Mit dem Einzug des Frühlings startet die Weidesaison, und Landwirte sowie Tierhalter machen sich vermehrt Sorgen um den Schutz ihrer Rinder, Pferde , Schafe und Ziegen vor Angriffen durch Wölfe.
Wie drängend das Thema ist, wurde bei einer Informationsveranstaltung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen-Würzburg (AELF) in Nüdlingen deutlich.
Wo waren die Politiker?
Die Unzufriedenheit und Besorgnis der Tierhalter über die aktuelle Lage und die politische Passivität, um die Wölfe in der Rhön auf einem erträglichen Maß zu halten, wurden deutlich zum Ausdruck gebracht.
Obwohl der Schwerpunkt auf der Information über wirksame wolfssichere Zäune lag, äußerten sich die befragten Teilnehmer alles andere als zufrieden. Eine Pferdehalterin aus Main-Spessart kritisierte die Veranstaltung als eine Art „Werbeveranstaltung“ für das Unternehmen, das diese Zäune herstellt.
Eine andere Teilnehmerin fragte nach dem Verbleib der zuständigen Politiker, die sich die Sorgen der Landwirte und Tierhalter vor Ort anhören sollten. "Wo sind sie, wenn es um unsere Belange geht? Sie müssen nicht die Kadaver von unseren Weiden entfernen, aber sie möchten wieder gewählt werden."
Mehr Arbeit für Landwirte
Die Ausführungen von Günter Herkert von der Zaunbaufirma verdeutlichten, wie viel zusätzliche Arbeit auf die Landwirte zukommt, um einen wolfsabweisenden Zaun intakt zu halten.
Dabei ist solch ein Zaun keineswegs eine Garantie, dass ein Wolf nicht in die Herde eindringt. Vielmehr dient er als Voraussetzung für eine Entschädigung im Falle eines Wolfsrisses.
Doch bei der kleinsten Nachlässigkeit, einer ausgefahrenen Tordurchfahrt oder einer potenziellen Sprungmöglichkeit für den Wolf, besteht die Gefahr, dass betroffene Tierhalter und Landwirte im Schadensfall leer ausgehen.
Es gibt Fördergelder für einen Zaun
Grundsätzlich wird ein wolfsabweisender Zaun finanziell gefördert, allerdings nur, wenn sich die Weide in einem bestimmten Gebiet befindet. Wann ein solcher Zaun erforderlich ist, um im Schadensfall einen finanziellen Ausgleich zu bekommen und die dazugehörigen Förderrichtlinien sind mittlerweile zu einem höchst komplexen und bürokratischen Konstrukt geworden. Wolfgang Klein vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bad Neustadt versuchte Licht in die diversen Richtlinien zu bringen.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt hat eine sogenannte „blaue Zone“ festgelegt, in der ein wolfsabwehrender Zaun eine Voraussetzung ist, um im Schadenfalls entschädigt zu werden. In der erweiterten „rosa Zone“ ist ein solcher Zaun keine zwingende Voraussetzung, eine Entschädigung wird bei einem nachgewiesenen Riss durch einen Wolf dennoch gezahlt. Sowohl in der blauen als auch in der rosa Zone werden Wolfschutzzäune vom Amt gefördert.
Erhöhter Arbeitsaufwand
Als „Grundschutz“ gilt ein Zaun , der elektrifiziert, vollständig geschlossen und ohne Durchschlupfmöglichkeit ist. Er muss mindestens vier Litzen und eine Höhe von 90 Zentimetern aufweisen, wobei die unterste Litze maximal 20 Zentimeter Abstand zum Boden haben darf.
Diese untere Litze bringt allerdings unterschiedliche Probleme mit sich. Während der Wachstumsperiode muss der Tierhalter möglicherweise wöchentlich den Zaun ausmähen, um zu verhindern, dass zu viel Gras an die Litze kommt und den Strom ableitet. Ein Zaun , der keinen oder nur wenig Strom führt, stellt für den Wolf kein Hindernis dar.
Was Pferdehalter zu beachten haben
Für Pferdehalter stellt sich ein weiteres Problem: Gemäß der guten fachlichen Praxis sollte der Zaun bei Pferden erst in einer Höhe von 45 Zentimetern beginnen, um zu verhindern, dass sich die Tiere beim Wälzen mit den Hufen im Zaun verfangen. Außerdem erfordern Pferdekoppeln einen dickeren Draht oder stärkere Bänder.
Katharina Paskuy, zuständig für die Pferdeberatung am AELF in Kitzingen-Würzburg, erklärt: „ Pferde sind Fluchttiere. Es besteht die Gefahr, dass sie bei einem Wolfsangriff durch den Zaun gehen und sich an einem dünnen Draht verletzten.“
Das befürchtet auch Charlotte Kiefner aus Zeitlofs, die 70 Pferde in ihrem Pensionsbetrieb betreut. „Es ist nicht unrealistisch, dass die Pferde bei einem Angriff durch den Wolf die Flucht ergreifen und auf die Straße oder Bahngleise stürmen.“ Die Angst, dass ein Pferd direkt vom Wolf verletzt wird, stehe erst an zweiter Stelle. Viel größer sei die Gefahr, dass sich ein Tier während der Flucht verletzt.
