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Zur Verbrennung nach Schweinfurt
lkr. bad kissingen Ab morgen bricht für den Landkreis Bad Kissingen in Sachen Abfallbeseitigung eine neue Ära an: 18 000 Jahrestonnen Müll werden künftig in die Verbrennungsanlagen in Schweinfurt und Würzburg transportiert.
Von unserer Redakteurin ISOLDE KRAPF
 |  aktualisiert: 17.10.2017 16:23 Uhr
Im Juli 1991 wurde in der neuen Deponie Wirmsthal die erste Fuhre Müll aus dem Landkreis eingelagert. Ein Jahr später gab es im Kreistag ein zähes Ringen darum, ob auch Fremdmüll auf die Deponie darf. Ab 1993 lieferte die Stadt Aschaffenburg Müll per Zwangseinweisung. Dann kamen Abfälle aus Mühldorf am Inn, Traunstein, Schwandorf und schließlich aus dem Main-Kinzig-Kreis hinzu.

Fremdmüll machte in manchen Jahren sogar den Löwenanteil des Müllaufkommens in der - nach heutigem Stand - 90 Millionen Euro teuren Deponie aus. Die zusätzliche Einnahmequelle war wichtig, um kostendeckend zu arbeiten: Insgesamt nahm der Landkreis durch Müll aus anderen Gebietskörperschaften bis heute 60 Millionen Euro ein.

Verfüllt bis zur ersten Berme

Die Deponie mit 65 000 Quadratmetern Grundfläche wurde einst für ein Fassungsvolumen von vier Millionen Kubikmeter Müll angelegt. Heute sind bis zur so genannten ersten Berme (dem unteren Böschungsabschnitt) knapp eine Million Kubikmeter Müll verfüllt. Weil die Deponie so großräumig angelegt ist, traf den Landkreis die künftige Verbrennungsvorschrift hart. Verschiedene Szenarien wurden entwickelt, wie man mit den neuen Gegebenheiten umgehen sollte.

Im Winter 2002 unterzeichnete der Landkreis mit dem Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Würzburg und dem Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt einen Kooperationsvertrag. Der sieht vor, wie Landrat Thomas Bold beim Pressegespräch nochmals resümierte, dass der Landkreis Bad Kissingen rund 18 000 Jahrestonnen brennbare Abfälle in Schweinfurt oder Würzburg vorbehandeln lässt.

Im Gegenzug werden aus beiden Anlagen rund 24 000 Jahrestonnen Schlacken und zusätzlich 5000 Jahrestonnen aufbereitete Kesselasche in Wirmsthal aufgenommen. Weil diese Art der Kooperation ausgehandelt wurde, könne man bis 2006 die Müllgebühren voraussichtlich stabil halten, sagte der Vorstand des neuen Kommunalunternehmens Abfallwirtschaftsbetrieb, Manfred Gerlach. Im Übrigen wünscht er sich, dass man mit der "qualifizierten Deponie" noch möglichst lange "am Markt bleiben" wird.

Denn kaum ist das Thema Verbrennung unter Dach und Fach, macht ein neues Gerücht in Fachkreisen die Runde: Oberirdische Deponien sollen möglicherweise bis 2020 dicht gemacht werden, sagt der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Dr. Kurt Hofmann. Dann soll vorbehandelter Müll unter Tage eingelagert werden. Dies bereitet den Kissinger Sorge, weil erst 2018 der sechste Einlagerungsbereich höhengleich mit den anderen fünf Abschnitten verfüllt sein wird.

Beruhigend sei die Tatsache, so Hofmann weiter, dass die Kosten für die Nachsorge der dann möglicherweise zu schließenden Deponie bereits über die Jahre angespart werden. Hofmann rechnet mit 45 bis 50 Millionen Euro für einen Nachsorge-Zeitraum von 30 Jahren.

Ab morgen wird der Müll aus dem Landkreis mit einem neuen Fahrzeug täglich viermal nach Schweinfurt abtransportiert. Heuer sollen rund 11 000 Jahrestonnen in die Kugellagerstadt gebracht werden. Aus ökologischen und finanziellen Gründen wäre es den Kissingern lieber, wenn der Müll immer nach Schweinfurt geliefert werden könnte. Gerlach: "Da sind wir noch in Verhandlungen." Die Schlacken transportiert die Firma Eichhorn (Bamberg) wieder gen Bad Kissingen.

 
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