Pecoraro: Hier wird, im Gegensatz zu Italien, das Referendum recht gelassen gesehen. In Italien aber ist regelrecht einen Parteienkrieg entbrannt. Es geht nicht mehr um Reformen, sondern darüber, ob Ministerpräsident Renzi und seine Regierung bleiben oder nicht. Leider eine alte Gewohnheit: Personen stehen im Vordergrund und nicht nötige sachliche Veränderungen.
Gibt es auch eigene Wahllokale wie bei der Europawahl?
Pecoraro: Nein, aber zum Glück gibt es jetzt die Möglichkeit der Briefwahl. Unterlagen haben alle Staatsbürger erhalten, die bei den Konsulaten registriert sind. Man hätte sich genauso für die Wahl in Italien entscheiden können.
Wie wichtig ist denn dieses Referendum aus Ihrer persönlichen Sicht?
Pecoraro: Es ist ungeheuer wichtig, dass Italien aus der Sackgasse, in die es sich seit Jahrzehnten hineinmanövriert hat, herauskommt. Das Parlament in seiner jetzigen Form ist obsolet. 945 Parlamentarier, die größte Zahl in einem westlichen Land. Ein Zweikammersystem, das das Gesetzgebungsverfahren lähmt. Regionen, deren Funktionen immer undurchsichtiger werden – all das hat die Kosten der Politik und der öffentlichen Verwaltung ins Unermessliche steigen lassen.