zurück
Kindergeld
Kindergeld-Betrug in Duisburg: Familienkasse fordert 177.000 Euro zurück - wie stehen die Chancen?
Im „Weißen Riesen“ wurde Kindergeld-Betrug im großen Stil aufgedeckt. Die Familienkasse fordert nun Rückzahlungen, doch ist die Forderung vielversprechend?
weißer riese duisburg.jpg       -  Eine Razzia im „Weißen Riesen“ hat einen weitreichenden Kindergeld-Betrug aufgedeckt.
Foto: Christoph Reichwein, dpa (Archivbild) | Eine Razzia im „Weißen Riesen“ hat einen weitreichenden Kindergeld-Betrug aufgedeckt.
Lukas von Hoyer
 |  aktualisiert: 17.03.2025 13:05 Uhr

Es ist einer der größten Kindergeld-Betrugsfälle aller Zeiten: In einem Duisburger Hochhaus deckten rund 400 Ordnungskräfte bei einer Razzia auf, dass die Familienkasse Kindergeld für 59 Kinder auszahlte, die nicht in dem Haus, das auch als „Weißer Riese“ bezeichnet wird, leben, oder gar nicht existieren. Die Kindergeldzahlungen wurden in der Folge eingestellt, wie die Bundesbehörde bekanntgab. Demnach wurden dadurch zukünftige Zahlungen in Höhe von 1,2 Millionen Euro verhindert. Doch damit will sich die Familienkasse aber nicht zufriedengeben. Sie fordert nun „jeden überbezahlten Euro zurück“, macht die Bundesagentur für Arbeit deutlich.

Kindergeld-Betrug im „Weißen Riesen“ – es geht um 177.000 Euro

Jeder festgestellte Missbrauch bezüglich des Kindergelds wird strafrechtlich zur Anzeige gebracht. Das stellt Vitalia Seidel, eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit, im Gespräch mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) klar. Bei den Vorfällen im „Weißen Riesen“ wurden dabei keine Ausnahmen gemacht. Die Familienkasse geht davon aus, dass in den Fällen im Duisburger Hochhaus Kindergeld in Höhe von insgesamt 177.000 Euro unrechtmäßig gezahlt wurde. Demnach wird diese Summe nun zurückgefordert.

Doch wie stehen die Chancen, dass das Geld tatsächlich zurückgezahlt wird?

Wie häufig bekommt die Familienkasse unrechtmäßig gezahltes Kindergeld zurück?

Grundsätzlich kommt das meiste Kindergeld zurück, welches die Familienkasse unrechtmäßig oder zu viel auszahlt. Laut Bundesagentur für Arbeit sei das im Jahr 2024 bei 81 Prozent des Gesamtbetrages der Fall gewesen. Eine Überbezahlung, so der Fachbegriff, ist keine Seltenheit. Die Behörde räumt ein, dass es vorkommt, dass zu viel Kindergeld ausgezahlt wird. Häufig ist das der Fall, wenn sich das Einkommen der Empfängerinnen und Empfänger ändert.

Wenn eine Überbezahlung festgestellt wird, bekommen die betroffenen Personen Post von der Familienkasse, wie dieWAZ erklärt. In dem Schreiben steht, bis wann das Geld zurückgezahlt werden muss. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, kann Einspruch erheben. Wird die Kindergeld-Rückzahlung nicht fristgerecht getätigt, wird ein Inkasso-Dienst eingeschaltet, der das Geld eintreibt. Wenn aus das nicht zum Erfolg führt, übernimmt das Hauptzollamt und treibt die Forderung zwangsweise ein. Dann droht auch eine Strafanzeige.

Doch die Überbezahlung ist nicht das größte Ärgernis der Familienkasse. Sie wird teils getäuscht, wie die Betrugsfälle im „Weißen Riesen“ zeigen.

Kindergeld-Betrugsfälle: bandenmäßiger Leistungsmissbrauch als Problem

Im Duisburger Fall wurde durchschnittlich zwölf Monate unrechtmäßig Kindergeld für 59 Kinder bezahlt. Der Duisburger Oberbürgermeister sprach von „organisierter Kriminalität“, wie die WAZ berichtet. Die polizeilichen Ermittlungen fallen bei derartigen Delikten unter „bandenmäßigen Leistungsmissbrauch“.

Die Familienkasse zählte 2024 bundesweit 226 Fälle von bandenmäßigem Leistungsmissbrauch, bei denen ein Gesamtschaden von vier Millionen Euro entstand. Sie machte allerdings keine Angaben dazu, wie oft das Geld bei derartigen Fällen von Kindergeldmissbrauch zurückkommt.

Sprecherin Seidel erklärte gegenüber der WAZ, dass „alle Rückzahlungen – unabhängig von dem Grund, der sie veranlasst hat – einheitlich bearbeitet und das Geld konsequent zurückgefordert“ werde. Demnach gingen die Rückzahlungsforderungen an die Inkasso-Abteilung.

Übrigens: Friedrich Merz plant eine Kürzung des Kindergelds - allerdings nur für eine Personengruppe.

 
Themen & Autoren / Autorinnen
Betrugsfälle
Bundesagentur für Arbeit
Friedrich Merz
Hauptzollämter
Kindergeld
Millionen Euro
Polizei
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden Jetzt registrieren

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits von 50 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen