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Gehalt im Vergleich: So hoch sind Sozialabgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Die steigenden Sozialabgaben im Jahr 2025 beeinflussen das Gehalt der Deutschen. Doch wie sieht es bei unseren Nachbarn aus? Haben sie mehr netto vom brutto?
Sozialabgaben.jpeg       -  In den Augen vieler Deutscher fressen die Sozialabgaben einen beträchtlichen Teil des Gehalts. Wie sieht es dagegen bei unseren Nachbarn aus?
Foto:  fotomek, stock.adobe.com | In den Augen vieler Deutscher fressen die Sozialabgaben einen beträchtlichen Teil des Gehalts. Wie sieht es dagegen bei unseren Nachbarn aus?
Ann-Katrin Hahner
 |  aktualisiert: 03.04.2025 09:57 Uhr

Die Sozialabgaben in Deutschland haben im Jahr 2025 ein neues Rekordhoch erreicht – und für viele Beschäftigte bedeutet das: weniger netto vom brutto. Durch gestiegene Beitragssätze und angehobene Einkommensgrenzen zahlen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr denn je in die Sozialkassen ein. Besonders betroffen sind laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau Gutverdienende sowie Singles mit mittlerem Einkommen.

Doch wie hoch ist diese Belastung im Vergleich mit unseren Nachbarländern? Wie viel vom Gehalt bleibt in anderen Ländern wie Österreich oder der Schweiz übrig? Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, wie unterschiedlich die Länder mit Sozialabgaben umgehen – und was Beschäftigte davon haben.

Gehalt im Vergleich: So hoch sind Sozialabgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Kurz zur Erklärung: Unter die Sozialabgaben fallen in Deutschland alle verpflichtenden Beiträge für die Arbeitslosen-, Renten-, Pflege- und Krankenversicherung, die in der Regel direkt vom Gehalt abgezogen werden. Das Gros der Sozialabgaben teilen sich laut dem Versicherer Techniker Krankenkasse in Deutschland Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Bei Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung zu gleichen Teilen. Die Pflegeversicherung ist nicht immer hälftig geteilt, da hier Kinderlose einen Zuschlag zahlen, während der Arbeitgeberanteil gleich bleibt. Die Sozialabgaben setzen sich in Deutschland wie folgt zusammen:

  • Krankenversicherung: 14,6 Prozent. Hinzu kommt der Zusatzbeitragssatz der Krankenkasse, der kassenindividuell ist. Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz liegt seit Januar 2025 bei rund 2,9 Prozent.

  • Rentenversicherung: 18,6 Prozent

  • Pflegeversicherung: Der allgemeine Beitragssatz liegt bei 3,6 Prozent. Allerdings gibt es Ausnahmen, abhängig von der Anzahl der Kinder. Beschäftigte ohne Kinder zahlen etwa einen Beitragssatz von 4,2 Prozent, während Beschäftigte mit Kindern geringere Anteile zahlen.

  • Arbeitslosenversicherung: 2,6 Prozent

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die gesamten Sozialabgaben in Deutschland im Jahr 2025 zwischen etwa 41,85 Prozent und dem von dem Institut für Gesundheit und Sozialforschung berechneten Höchstwert von 42,5 Prozent liegen können. Abhängig von der Krankenkasse und der persönlichen Situation bezüglich der Pflegeversicherung. Dabei handelt es sich jedoch um den Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung, der jeweils etwa zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen wird. Für Beschäftigte bedeutet das konkret: Vom Bruttolohn gehen im Regelfall rund 21 Prozent an Sozialabgaben ab, der Rest wird vom Arbeitgeber zusätzlich abgeführt und taucht auf der Gehaltsabrechnung meist gar nicht auf.

Sozialabgaben in Österreich steigen 2025 ebenfalls

Auch in Österreich müssen sich Beschäftigte seit Beginn des Jahres 2025 auf eine höhere Abgabenlast einstellen. Grund ist laut dem österreichischen Finanz-Portal finanz.at die sogenannte Aufwertungszahl von 1,063, mit der die Sozialversicherungsbeiträge automatisch angepasst werden. Damit steigen sowohl Beitragssätze als auch Bemessungsgrenzen.

