Von solch einem Start kann jeder Hotelier nur träumen. Das Haus war noch gar nicht richtig eröffnet und schon bis unters Dach ausgebucht. Im Juli 1984 buchte eine Pfarrei aus Duisburg die Unterkünfte gleich für drei Wochen und 100 Teilnehmer. Als die offizielle Eröffnung am 7. Oktober folgte lief der Betrieb unter der Leitung von Pater Christoph Weberbauer längst auf Hochtouren. Der Augustinerpater hatte zuvor als Regionaljugendseelsorger die „Arche“ aus der Taufe gehoben. Im Vergleich zum Jugendhaus bescheidene Räumlichkeiten, die aber auch Übernachtungen und Selbstversorgung ermöglichten. „In den 80er Jahren gab es allein in der Diözese fünf oder sechs Augustiner, die in der Jugendarbeit tätig waren“, erinnert sich der jetzige Jugendhausleiter Pater Markus Reis etwas wehmütig an die bewegten Zeiten.
Ungewisse Zukunft
Denn jetzt ist er mit seinen 50 Jahren der einzige, der noch übrig geblieben ist. Insofern steht und fällt die Erfolgsgeschichte „Jugendhaus“ wohl mit seiner Person. „Ob wir das 30-Jährige feiern, weiß ich nicht“, sagt Pater Markus, der 2003 von Bruder Jürgen Hess die Leitung übernommen hatte und der Aufgabe auch nach seiner Bestellung zum Pfarrer von Münnerstadt weiter ehrenamtlich nachkommt. Lediglich von Büroarbeiten ließ er sich durch eine Kraft entlasten. Außerdem sind im Jugendhaus ein Hausmeister mit einer halben Stelle, eine Praktikantin, ein Zivildienstleistender und sechs geringfügig Beschäftigte im Küchenbereich tätig.
Leben von der Hand in den Mund
Wenn Pater Markus eines Tages nicht mehr zur Verfügung steht und sich auch kein Nachfolger findet, bliebe als Alternative zur Schließung nur noch die Anstellung einer weltlichen Vollzeitkraft. Das hätte aber eine deutliche Erhöhung der Übernachtungspreise – derzeit zwischen 7,50 und 8,50 Euro – zur Folge und einen schwinden Einfluss der Augustiner auf die Geschehnisse im Haus. „Wir leben von der Hand in den Mund“, sagt der Pater. Rücklagen für große Investitionen ließen sich so nicht erwirtschaften.
Der Augustinerorden war nach der Schließung der Klosterschule Mitte der 70er Jahre und der Unterbringung der Boat-People aus Vietnam sowie Flüchtlingen aus Afghanistan auf der Suche nach einer sinnvollen Nutzung der riesigen Räumlichkeiten. 2,9 Millionen D-Mark kostete der Umbau, allein zwei Millionen zahlten die Augustiner.
Weil das insgesamt 111 Betten zählende Haus Selbstversorgung ermöglicht, profitiert auch der heimische Lebensmittelhandel von der Einrichtung. Hauptnutzer ist das Schülerrefereat der Diözese Würzburg, das eine Reihe von Besinnungs- und Orientierungstagen veranstaltet. Dazu kommen Gruppen, die immer wieder buchen. Wie etwa jene Gruppe aus Ascheberg in Westfalen, die seit fast 25 Jahren regelmäßig nach Münnerstadt fährt.