
Das Rentensystem in Deutschland ist marode. Der demografische Wandel bringt das Konstrukt ins Wanken, denn auf immer mehr Rentner kommen immer weniger Beitragszahler, die die Renten finanzieren. Zwar gibt es unter anderem mit dem Generationenkapital der FDP und SPD sowie der Frühstart-Rente der CDU bereits einige Versuche, das System zu stabilisieren und teilweise zu reformieren, den großen Durchbruch wird es damit aber wohl nicht geben. Die Politik weiß um das Problem und so haben alle großen Parteien bei der anstehenden Bundestagswahl auch ein Rentenprogramm auf den Weg gebracht. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beklagt eine Ungerechtigkeit im deutschen Rentensystem und gibt Empfehlungen für eine mögliche Rentenreform.
Rente: DIW sieht Ungerechtigkeit im Rentensystem aufgrund der Kopplung von Einkommen und Lebenserwartung
Im deutschen Rentensystem gilt das Prinzip des Beitragsäquivalents: Die zu erwartende Rentenleistung soll in einem proportionalen Verhältnis zu den eingezahlten Beiträgen stehen. Versicherte, die länger und höher Beiträge eingezahlt haben, bekommen also auch mehr Geld ausgezahlt.
Dem DIW zufolge ist es problematisch, dass die Lebenserwartung so stark mit dem Einkommen und damit auch mit der Rente zusammenhängt. Wie Johannes Geyer und Peter Haan in ihrer „Sonderausgaben zur Bundestagswahl 2025“ darlegen, führen die „systematischen Unterschiede in der Lebenserwartung“ zu „Verteilungseffekten im Rentensystem“. Versicherte mit hohem Einkommen würden im Schnitt länger Rente beziehen als Personen mit niedrigem Einkommen.
Bei Männern sei das besonders ausgeprägt, da die Unterschiede in den Einkommen größer seien und das Einkommen stark von der Bildung abhängt. Zwar bestehe der Unterschied auch bei Frauen, allerdings würde das nicht bei den Rentenansprüchen deutlich, da heutige Rentnerinnen ihre berufliche Karriere häufig wegen der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen unterbrochen haben. Sie seien somit auf das Einkommen ihres Partners angewiesen gewesen – und das unabhängig von ihrer Bildung. Frauen, die höhere Einkommen haben, würden in der Regel auch höhere Ansprüche bei der Rente wegen Todes haben und somit länger vom Rentensystem profitieren.
Rente: Bei einer Rentenreform empfiehlt das DIW die Unterschiede bei den Einkommen zu berücksichtigen
Bei künftigen Diskussionen über eine Rentenreform empfiehlt das DIW die obigen Unterschiede bei den Einkommen der Versicherten und ihrem daraus resultierenden Nutzen, den sie aus dem Rentensystem ziehen, zu berücksichtigen. Ihrer Ansicht nach werde häufig mit dem Äquivalenzprinzip gegen Umverteilungsmaßnahmen in der gesetzlichen Rentenversicherung argumentiert.
„Berücksichtigt man den Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung, relativiert sich dieser Einwand. Argumente gegen die Aufwertung niedriger Rentenansprüche zur Bekämpfung von Altersarmut oder zur Anerkennung der beruflichen Lebensleistung sind daher wenig überzeugend“, schreiben Geyer und Haan. Mithilfe dieses empirischen Befunds könne außerdem eine progressive Rentenformel gerechtfertigt werden, die das Rentenniveau für Personen mit niedrigen Renten stabilisiert und für Versicherte mit höheren Renten eine Kürzung zulässt, so die Meinung der Sozialexperten.
Übrigens: Die Rente steigt wieder im Sommer. Die Rententabelle zeigt, wie sich das auf den Geldbeutel von Rentnerinnen und Rentnern auswirkt. Wer trotzdem zu wenig Geld im Alter hat und eventuell sogar eine Rentenlücke fürchten muss, kann Zuschüsse beantragen. Eventuell liegen auch die Voraussetzungen für eine Grundrente vor, wenn Senioren zu wenig Rente bekommen.