
Die Rente ist für viele Arbeitstätige ein langersehnter Traum – je früher, desto besser. Das früheste Renteneintrittsalter liegt bei 63 Jahren – sofern die richtigen Voraussetzungen für die Frührente gegeben sind. Außerdem hängt es vom Geburtsjahr ab, wann man in Rente gehen kann. Die Frührente wurde eingeführt, um Menschen, die in körperlich besonders anstrengenden Berufen arbeiten, früher in den Ruhestand gehen zu lassen. Aber funktioniert das auch? Eine Studie zeigt, dass vor allem andere Berufe von der Frührente profitieren.
Frührente: Was ist die Rente mit 63?
Laut der Deutschen Rentenversicherung (DRV) ist die Rente mit 63 ein umgangssprachlicher Begriff und keine Rentenart im Sinne des gesetzlichen Rentenrechts. Im Grunde geht es um zwei verschiedene Altersrenten, die früher als die regulären Altersrenten bezogen werden können: Die Altersrente für langjährig Versicherte und die Altersrente für besonders langjährig Versicherte.
In der Debatte um die Rente mit 63 ging es viel um Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen – Handwerker, Gastronomie-Angestellte oder Pflegekräfte zum Beispiel. Die Berufsgruppen, die körperlich stark belastet werden, mit gefährlichen Situationen oder Gefahrstoffen zu tun haben oder unter hohem psychischem Druck arbeiten, sollten so früher aus dem Arbeitsleben scheiden können.
Rente mit 63: Studie zeigt überraschendes Ergebnis
Beim Thema Rente gibt es einige Mythen und Irrtümer. Einer davon scheint wohl auch die Frührente zu betreffen. Denn die Idee, dass die Frührente von Menschen mit anstrengenden und physisch belastenden Berufen genutzt wird, hat gerade eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) widerlegt.
Laut der Studie nutzt fast ein Drittel der Personen, die neu in Altersrente gehen, derzeit die Möglichkeit eines frühzeitigen Renteneintritts ohne Abschläge nach einer besonders langen Erwerbskarriere. Das Problem: „Fast 70 Prozent der westdeutschen Männer des Jahrgangs 1957 mit mindestens 45 Versicherungsjahren waren insgesamt nicht sehr hoch körperlich oder psychisch belastet“, heißt es in der Studie. Gleichzeitig gebe es aber auch jene Personen, die beruflich sehr schwer arbeiteten, aber nicht auf die nötigen 45 Versicherungsjahre kommen, ergänzte Lars Felder vom DIW zur Veröffentlichung der Studie.
Von denjenigen, die abschlagsfrei in Rente gehen können, sei weniger als ein Drittel während des Berufslebens im Durchschnitt sehr hoch belastet gewesen, so das Institut. Fast 40 Prozent seien dagegen leicht bis mäßig belastet gewesen. „Unsere Auswertungen zeigen, dass das Instrument der vorgezogenen Altersrente für Menschen mit 45 Versicherungsjahren wenig zielgenau ist, um Personen, die sehr belastende Tätigkeiten ausgeübt haben, zu entlasten“, fasste Felder die Ergebnisse der Studie zusammen.
Frührente: Streit um Rente mit 63
Die Frührente ist von Anfang an heiß diskutiert worden. Schon vor der Verabschiedung des Rentengesetzes kamen bei vielen Experten Zweifel auf, dass die Nutznießer tatsächlich in stark belastenden Berufen arbeiten. Denn Menschen in stark belastenden Berufsgruppen erreichen oft nicht die nötigen Beitragsjahre, da sie vorher aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.
Die Kritik an der Rentenform reißt seit ihrer Einführung 2014 nicht ab. Das DIW erklärt in der Studie, dass jährlich mehr als eine Viertelmillion Personen über diesen Weg frühzeitig in Altersrente gehen. Das könne in Zeiten des Fachkräftemangels und der fortschreitenden demografischen Alterung wie ein allgemeiner Anreiz zur Frühverrentung wirken, so das Institut. So kritisierte etwa Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, dieses Jahr die Rente mit 63. Und auch der ehemalige Finanzminister der Ampelregierung, Christian Lindner (FDP) wollte die Frührente abschaffen.
Übrigens: In Österreich gibt es höhere Renten. Allerdings muss die Rente dort - anders als in Deutschland - voll versteuert werden.