Die wichtigsten Beitragssätze für Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Jahr 2025 im Überblick:

  • Krankenversicherung: 7,65 Prozent (hälftig Arbeitnehmer und Arbeitgeber)

  • Unfallversicherung: 1,10 Prozent (nur Arbeitgeberanteil)

  • Pensionsversicherung: 22,80 Prozent (10,25 Prozent Arbeitnehmer / 12,55 Prozent Arbeitgeber)

  • Arbeitslosenversicherung: 5,90 Prozent (hälftig Arbeitnehmer und Arbeitgeber)

  • Weitere Abgaben: etwa 0,75–1,10 Prozent (z. B. Arbeiterkammerumlage, Wohnbauförderung, Insolvenz-Entgeltsicherung)

Insgesamt ergibt sich eine Sozialabgabenlast von rund 39,75 Prozent, wovon etwa 18,07 Prozent auf Arbeitnehmer entfallen. Die monatliche Höchstbeitragsgrundlage liegt bei 6450 Euro, bei Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld bei 12.900 Euro jährlich.

Schweiz: Weniger Abgaben – dafür mehr Eigenverantwortung

In der Schweiz bleiben die Beitragssätze zu den Sozialabgaben – bei den Eidgenossen spricht man über Sozialversicherung – im Jahr 2025 weitgehend stabil. Das System unterscheidet sich jedoch deutlich von jenem in Deutschland und Österreich: Viele Sozialleistungen werden nicht über zentrale Kassen, sondern über private Anbieter organisiert – etwa die Krankenversicherung.

Die klassischen Sozialversicherungen umfassen dem Bundesamt für Sozialversicherungen zufolge folgende Beiträge (jeweils zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen):

  • AHV (Alters- und Hinterlassenenversicherung): 8,7 Prozent

  • IV (Invalidenversicherung): 1,4 Prozent

  • EO (Erwerbsersatzordnung): 0,5 Prozent

  • ALV (Arbeitslosenversicherung): 2,2 Prozent (bis zu 148.200 CHF Jahreseinkommen)

Daraus ergibt sich eine direkte Abgabenlast von 6,4 Prozent für Arbeitnehmer, plus ein gleich hoher Arbeitgeberanteil.Zusätzlich kommen regionale oder individuelle Beiträge hinzu, darunter:

  • Prämien für die Nichtberufsunfallversicherung (NBU) – abhängig von Tätigkeit und Risiko

  • Beiträge zur Familienausgleichskasse (FAK) – je nach Kanton 0,85–2,75 Prozent (vom Arbeitgeber getragen)

  • Prämien zur Berufsunfallversicherung (BU) – ebenfalls arbeitgeberseitig

  • Verwaltungskostenbeiträge an Ausgleichskassen

Deutsche Auswanderer - kommen sie in der Schweiz günstiger weg?

Deutsche wanderten laut einer Erhebung der Bundeszentrale für politische Bildung in den vergangenen Jahren hauptsächlich in die Schweiz und nach Österreich aus – möglicherweise wegen der geringeren Sozialabgaben? Der Unterschied der drei Länder wird sehr stark deutlich, wenn man die unterschiedliche Abgabenhöhe für Arbeitnehmer vergleicht:

Bereich Deutschland (ArbN) Österreich (ArbN) Schweiz (ArbN)
Krankenversicherung ca. 7,3 %* 3,87 % privat (nicht enthalten)
Renten-/Pensionsversicherung 9,3 % 10,25 % 5,05 % (AHV + IV)
Arbeitslosenversicherung 1,3 % 2,95 % 1,1 %
Pflegeversicherung ca. 2,0–2,6 % - -
Gesamt 20,9–21,4 % 18,1 % 6,4 % (zzgl. individuelle Prämien)

* Durchschnittswerte inkl. Zusatzbeitrag. Pflegeversicherung variiert je nach Kinderzahl.

Der direkte Vergleich macht deutlich: In der Schweiz scheinen Arbeitnehmer dann richtig zu sein, wenn sie eine hohe Last an Sozialabgaben vermeiden wollen.

