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Rente
Rente wie in Norwegen? Dieses Modell könnte auch Deutsche Rentner retten
Der norwegische Rentenfonds ist der größte Staatsfonds der Welt. Ein ähnliches Modell wird in Deutschland geplant, doch kann ein Fonds die Rente sichern?
norwegen.jpg       -  Der norwegische Staatsfonds wird vor allem durch Geld aus dem Ölgeschäft finanziert.
Foto: Scanpix Statoil Hydro, dpa (Symbolbild) | Der norwegische Staatsfonds wird vor allem durch Geld aus dem Ölgeschäft finanziert.
Lukas von Hoyer
 |  aktualisiert: 05.02.2025 06:25 Uhr

„Die Rente ist sicher“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in den letzten Monaten immer wieder. Zuletzt in einer Generaldebatte im Bundestag. Doch Millionen Deutsche fragen sich, wie sicher die Rente wirklich ist. In fünf Jahren, in zehn Jahren, oder in 30 Jahren. In Norwegen stellt sich diese Frage nicht, was an einem mächtigen Staatsfonds liegt. Doch wie funktioniert dieses norwegische Modell? Und ist es auch in Deutschland möglich, dass ein Staatsfonds die Rente sichert?

Wie groß ist der Staatliche Pensionsfonds in Norwegen?

Der offizielle Name des norwegischen Staatsfonds ist „Statens pensjonsfond“. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Staatlicher Pensionsfonds“, was die Funktion auf den Punkt bringt. Seit Jahren klettert er von Rekordwert zu Rekordwert. Im Jahr 2024 wuchs der Wert des Staatsfonds laut einem Focus-Bericht auf 19,7 Billionen Norwegische Kronen. Umgerechnet entspricht das in etwa 1,67 Billionen Euro. Die Rendite im Jahr 2024 betrugen rund 13 Prozent. Ein Wachstum von 213 Milliarden Euro.

Und noch mehr Rechenspielchen: Wenn das Geld, welches der Fonds wert ist, fair an alle Bürgerinnen und Bürger Norwegens ausgeschüttet werden sollte, dann würde auf jedem Konto 298.000 Euro landen.

Der Statens pensjonsfond ist der größte Staatsfonds der Welt, wie aus einer Statistik von Statista hervorgeht. Er liegt noch vor dem der Kuwait Investment Authority aus dem Ölstaat Kuwait und dem Public Investment Fund Saudi-Arabiens (ebenfalls Ölstaat). Die Vereinigten Arabischen Emirate und China haben insgesamt zwar noch größere Staatsfonds angelegt, das Geld verteilt sich allerdings auf verschiedene Fonds, weswegen der Rekordwert den Norwegerinnen und Norwegern nicht zu nehmen ist.

Wie funktioniert der norwegische Staatsfonds?

Der Staatsfonds entstand laut Angaben der norwegischen Regierung im Jahr 2006 aus einer Fusion des Nationalen Versicherungsfonds und eines Ölfonds, der bereits seit 1990 existiert. Ja, auch Norwegen ist ein Ölstaat, der Einnahmen aus dem Ölgeschäft in den Fonds investiert. Dabei handelt es sich um Steuern und die Gewinne von staatlichen Gesellschaften, die ihr Geld auf dem Ölmarkt verdienen.

Ursprünglich sollte der Fonds die stark schwankenden Ölpreise ausgleichen und auf diese Weise für schlechte Öljahre vorsorgen. Es kam allerdings zu so vielen guten Öljahren, dass die norwegische Regierung das Ziel erweiterte: Der Fonds soll das Land auch für die Zeiten nach dem Öl absichern, wie der Focus schreibt. Jedes Jahr wird aus diesem so viel Geld entnommen, wie für den Staatshaushalt benötigt wird.

