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Gehalt
Die Gehaltsschere wächst immer weiter: Wer profitiert – und wer verliert?
Die Kluft zwischen Wohlstand und Armut wächst: Top-Vermögen steigen 6-mal so stark wie Löhne. Warum die Wohlstandsschere immer weiter auseinandergeht.
Euro-Geldscheine       -  Die ungleiche Verteilung von Wohlstand: Reiche werden immer reicher.
Foto: Daniel Reinhardt, dpa (Symbolbild) | Die ungleiche Verteilung von Wohlstand: Reiche werden immer reicher.
Nina Feger
 |  aktualisiert: 20.03.2025 06:23 Uhr

In einer Welt, in der das Vermögen der Superreichen förmlich explodiert, kämpfen viele Menschen weiterhin mit stagnierenden Löhnen. Während die Top-Vermögen 6-mal schneller wachsen als die Einkommen, wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. Wie kommt es, dass Reiche immer reicher werden, während die Löhne kaum steigen? Der folgende Artikel zeigt, wie tief diese Spaltung geht, wer die weltweit Reichsten sind und ob Geld wirklich glücklich macht.

Warum werden Reiche immer reicher?

Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich wird immer deutlicher. Studien der Oxfam-Organisation zeigen, dass die Top-Vermögen 6-mal schneller wachsen als die Einkommen der breiten Bevölkerung. Ein entscheidender Faktor hierfür ist der Cantillon-Effekt: Der Ökonom Richard Cantillon erkannte bereits im 18. Jahrhundert, dass eine Erhöhung der Geldmenge nicht automatisch gleichmäßig auf alle Bereiche einer Volkswirtschaft verteilt wird. Laut dem Institut für Wirtschaftsforschung begünstigt die Geldschöpfung bestimmte Bereiche, insbesondere den Bankensektor, staatsnahe Firmen, den Unternehmersektor und politisch begünstigte Gruppen, zuerst, während der Rest der Volkswirtschaft später oder gar nicht profitiert. Auch heute ist der Cantillon-Effekt noch aktuell. Das Institut für Wirtschaftsforschung betont, dass die expansive Geldpolitik die Preise von Vermögenswerten wie Immobilien und Aktien steigen lässt, was vor allem vermögenderen Haushalten zugutekommt. Die breite Bevölkerung hingegen sieht sich mit steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert, während die eigenen Löhne oft nicht mit den Preisen Schritt halten können.

Das sind die Hauptursachen für die wachsende Ungleichheit:

  • Kapitalrenditen übersteigen Einkommenswachstum: In den letzten Jahrzehnten haben Kapitaleinkommen die Löhne übertroffen. Laut der Böckler Stiftung stiegen die Vermögen der reichsten 1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von 1998 bis 2018 erheblich, während das Einkommen der breiten Bevölkerung nur langsam zunahm.

  • Technologischer Wandel und Globalisierung: Laut dem Jahresbericht 2017 der Bank für internationalen Zahlungsausgleich begünstigt der technologische Wandel und die Globalisierung besonders hoch qualifizierte Fachkräfte und Unternehmen, während niedrig qualifizierte Jobs durch Automatisierung verdrängt oder ins Ausland verlagert werden. Dadurch steigen die Einkommen von Hochverdienern, während Löhne für Geringqualifizierte stagnieren oder sinken.

  • Steuersysteme und Erbschaften: Günstige steuerliche Rahmenbedingungen und die Möglichkeit, Vermögen über Generationen zu vererben, verstärken die Vermögenskonzentration.

  • Bildung und Qualifikation: Ein ungleicher Zugang zu hochwertiger Bildung führt zu unterschiedlichen Einkommenspotenzialen und verstärkt die soziale Ungleichheit. Laut eines Bildungs-Berichts der OECD-Organisation haben besonders Kinder aus wohlhabenden Familien einen besseren Zugang zu höherer Bildung, was ihre beruflichen Chancen und damit ihr Einkommenspotenzial steigert.

Die Vermögensungleichheit in Deutschland hat sich in den letzten Jahren weiter verschärft. Laut einer Oxfam-Studie stieg das Gesamtvermögen der deutschen Milliardäre und Milliardärinnen 2024 um 26,8 Milliarden US-Dollar auf 625,4 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 73 Millionen US-Dollar pro Tag entspricht. Gleichzeitig leben in Deutschland über 14 Millionen Menschen in Armut, wie der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeigt.

Lohnentwicklung in Deutschland

Die Inflation nimmt ab und die Wirtschaft erholt sich langsam – aber was bedeutet das für unsere Löhne? Verdienen Arbeitnehmer in Deutschland heute tatsächlich mehr, oder wird der Gehaltsanstieg von steigenden Lebenshaltungskosten aufgefressen? Das Statistische Bundesamt liefert Daten, die auf den ersten Blick positiv erscheinen. Doch nicht alle profitieren gleichermaßen, und längst nicht jede Branche kann mit den Preissteigerungen Schritt halten.

  • Wie viel verdient Deutschland wirklich? Im April 2024 lag das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt eines Vollzeitbeschäftigten bei 4.634 Euro, was einem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 24,59 Euro entspricht. Dieser Durchschnittsverdienst spiegelt jedoch nicht die Realität vieler Menschen wider. Rund 15,3 Prozent der Vollzeitbeschäftigten verdienen laut Statistischem Bundesamt immer noch weniger als die Niedriglohnschwelle von 13,04 Euro pro Stunde, also nur knapp über dem Mindestlohn. Besonders betroffen sind Frauen und Menschen ohne Berufsausbildung.