Allerdings kommen dort monatlich hohe Fixkosten für die Krankenversicherung hinzu: Im Jahr 2025 liegt die durchschnittliche monatliche Prämie für Erwachsene laut dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit bei rund 378 Franken (396 Euro), unabhängig vom Einkommen. Im Rahmen der Renten- und Pensionsversicherung kommen in der Schweiz noch Kosten für die gesetzlich verpflichtende Pensionskasse obendrauf, wenn das Jahresbrutto über 22.680 Schweizer Franken (ungefähr 23.786 Euro) liegt. Dann greift als zweite Säule des Rentensystems die berufliche Vorsorge. Beiträge werden nur auf dem sogenannten koordinierten Lohn erhoben, also dem Bruttolohn abzüglich eines fixen Abzugs von derzeit 25.725 Schweizer Franken (Stand 2025). Dadurch reduziert sich die Bemessungsgrundlage spürbar, insbesondere bei tieferen Einkommen. Je nach Alter werden 7–18 Prozent für die Pensionskasse fällig – Arbeitgeber tragen davon zwischen 3,5 und 9 Prozent. Wer im Alter näher an seinen bisherigen Lebensstandard heranreichen will, muss als dritte Säule weiter privat vorsorgen. Meist werden auch hier mehrere Hundert Franken im Monat fällig.

Wer sich mit dem Thema Auswandern beschäftigt, muss zudem bedenken: Wird man in der Schweiz krank, muss – zusätzlich zur monatlichen Krankenversicherungsprämie – mit erheblichen Eigenleistungen gerechnet werden. Versicherte beteiligen sich dem Bundesamt für Gesundheit zufolge an den Gesundheitskosten mit einer jährlichen Franchise (Mindestbetrag: 300 Franken), einem Selbstbehalt von 10 Prozent auf darüber hinausgehende Leistungen (maximal 700 Franken pro Jahr) sowie gegebenenfalls mit einem Spitalbeitrag von 15 Franken pro Tag. Selbst bei der niedrigsten Franchise liegt die Mindestbelastung im Krankheitsfall bei rund 1000 Franken pro Jahr (1048 Euro) – pro erwachsene Person. Wer eine höhere Franchise wählt, zahlt entsprechend weniger Prämien, trägt aber ein höheres Kostenrisiko.

Eine Pflegeversicherung wie in Deutschland existiert in der Schweiz zudem nicht. Die damit verbundenen Kosten – etwa bei Pflegebedürftigkeit im Alter – müssen entweder privat getragen oder durch Zusatzversicherungen abgesichert werden.

Sozialabgaben in Deutschland, Österreich und Schweiz – wo bleibt mehr vom Gehalt?

Ein direkter Vergleich der Sozialabgaben in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt: In Deutschland zahlen Arbeitnehmer im Verhältnis zu ihrem Bruttolohn die höchsten Abgaben. Besonders die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fallen hier deutlich stärker ins Gewicht. Auf den ersten Blick wirken Österreich und vor allem die Schweiz entlastender – doch dieser Eindruck trügt, sobald man die indirekten Belastungen und das Maß an Eigenverantwortung in den Blick nimmt.

In der Schweiz zahlen Beschäftigte zwar deutlich weniger in die staatlichen Sozialkassen ein, müssen dafür aber hohe monatliche Krankenversicherungsprämien, Selbstbehalte und Pflegekosten selbst tragen. Auch die private Altersvorsorge wird dort zur finanziellen Notwendigkeit. In Österreich ist die Abgabenlast für Arbeitnehmer zwar leicht niedriger als in Deutschland, das System ähnelt dem deutschen aber stärker – inklusive verpflichtender Sozialleistungen und staatlicher Absicherung.

Unterm Strich bleibt in Österreich und der Schweiz oft nur dann spürbar mehr netto vom brutto, wenn man jung, gesund und kinderlos ist – oder besonders viel verdient. Wer auf umfassende Absicherung angewiesen ist, zahlt sie in Deutschland zwar mit höheren Abgaben, erhält dafür aber auch vergleichsweise verlässlichere Leistungen.

 
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