
Fast jeder vierte Deutsche hat das 65. Lebensjahr erreicht oder dieses bereits überschritten. Das geht aus Daten des Demografieportals des Bundes und der Länder hervor. Der Anteil dieser Personengruppe nimmt demnach weiter zu, was Auswirkungen auf die Politik hat. Bei der Bundestagswahl 2025 dürfte die Rente für viele Wahlberechtigte bereits ein wichtiger Faktor gewesen sein. Immerhin betrifft die Rentenpolitik nicht nur Rentnerinnen und Rentner, sondern auch jüngere Beitragszahlerinnen und Beitragszahler.
Stellt sich die Frage: In welcher Weise könnte das Rentensystem von einer neuen Regierung, wohl geführt von der Union und einem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), umgebaut werden? Wir haben uns die Wahlprogramme der Parteien angesehen und unterschiedliche Ideen entdeckt – von einer Aktienrente bis zu einer Rentenpolitik nach dem Vorbild Österreich ist vieles dabei.
Wahlkampf mit der Rente der CDU/CSU
Die Union sieht nach dem Wahlsieg einen Regierungsauftrag und möchte mit der SPD koalieren. Daher ist ein Blick auf die Pläne von CDU und CSU besonders spannend. Im Wahlkampf wurde deutlich: Die Union möchte die Rente in Deutschland reformieren. In diesem Zuge sollen die Frühstart-Rente und die Aktivrente eingeführt werden. Letztere stellt ein Startvermögen der privaten Altersvorsorge dar, welches 6- bis 18-Jährigen zugutekommen soll. Sie sollen zehn Euro im Monat für die kapitalgedeckte und individuelle Altersvorsorge erhalten. Die Aktivrente ist für Rentnerinnen und Rentner interessant, die nach dem Erreichen des Renteneintrittsalters weiterarbeiten wollen. Sie können laut dem Plan von CDU/CSU bis zu 2000 Euro monatlich steuerfrei zur Rente hinzuverdienen.
Die Union mit Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) verspricht den Wählerinnen und Wählern zudem, keine Rentenkürzungen vorzunehmen und das Eintrittsalter zur Rente nicht weiter nach oben zu verschieben. Auch die Steuererklärung soll den meisten Rentnerinnen und Rentnern abgenommen werden, wie dem Wahlprogramm der Union zu entnehmen ist.
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Keine Kürzungen der Rente.
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Erhalt von bestehenden Regelungen zum Renteneintrittsalter.
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Einführung der Aktivrente.
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Einführung der Frühstart-Rente.
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Keine Pflicht zur Steuererklärung für Rentnerinnen und Rentner (im Regelfall).
SPD-Wahlprogramm zur Rente
Die SPD will für „stabile Renten“ kämpfen. So steht es im Wahlprogramm der Sozialdemokraten. Dafür soll auf die Grundrente aufgebaut werden, die die Partei eingeführt hat. Ein Wahlversprechen der SPD: Die gesetzliche Rentenversicherung soll dauerhaft bei mindestens 48 Prozent gehalten werden. Aktuell läuft die Stabilisierung des Rentenniveaus zum 1. Juli 2025 aus.
Bundeskanzler Olaf Scholz will mit seiner Partei eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze verhindern. Zudem sollen betriebliche und private Altersvorsorge gefördert werden. Letztere nur für Altersvorsorgeprodukte, „deren Kosten transparent und gedeckelt“ sind.
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Keine Anhebung der Regelaltersgrenze.
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Dauerhaftes Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung bei mindestens 48 Prozent.
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Stärkere Förderung der betrieblichen Altersvorsorge.
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Staatliche Förderung für private Altersvorsorge.
Inwiefern Union und SPD sich auf einen gemeinsamen Renten-Plan einigen könnten, bleibt abzuwarten. In manchen Punkten sind sie sich einig, in anderen nicht.
Bündnis 90/Die Grünen planen Bürgerfonds-Rente
Auch die Grünen versprechen ein Rentenniveau, welches den Wert von 48 Prozent nicht unterschreitet. Die Partei von Kanzlerkandidat Robert Habeck, die wohl in die Oposition gehen muss, sieht dafür eine breite Beitragsbasis und gute Löhne als Schlüssel, wie dem Wahlprogramm der Grünen zu entnehmen ist.
Innovativ ist die Idee eines „Bürgerfonds“, der durch Eigenmittel des Bundes und Darlehen finanziert werden soll. Der Kapitalmarkt soll genutzt werden, um den Anstieg von Rentenbeiträgen zu bremsen und die Rentenkassen zu stabilisieren. Der Fonds soll sich an dem 1,5-Grad-Ziel und Nachhaltigkeitskriterien orientieren.
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Einführung eines Bürgerfonds.
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Rentenniveau bei mindestens 48 Prozent halten.
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Bessere Erwerbsmöglichkeiten für Frauen.
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Flexibler Übergang in den Ruhestand.
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Schaffung von Anreizen für das Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus.
