Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Rhön hatte es wohl versäumt, bei der Europäischen Union ein Genehmigungsverfahren für das geplante Rhön-Qualitätssiegel in Gang zu setzen. Fast schon schien es, als ob die gesamte Dachmarke Rhön damit geplatzt sei.
Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass es nun gelungen ist, zumindest im Bio-Bereich für landwirtschaftliche Produkte ein Qualitätssiegel zu kreieren, das in wenigen Wochen zum Einsatz kommen kann. Dieses wird den Verbrauchern klar signalisieren, dass der Schinken oder die Eier streng nach den Richtlinien der EG-Öko-Verordnung produziert wurden und darüber hinaus noch aus dem Biosphärenreservat Rhön stammen.
"Dieses Siegel wird Erfolg haben. Denn den Verbrauchern ist heute Bio schon sehr wichtig. Wenn sie aber darüber hinaus wissen, dass ihr Schinken nicht nur nach EG-Öko-Verordnung hergestellt ist, sondern auch noch direkt aus der Rhön kommt, wird sie das überzeugen", meint der von der ARGE eingesetzte Dachmarken-Manager, Timo Neumann.
Wie Neumann erklärt braucht die Rhön in ihrer Gesamtheit eine solche Dachmarke mit dazugehörigen Qualitätssiegeln für Bio und Nicht-Bio, um regionale Warenkreisläufe und regionale Wertschöpfung zu fördern. Die Kulturlandschaft Rhön könne nur mit einem sich selbst tragenden wirtschaftlichen System erhalten werden. "Die Landwirtschaft in der Rhön ist ungleich schwieriger als anderswo. Deshalb können wir hier nur mit Qualitätsprodukten punkten - mit Klasse statt Masse. Die Rhön ist eine Qualitätsregion und soll als solche bekannt werden - das ist das Anliegen unserer Bemühungen, eine Dachmarke einzuführen", so Neumann.
Das Anliegen der ARGE war es seit Beginn der Arbeit an der Dachmarke, ein eigenes Qualitäts-Siegel für die Rhön zu schaffen. Auf ein bestehendes und von der EU schon genehmigtes Siegel anderer Bundesländer wollte sie nicht aufspringen. Bei den Gesprächen im Landwirtschaftsministerium in Wiesbaden kristallisierte sich heraus, dass es zwei Siegel für die Zukunft geben muss - eines, was ausschließlich landwirtschaftliche Bio-Produkte und Produkte der nachfolgenden Verarbeitungsstufe bewirbt - und eines, das den gesamten Nicht-Bio-Bereich abdeckt - einschließlich des Tourismus oder der Holzspielzeug herstellenden Industrie, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Beim Qualitätssiegel für den Nicht-Bio-Sektor setzt die Rhön ihren Willen, ein unverwechselbares Qualitätssiegel zu bekommen, konsequent fort. Das heißt, sie geht den schwierigen Weg nach Brüssel, um die Notifizierung zu erlangen. "Wir wollen, dass der Kunde weiß, dass er geprüfte Qualität kauft - aber zusätzlich muss er sich sicher sein, dass diese Qualität aus dem Biosphärenreservat stammt." Am Montag will der Dachmarken-Manager die Anmeldung des Qualitätssiegels Rhön für den Nicht-Bio-Bereich im Wiesbadener Landwirtschaftsministerium besprechen. Daran, dass das Qualitätssiegel für den Nicht-Bio-Bereich von der EU genehmigt wird, zweifelt er nicht.