Vier Bereiche kennzeichnen die Investments des norwegischen Staatsfonds: Aktien, Gewerbeimmobilien, Anleihen und Infrastruktur rund um erneuerbare Energien, unter die Solaranlagen und Windparks fallen. Auf diese Weise wird das Anlagevermögen breit investiert. Wie breit, zeigt ein genauerer Blick auf die Investments des Fonds, den der Focus riskiert hat:

  • 8659 Unternehmen in 63 Ländern

  • 1507 Anleihen aus 49 Ländern

  • 910 Immobilien in 14 Ländern

  • 7 Infrastruktur-Investments in 5 Ländern

Deutschland ist eines der vielen Länder, welches eine Rolle für den norwegischen Staatsfonds spielt. Derzeit hält er Anteile an 177 deutschen Unternehmen. Die größten Investments hierbei: 2,4 Prozent der Aktien des IT-Konzerns SAP (Wert: 7 Milliarden Euro) und 14,7 Prozent des Immobilien-Unternehmens Vonovia (Wert: 3,6 Milliarden Euro).

Verwaltet wird der Statens pensjonsfond von der Norges Bank Investment Management (NBIM), die eigens für diesen Job geschaffen wurde. Das Unternehmen ist laut offiziellen Regierungsangaben an die norwegische Zentralbank angegliedert, wodurch eine Unabhängigkeit von der Politik verdeutlicht werden soll. Als CEO des Fonds fungiert derzeit der ehemalige Hedgefonds-Manager Nicolai Tangen.

Übrigens: Auch Österreich könnte für Deutschland als Renten-Vorbild interessant sein.

Staatsfonds für die Rente: Kann das auch in Deutschland funktionieren?

Mit einer einzigartigen - und magisch anmutenden - Herangehensweise hat der norwegische Rentenfonds wenig zu tun. Vielmehr profitiert er von seinem Volumen. Ein Benchmark-Index vom norwegischen Finanzministerium macht das deutlich. Er umfasst fast 10.000 Anleihen und Aktien und wuchs im Jahr 2024 um 13,45 Prozent. Also um einen etwas höheren Wert, wie es der norwegische Staatsfonds tat. Der Focus berichtet, dass ein DAX-ETF in diesem Zeitraum Rendite in Höhe von 19,2 Prozentpunkten eingebracht hätte. Das wirft die Frage auf: Könnte das norwegische Modell auch in Deutschland funktionieren?

Tatsächlich besitzt Deutschland bereits einen Staatsfonds, den „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ (Kenfo). Dieser wurde laut Angaben der Bundesregierung im Jahr 2017 als Stiftung ins Leben gerufen. Das Startkapital betrug 24 Milliarden Euro, die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke legten dafür zusammen. Die Aufgabe des Fonds ist aber nicht die Sicherung der Rente, sondern die Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Durch die jährliche Rendite wird derzeit vor allem die Suche nach Endlagern und Zwischenlagern finanziert.

Ein zweiter Staatsfonds wurde 2024 beschlossen - und ja, die Rendite von diesem sollen dem Rentensystem zugutekommen. Bis 2035 sollen laut Angaben der Bundesregierung aus dem Bundeshaushalt 200 Milliarden Euro in den Fonds fließen. Ein Vorhaben, das Teil den Rentenpakets II ist, welches die Ampel-Koalition vor ihrem Bruch nicht mehr beschließen konnte. Wie es mit dem geplanten Staatsfonds weitergeht, ist daher unklar - und hängt von der kommenden Bundesregierung ab. Bislang machte sich vor allem die FDP für den Plan stark. Die Partei ist für das Generationenkapital und die Aktienrente.

Aus politischer Sicht war der Antrieb in den letzten Jahren und Jahrzehnten gering, ein norwegisches Renten-Modell auf die Beine zu stellen. Nach dem Aus der Ampel sind derartige Pläne nicht sicherer geworden, da die Parteien verschiedene Rentenpläne haben. Und selbst wenn ein Renten-Staatsfonds weiterhin verfolgt wird, wäre dieser im Umfang von 200 Milliarden Euro zunächst winzig, wenn man ihn mit dem norwegischen Fonds vergleicht. Wo eine höhere Finanzierung eines Staatsfonds in Deutschland herkommen könnte, ist nicht in Sicht. Die Rohstoff-Einnahmen, die Norwegens Rentenfonds so groß gemacht haben, kommen für Deutschland nicht infrage.

 
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