Der polnische Schriftsteller Henryk Sienkiewicz hat am 5. Mai Geburtstag. Aus diesem Anlass hat sich das Stadtarchiv mit dem Nobelpreisträger, der in Bad Kissingen zur Kur war, beschäftigt.
1846 in Wola Okrzejska in der Nähe von Lublin geboren, studierte Henryk Sienkiewicz in Warschau Geschichte und Literatur. In seiner schriftstellerischen Tätigkeit konzentrierte er sich zunächst auf satirische Feuilletonartikel und Reiseberichte, später auf historische Romane. Während seiner zahlreichen Auslandsreisen sammelte er Inspiration für seine Werke. Er erhielt 1905 den Nobelpreis für Literatur. Sienkiewicz starb 1916 in Vevey in der Schweiz.
Bekanntestes Werk: „Quo Vadis?“
Sein bekanntestes Werk ist zweifelsohne „Quo Vadis?“, erschienen 1895/96, das sich mit den ersten Christenverfolgungen beschäftigt. Der Roman wurde 1951 mit Peter Ustinov als Kaiser Nero verfilmt und in über 50 Sprachen übersetzt. Den Literaturnobelpreis erhielt Henryk Sienkiewicz aber nicht für dieses Werk – er wurde „auf Grund seiner großartigen Verdienste als epischer Schriftsteller“ ausgezeichnet.
Mit Peter Ustinov verfilmt
Noch vor Erscheinen von „Quo Vadis?“ besuchte der Autor Bad Kissingen . Er reiste am 22. Mai 1889 an und befand sich in der Kurliste dieses Jahres in illustrer Gesellschaft: Sowohl Kaiserin Auguste Victoria als auch der Maler Adolph Menzel weilten in Bad Kissingen in jenem Sommer.
Während seines Kurbesuchs logierte Henryk Sienkiewicz in der Hartmannstraße 3, wo heute die am Gebäude angebrachte Plakette daran erinnert. Über die Geschichte, wie es dazu kam, weiß die Bad Kissingerin Hilla Schütze zu berichten: 1987 konnte der polnische Politiker und Historiker Wladyslaw Bartoszewski als Festredner für das Festival Kissinger Sommer gewonnen werden, das in jenem Jahr polnische Kunst und Kultur in den Fokus nahm.
Bartoszewski hatte sich seit frühester Jugend für Demokratie und Völkerverständigung eingesetzt und wurde sowohl während des Zweiten Weltkriegs in Auschwitz als auch später im stalinistischen Polen in mehreren Gefängnissen interniert. Er engagierte sich nach seiner Rehabilitation in der Solidarność-Bewegung und errang später als Außenminister Bekanntheit.
Zu seinen Ehren wurde die Plakette in der Hartmannstraße von Bad Kissingen angebracht. Laut Hilla Schütze „freute er sich bei seinem zweiten Aufenthalt sehr über die Aufmerksamkeit, die die Stadt Bad Kissingen seinem berühmten Landsmann zollte“. red