Rentenpläne der FDP zur Bundestagswahl
Im Wahlprogramm der FDP dreht sich bei der Rente viel um Aktien. Die Liberalen stehen für die Einführung einer gesetzlichen Aktienrente nach schwedischem Vorbild. Ein Teil der Rentenbeträge soll in einen unabhängigen Fonds angelegt werden. Dadurch will die FDP ein steigendes Rentenniveau erreichen.
Die Partei des ehemaligen Finanzministers Christian Lindner hat außerdem die Schaffung eines Altersvorsorgedepots in ihr Wahlprogramm aufgenommen, das die private Altersvorsorge stärken soll. Es soll steuerlich gefördert werden, damit ein langfristiger Vermögensaufbau möglich wird.
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Flexibler Renteneintritt.
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Einführung der solidarischen Mindestrente.
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Gesetzliche Aktienrente einführen.
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Altersvorsorgedepot für die private Altersvorsorge.
Nachdem die FDP an der Fünfprozenthürde gescheitert ist, dürften ihre Pläne in der deutschen Rentenpolitik in den nächsten Jahren keine Rolle spielen.
AfD-Pläne zur Rente
Im Wahlprogramm der AfD wird von einer „desolaten Situation im deutschen Rentensystem“ gesprochen. Diese soll durch eine Anhebung des Rentenniveaus auf mindestens 70 Prozent des Nettoeinkommens behoben werden. Auch Politikerinnen und Politiker und Staatsbedienstete sollen laut den Plänen der Alternative für Deutschland (AfD) künftig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.
Die Partei von Kanzlerkandidatin Alice Weidel, die etwas mehr als 20 Prozent der Stimmen erhielt, wirbt zudem für ein flexibles Eintrittsalter in die Rente und möchte Verbeamtungen auf Personen beschränken, die hoheitliche Aufgaben übernehmen.
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Anhebung des Rentenniveaus auf gut 70 Prozent des Nettoeinkommens.
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Staatsbedienstete und Politiker sollen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.
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Flexibles Renteneintrittsalter.
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Abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren.
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Verbeamtungen verringern.
BSW: Pläne für die Rente zur Bundestagswahl
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sieht Österreich bei der Rente als Vorbild für Deutschland. Demnach sollen alle Berufstätigen in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Auch Politikerinnen und Politiker. Das geht aus dem Wahlprogramm des BSW hervor.
Das Niveau der Rente soll mindestens 75 Prozent des Nettoeinkommens betragen, welches im Arbeitsleben erwirtschaftet wurde. Auch eine Mindestrente nach Versicherungsjahren ist ein Ziel der Partei von Sahra Wagenknecht.
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Rentensystem nach österreichischem Vorbild.
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Rentenniveau bei mindestens 75 Prozent des Nettoeinkommens aus dem Berufsleben.
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Mindestrente in Höhe von 1500 Euro nach 40 Versicherungsjahren.
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Mindestrente in Höhe von 1300 Euro nach 30 Versicherungsjahren.
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Mindestrente in Höhe von 1200 Euro nach 15 Versicherungsjahren.
Das BSW scheiterte denkbar knapp an der Sperrklausel in Höhe von fünf Prozent, weswegen die Pläne ebenfalls keine Rolle spielen dürften, wenn es um die kommende Bundespolitik geht.
Linke will „solidarische Mindestrente“
Das Rentenniveau soll auf 53 Prozent angehoben werden, fordert Die Linke in ihrem Wahlprogramm. Zudem soll es ab dem Jahr 2030 keinen Unterschied mehr zwischen Renten in Ostdeutschland und Westdeutschland geben.
Kern der Rentenpläne der Linken ist die Einführung einer „solidarischen Mindestrente“, die mindestens 1400 Euro betragen soll. Ergänzt wird diese durch einen Mietzuschuss und Pflege- und Krankenversicherungsbeiträge.
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Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent.
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Einführung der solidarischen Mindestrente von mindestens 1400 Euro.
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Betriebsrenten schaffen, die mindestens zur Hälfte vom Arbeitgeber finanziert werden.
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Renten in Ostdeutschland bis 2030 an westdeutsches Niveau angleichen.
Die Linke schnitte bei der Bundestagswahl überraschend stark ab, holte mehr als acht Prozent. Für sie steht allerdings der Gang in die Opposition an.
Wie wollen die Parteien ihre Renten-Ideen finanzieren?
Eine Analyse des ifo-Instituts sorgt für Zweifel an der Machbarkeit der Rentenpläne aller Parteien. „Alle größeren Parteien sind offensichtlich darum bemüht, mögliche Belastungen für die Rentnerinnen und Rentner zu vermeiden und stattdessen die Last auf die aktuellen und kommenden Beitragszahler zu verlegen“, wird Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der ifo-Niederlassung Dresden im Zuge der Analyse zitiert.
Die Forderungen der AfD werden in der Analyse besonders kritisch betrachtet. Das ifo-Institut ist überzeugt, dass eine Erhöhung des Rentenniveaus auf 70 Prozent bestehende Finanzierungsprobleme verstärken und eine Umschichtung der Rentenfinanzierung bewirken würde.