Werk jetzt geordnet und sehr gut aufgestellt mit 1500: "Vielen, vielen Dank Ihnen – und in allem Gott sei Dank!"
Oberbürgermeister Andreas Starke dankte Norbert Kern für die "ausgezeichnete und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bamberg und der Diakonie auf allen Ebenen". Stellvertretender Landrat Johannes Maciejonczyk drückte dem scheidenden Diakoniechef für den Landkreis Bamberg seine Wertschätzung aus: "Es ist Dr. Kern immer gelungen, die richtigen Hebel zu finden und Gutes zu wirken."
Für die Arbeitsgemeinschaft der Bamberger Wohlfahrtsverbände sprach Peter Ehmann, Geschäftsführer des Caritasverbandes Bamberg-Forchheim. Unter der "menschlich souveränen und fachlich kompetenten Leitung" von Norbert Kern habe das Diakonische Werk der Sozialregion Bamberg-Forchheim Stabilität, Zuverlässigkeit und Fortschritt verliehen. Dabei habe sich Kern als Teamplayer eingereiht und notfalls auch hintenangestellt, so Ehmann.
Bewegende Dankesworte an Frau und Kinder
Zu guter Letzt trat der neue Ruheständler selbst ans Mikrofon. Er richtete bewegende Dankesworte an seine Ehefrau Cornelia, an seine drei Kinder, an Förderer und an die Diakonie-Mitarbeitenden, "die das Leben von vielen Menschen ein bisschen besser machen". Norbert Kerns Wunsch zum Abschied: "Jeder an seinem Platz trägt Verantwortung für Menschen, denen es nicht so gut geht. Tun Sie es miteinander!"
Miteinander formulierten auch Bambergs Dekanin Hirschmann, Forchheims Dekan Enno Weidt, der künftige Vorstandsvorsitzende Seib und Vorstandssekretärin Daniele Göller ein Gebet mit Bitten für den neuen Lebensabschnitt von Norbert Kern und für Menschen in Notlagen. Rüstzeug für den Ruhestand lieferte Dekan i.R. Günther Werner mit seiner Predigt, in der er das Jahresmotto der Diakonie "In Bewegung bleiben" auslegte.
Für einen Ohrenschmaus sorgten Dekanatskantor Michael Goos an der Orgel und die Band "Time for Life" aus dem Sozialpsychiatrischen Zentrum in Ebern. Die Band bekam starken Beifall für ihre gelungene Wiedergabe der bekannten Songs "Wind of change" von den Scorpions und "Let it be" von den Beatles.