"Der Wolf muss Respekt haben"
Nachdem die theoretischen Grundlagen für Elektrozäune zur Abwehr von Wölfen erläutert wurden, zeigte Günter Herkert an der Weide von Kreisobmann Edgar Thomas ( Bayerischer Bauernverband ) praktische Probleme auf: Tore, Siloballen, eine Heuraufe, umgestürzte Bäume oder Äste, Geländeerhebungen - all das könnte dem Wolf als Einsprungmöglichkeit dienen.
„Der Wolf findet die Schwachstelle, das sind sehr schlaue Tiere“, versicherte er den rund 60 Teilnehmern. Dabei sei es weniger entscheidend, wie hoch ein Zaun ist, sondern vielmehr dürfe dem Wolf keine Möglichkeit gegeben werden, unter einem Zaun hindurchzukommen. „Der Wolf muss Respekt haben.“ Häufig werde dieser Respekt jedoch durch Nachlässigkeit und Unwissenheit untergraben.
Was Landwirte tun müssen
Ein Wolf könne aus bis zu 2,50 Meter Entfernung einen Zaun überspringen. Das bedeutet für den Landwirt tägliche Zaunkontrollen und regelmäßiges Ausmähen der unteren Litze, was bei schwierigem Gelände oft nur von Hand möglich sei.
Wenn ein Landwirt zwei oder dreimal durch aufgeweichten Boden auf eine Weide fährt, könnten die Reifen des Schleppers bereits so tiefe Spuren hinterlassen, dass der Wolf sich unter einem Tor hindurchdrücken könnte. Auf solche Dinge müsse ein Landwirt gleich reagieren und nötigenfalls ausgefahrene Spuren auffüllen.
Den Wolf nicht unkontrolliert vermehren lassen
Edgar Thomas ist mit der derzeitigen Wolfspolitik alles andere als zufrieden. Für Tierhalter , ob nun Haupterwerbs-, Hobbylandwirt oder Pferdehalter geht es um mehr als eine wirtschaftliche Frage. „Es ist ein emotionales Thema. Niemand möchte eines seiner Tiere gerne vom Wolf aufgerissen auf der Weide vorfinden.“
Sicherlich sei ein Elektrozaun zur Abwehr von Wölfen sinnvoll, doch er bringe nicht nur deutlich mehr Arbeit mit sich, sondern auch weitere Probleme, beispielsweise mit der Jagd, da der Zaun im Winter nicht abgebaut werde. Das Wild werde in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
Daher plädiert Edgar Thomas für eine kontrollierte Wolfspopulation. Problemwölfe müssen „entnommen“ werden, das heißt, sie müssen abgeschossen werden. Je unkontrollierter sich die Wölfe in der Rhön vermehren, Rudel bilden und umherziehen, desto häufiger werden Angriffe auf Weidetiere auftreten. Weidetiere seien eine beliebte Beute, da sie nicht fliehen können. „Auf Dauer kann man den Wolf sich nicht unkontrolliert vermehren lassen.“
Edgar Thomas fordert Änderung des Jagdrechts
Die Jagd auf den Wolf reduziere nicht nur die Population, sondern bringe ihm auch Respekt vor Menschen, Weide und Dörfern bei. „Der Wolf muss wissen, dass es für ihn gefährlich ist, wenn er sich Weiden und Siedlungen nähert“, betont Thomas. Dementsprechend fordert Thomas eine Änderung des Jagdrechts.
„Wir können es nicht einfach laufen lassen. Wir müssen Verantwortung zeigen für die Natur und die Nutztierhaltung.“ Daher spricht er sich nicht für eine Ausrottung des Wolfs aus, sondern für ein tragbares Miteinander. Die Last dürfe nicht allein den Landwirten und Tierhalten aufgebürdet werden, für ein romantisiertes Bild der Natur. „Das Thema bewegt die Menschen sehr“, sagt er.
Schilder sollen sensibilisieren
Mittlerweile gibt es eine Privatinitiative, die gelbe Warnschilder in der Natur aufstellt. „Es soll keine Angst geschürt, sondern für das Thema sensibilisiert werden, damit niemand leichtfertig und unbedacht in den Wald geht.“
Die Schilder seien eine Reaktion darauf, dass sich politisch nichts bewege, um eine Lösung zu finden, die auch die Belange der Tierhalter und Landwirte im Blick habe.
Die Seite des Landesamts für Umwelt mit Förderrichtlinien und weiteren Informationen zum Thema finden Sie hier: lfu.bayern.de
Es gibt nicht nur Landwirte in Deutschland, sondern auch Förster.