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Rente
Mütterrente: Drei Rentenpunkte für alle? Was Union und SPD jetzt umsetzen wollen
Bei der Mütterrente herrscht Ungleichbehandlung, je nachdem, wann das Kind geboren wurde. Die CDU und SPD haben sich in den Koalitionsverhandlungen auf eine Anpassung geeinigt.
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Foto: Christin Klose, dpa (Symbolbild) | Mehr Geld für Rentnerinnen: Geht es nach der CSU, sollen Mütter mehr Rente bekommen.
Viktoria Gerg
 |  aktualisiert: 23.03.2025 07:37 Uhr

Normalerweise zahlen Erwerbstätige bis zur Rente monatlich Beiträge zur Deutschen Rentenversicherung. Zur Ausnahme kommt es, wenn bestimmte Umstände im Leben eintreten, die Betroffene an den Zahlungen hindern. Das kann zum Beispiel Arbeitslosigkeit sein oder die Erziehung der Kinder. Bei letzterem bleiben meist die Frauen zu Hause, kümmern sich um den Nachwuchs und können daher einer Arbeit nicht mehr nachgehen. Um einen gewissen Ausgleich zu schaffen, gibt es die sogenannte Mütterrente, die allerdings nicht gleichberechtigt gezahlt wird. Was das Problem ist, was in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD geplant ist und welche Kritik es daran gibt, lesen Sie im Artikel.

Mütterrente: Was genau wird bei den Kindererziehungszeiten angerechnet?

Die Ungleichheit bei der Mütterrente bezieht sich konkret auf die unterschiedlichen Kindererziehungszeiten. Der Elternteil, der das Kind hauptsächlich erzieht, wird laut Deutscher Rentenversicherung in etwa so gestellt, als hätte er „Beiträge aufgrund des Durchschnittsverdienstes aller Versicherten gezahlt“. Diese Kindererziehungszeiten erhöhen die Rente und so soll ein Ausgleich geschaffen werden.

Der Unterschied bei den Kindererziehungszeiten hängt davon ab, wann das Kind geboren wurde.

Kinder, die vor 1992 geboren sind: Frauen, die Kinder vor 1992 geboren haben, wird laut Deutscher Rentenversicherung derzeit eine Erziehungszeit von bis zu 30 Monaten anerkannt. Mit dem Monat nach der Geburt beginnt diese. Außerdem können Berücksichtigungszeiten von bis zu zehn Jahren angerechnet werden. Pro Jahr können Mütter einen Rentenpunkt erhalten, bei 30 Monaten wären das also 2,5 Rentenpunkte.

Kinder, die 1992 oder später geboren wurden: Hier wird eine Kindererziehungszeit von bis zu 36 Monaten gewährt. Die Erziehungszeit beginnt ebenso mit dem Monat nach der Geburt. Auch hier können zusätzlich Berücksichtigungszeiten wegen der Kindererziehung von bis zu zehn Jahren gutgeschrieben werden. 36 Monate Kindererziehungszeiten entsprechen etwa drei Rentenpunkten.

In diesem Bereich wurde während der Koalitionsverhandlungen laut tagesschau.de eine Einigung erzielt: Künftig sollen statt 30 Monaten 36 Monate angerechnet werden, sodass ältere Mütter mit denen gleichgestellt werden, deren Kinder nach 1992 geboren wurden.

Mütterrente: Was plant die CSU?

Die CSU möchte die Mütterrente ausweiten, sodass es nicht mehr entscheidend ist, wann ein Kind geboren wurde. Die CSU nennt diesen Plan „Vollendung der Mütterrente“ und schreibt dazu auf ihrer Website: „Die Anerkennung der Lebensleistung von Müttern ist eine Frage der Gerechtigkeit. Deshalb darf es auch keine Rolle spielen, wann die Kinder geboren wurden.“ Die Partei wolle diese „Gerechtigkeitslücke“ schließen und allen Müttern drei Rentenpunkte ermöglichen. Diese Forderung wurde nun von der CDU und SPD in den Sondierungsgesprächen übernommen, wie der Bayerische Rundfunk schreibt.

Mütterrente: Welche Kritik gibt es an den Plänen der CSU?

Kurz gesagt: Die Pläne der CSU sind teuer und dies hat sich noch einmal in den Koalitionsverhandlungen bestätigt. Laut aktuellen Erkenntnissen sollen diese Reformen sieben Milliarden Euro jährlich kosten und damit deutlich mehr als die zunächst von der Deutschen Rentenversicherung gegenüber der Rheinischen Post kalkulierten 4,45 Milliarden Euro pro Jahr. Der Sprecherin zufolge würden etwa 9,8 Millionen Rentnerinnen davon profitieren. Ihrer Meinung nach müssten die Kosten allerdings komplett aus Steuermitteln finanziert werden, da das nicht zulasten der Beitragszahler gehen dürfte.

Kritik hagelt es auch von den Wirtschaftsweisen. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer kritisiert die Einigung zwischen CDU und SPD und hält sie für „unfinanzierbar“, da sie den Haushalt zusätzlich belaste. Sie fordert stattdessen eine Rentenreform mit Fokus auf private Altersvorsorge. Rentenansprüche dürften mit Blick auf die demografische Entwicklung und der Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung nicht ausgeweitet, sondern müssten vielmehr begrenzt werden, sagte sie schon zu einem früheren Zeitpunkt der Rheinischen Post.

Die Mütterrente hat für Frauen deutliche Auswirkungen, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) belegt. Wenn es diese nicht gäbe, würden knapp neun Millionen Rentnerinnen durchschnittlich 107 Euro pro Monat weniger bekommen. Insgesamt bekommen fast 87 Prozent aller Frauen in Deutschland über 65 Jahre eine Mütterrente.

Übrigens: Kindererziehungszeiten können auch nachträglich beantragt werden. Außerdem können auch Kindererziehungszeiten aus dem Ausland zählen.

 
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