  • Löhne steigen, doch können sie mit der Inflation mithalten? Im Jahr 2024 sind die Nominallöhne um 5,4 Prozent gestiegen. Gleichzeitig erhöhte sich die Inflationsrate um 2,2 Prozent. Das bedeutet: Die Reallöhne – also das, was tatsächlich an Kaufkraft bleibt – wuchsen um 3,1 Prozent. Das ist laut Statistischem Bundesamt der höchste Reallohnanstieg seit 2008. Im dritten Quartal 2024 verzeichnete Deutschland einen weiteren Lohnzuwachs von 4,9 Prozent, während die Inflation bei 1,9 Prozent lag. Doch reicht das, um die hohen Lebenshaltungskosten auszugleichen?

  • Steigende Lebenshaltungskosten und ihre Auswirkungen auf das Gehalt – Wie gut halten Löhne und Preissteigerungen Schritt? Die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Laut dem Statistischen Bundesamt stiegen die Verbraucherpreise im Jahr 2024 um 2,2 Prozent, was vor allem durch höhere Preise für Energie, Lebensmittel und Mieten bedingt war. Besonders auffällig war der Anstieg der Energiepreise, der teilweise um mehr als 10 Prozent zulegte. Auch die Kosten für Nahrungsmittel stiegen im Durchschnitt um 5,1 Prozent, was die finanzielle Belastung für Haushalte erheblich erhöhte. Wie passen diese Preissteigerungen mit den Lohnzuwächsen zusammen? Auch wenn die Nominallöhne im Jahr 2024 um 5,4 Prozent gestiegen sind, liegt der reale Anstieg bei nur 3,1 Prozent. Zwar wurde ein Reallohnzuwachs erzielt, jedoch bleibt fraglich, ob dieser Anstieg ausreicht, um die steigenden Kosten für essenzielle Ausgaben wie Energie und Lebensmittel auszugleichen.

Trotz der steigenden Löhne bleibt die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland weiter bestehen und wächst in vielen Bereichen sogar. Laut dem Sozialbericht 2024 der Bundeszentrale für politische Bildung ist die Einkommensungleichheit in Deutschland zwar leicht gesunken, aber immer noch hoch. Der Gini-Koeffizient, der die Ungleichheit misst, lag 2023 bei 0,29, während er 2021 noch bei 0,31 lag. Ein Wert von 0 steht für perfekte Gleichheit, während ein Wert von 1 maximale Ungleichheit bedeutet. Auch mit dieser leichten Verbesserung bleibt die Einkommensungleichheit in Deutschland weiterhin deutlich spürbar.

Die 5 reichsten Menschen der Welt

Täglich aktualisiert das Wirtschaftsmagazin Forbes die Liste der reichsten Menschen der Welt. Die 5 reichsten Persönlichkeiten, derzeit angeführt von Elon Musk und Mark Zuckerberg, haben mit ihrem immensen Vermögen nicht nur die Wirtschaft geprägt, sondern auch Einfluss auf Technologien, Luxusmarken und sogar den Weltraum. Ihr Vermögen verdeutlicht die ungleiche Verteilung des Wohlstands weltweit.

  1. Elon Musk: 359,4 Milliarden US-Dollar.

  2. Mark Zuckerberg: 230,7 Milliarden US-Dollar.

  3. Jeff Bezos: 227 Milliarden US-Dollar.

  4. Larry Ellison: 204,6 Milliarden US-Dollar.

  5. Bernard Arnault & Familie: 186,2 Milliarden US-Dollar.

Macht Geld wirklich glücklich?

Riesige Jachten, neue Porsches und Kleidung von Luxusmarken wie Prada, Chanel und Marc O'Polo. Doch macht Geld wirklich glücklich? Studien zeigen, dass bis zu einem gewissen Punkt mehr Geld mit höherem Wohlbefinden korreliert. Laut einer YouGov-Umfrage glauben nur 10 Prozent der Deutschen, dass mehr Geld ihr Glück signifikant steigern würde. Dabei zeigt die Umfrage, dass insbesondere jüngere Menschen (18-34 Jahre) eine stärkere Verbindung zwischen Wohlstand und Glück sehen als ältere Generationen. Eine Untersuchung von Dr. Michaela Knecht vom Psychologischem Institut der Universität Zürich zeigt, dass Menschen, die ihr Geld für andere ausgeben, ein deutlich höheres Maß an Zufriedenheit und Glück empfinden als diejenigen, die nur für sich selbst konsumieren. Rund 66 Prozent der Befragten, die regelmäßig für Freunde oder Familie Geld ausgeben, berichteten von einem stärkeren Gefühl des Glücks im Vergleich zu denen, die ihre Ausgaben auf persönliche Bedürfnisse beschränken.

Doch auch wenn Geld bis zu einem gewissen Punkt das Wohlbefinden steigern kann, zeigen die Ergebnisse zahlreicher Studien, dass übermäßiger Reichtum nicht zwangsläufig mit größerem Glück verbunden ist. Laut einer Studie der Princeton University von 2010 stellte sich heraus, dass Menschen mit einem Jahreseinkommen über 75.000 US-Dollar (ca. 70.000 Euro) kaum mehr Glück empfinden als jene, die „nur“ diesen Betrag verdienen. Ein weiteres Ansteigen des Einkommens hatte keinen signifikanten Einfluss auf das tägliche Wohlbefinden, obwohl es die allgemeine Lebenszufriedenheit und finanzielle Sicherheit verbessern konnte. Letztlich zeigt sich, dass wahres Glück nicht unbedingt durch immer mehr Geld erreicht wird, sondern oft durch die Qualität unserer Beziehungen, persönliche Erlebnisse und innere Erfüllung – Werte, die weit über den materiellen Besitz hinausgehen.

Übrigens: Mit diesem Gehalt gilt man in Deutschland als armutsgefährdet. Doch was bedeutet es überhaupt arm zu sein?

 
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