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Rente
Jeder vierte Deutsche hat diesen Plan für die Rente – doch es gibt ein Problem
Immer mehr Deutsche träumen laut einer aktuellen Umfrage von einem frühen Renteneintritt. Doch die finanziellen Herausforderungen sind erheblich.
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Foto: Annette Riedl, dpa (Symbolbild) | Es ist der Traum vieler Deutschen: ein möglichst früher Renteneintritt. Das zeigt zumindest eine neue Umfrage.
Ann-Katrin Hahner
 |  aktualisiert: 26.02.2025 11:45 Uhr

Trotz steigender Rentenalter und zunehmendem Fachkräftemangel träumen viele Deutsche von einem frühen Ruhestand. Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorlag, möchten 27 Prozent – also mehr als jeder Vierte – früher in Rente gehen und den regulären Renteneintritt umgehen. Doch dieser Wunsch könnte für viele nicht finanzierbar sein – sowohl individuell als auch für das Rentensystem insgesamt.

Warum wollen so viele Deutsche früher in Rente?

Die Gründe für den Wunsch nach einem früheren Renteneintritt sind der Umfrage zufolge vielfältig. Viele Arbeitnehmer fühlen sich durch lange Berufsjahre erschöpft oder haben gesundheitliche Probleme. Andere wünschen sich mehr Freizeit und Flexibilität. Laut der YouGov-Umfrage würden 51 Prozent der Befragten jedoch länger arbeiten, wenn die Bezahlung besser wäre. Weitere 38 Prozent nannten flexiblere Arbeitszeiten als Anreiz, während 34 Prozent Steuervorteile als Motivation sehen.

Doch die Realität sieht oft anders aus: Wer früher in Rente geht, muss mit hohen finanziellen Einbußen rechnen.

Früher Renteneintritt: Welche Kosten entstehen?

Ein früherer Renteneintritt ist in Deutschland möglich, aber mit Abschlägen verbunden. Für jedes Jahr, das jemand vor der regulären Altersgrenze in den Ruhestand geht, wird die Rente um 0,3 Prozent pro Monat gekürzt. Wer also beispielsweise mit 63 Jahren statt mit den inzwischen angepeilten 67 in Rente geht, verliert 14,4 Prozent seiner Rente dauerhaft. Dies erklärt die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Website.

Gleichzeitig wächst der finanzielle Druck auf die Rentenkassen. Statistiken der Deutschen Rentenversicherung zeigen, dass knapp die Hälfte der neuen Rentner im Jahr 2022 bereits mit 63 oder 64 in den Ruhestand ging – ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Jahren. Nur 43,1 Prozent arbeiteten bis zum Alter von 65 Jahren oder länger. Diese Entwicklung belastet die Rentenkassen zusätzlich, da Renten über eine längere Zeit gezahlt werden müssen, während weniger Beiträge eingehen.

Schon lange ist klar: Das aktuelle Rentensystem ist auf lange Sicht nicht tragfähig. Rainer Schlegel, Präsident des Bundessozialgerichts, warnte bereits 2023 in einem Tagesschau-Beitrag vor einem finanziellen Kollaps ab 2030. Der Grund: Die Generation der Babyboomer geht in den Ruhestand, während immer weniger junge Menschen als Beitragszahler nachrücken. Während 1962 noch sechs Beitragszahler auf einen Rentner kamen, werden es nach Schlegels Berechnungen im Jahr 2030 nur noch 1,5 Beitragszahler pro Rentner sein. Dies bedeutet, dass immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen – eine Rechnung, die langfristig nicht aufgeht.

Schlegel hielt in dem Gespräch eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters für unvermeidlich. Zwar wurde das Rentenalter bereits auf 67 Jahre erhöht, doch dies könnte laut Experten nicht ausreichen. Eine automatische Anpassung an die steigende Lebenserwartung – zum Beispiel ein späterer Renteneintritt um einen Monat für jede drei Monate höhere Lebenserwartung – sei eine mögliche Lösung.

Großer Teil der Deutschen will früher in Rente - doch wer soll das finanzieren?

Während also immer mehr Menschen früher in Rente gehen, sinkt auch der Anteil des Bundes an der Rentenfinanzierung. Laut dem Sozialministerium wurden 2004 noch 24,2 Prozent der Renteneinnahmen aus Steuern finanziert, 2023 waren es nur noch 22,4 Prozent, schrieb die dpa. Auch der Anteil des Bundeshaushalts, der in die Rentenkasse fließt, ist in den vergangenen 20 Jahren gesunken. Trotz steigender Milliardenbeträge aus dem Bundeshaushalt zeigt sich: Die Rentenkasse muss sich immer stärker aus Beiträgen der Arbeitnehmer finanzieren. Dies sorgt besonders bei jungen Menschen für Unmut, denn sie müssen in ein System einzahlen, das sich zunehmend unter Druck befindet.

Ein möglicher Reformansatz wäre eine Erweiterung der Rentenversicherung auf Beamte und Selbstständige, wie sie in anderen europäischen Ländern üblich ist. Rentenexperten fordern, dass auch bisher ausgenommene Berufsgruppen wie Anwälte oder Beamte Beiträge zur gesetzlichen Rente leisten, um das System zu stabilisieren. Zudem wird diskutiert, ob die gesetzliche Rente künftig nur noch eine Basisversorgung bieten sollte – also lediglich ein Niveau 15 bis 20 Prozent über dem Existenzminimum, während private und betriebliche Vorsorge eine größere Rolle übernehmen.

Die Zahlen zeigen: Ein früher Renteneintritt ist für viele ein Wunsch, doch finanziell kaum tragfähig – weder für Einzelpersonen noch für das Rentensystem insgesamt. Die steigende Lebenserwartung und die sinkende Zahl der Beitragszahler werden die Finanzierung der Renten immer schwieriger machen. Wer früher in den Ruhestand will, muss mit deutlichen Abschlägen rechnen oder eine solide private Vorsorge haben. Um diese bemühen sich bereits viele Deutsche, wie aus der YouGov-Umfrage hervorgeht. 48 Prozent würden eine betriebliche Altersvorsorge nutzen, während 63 Prozent privat für die Rente vorsorgen. Besonders die Idee, Renten teilweise über Aktien zu finanzieren, gewinnt an Zustimmung: 50 Prozent der Befragten fanden dieses Konzept gut, nur 27 Prozent lehnten es ab.

 
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