
Die Sozialabgaben haben zum Jahr 2025 einen ordentlichen Satz gemacht – und ein Rekordhoch erreicht. In der „Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2025“, die im November 2024 vom Bundeskabinett beschlossen wurde, wird dieser Anstieg vor allem mit einer deutlichen Lohnsteigerungsrate im Jahr 2024 – 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und steigenden Beiträgen für die Krankenkasse begründet. Die beitragspflichtigen Einnahmen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sind dadurch durch eine Sozialabgabelast von 42,5 Prozent belastet, wie die Frankfurter Rundschau berichtet. Zur Erklärung: Unter die Sozialabgaben fallen alle verpflichtenden Beiträge für die Arbeitslosen-, Renten-, Pflege- und Krankenversicherung, die in der Regel direkt vom Gehalt abgezogen werden.
Ein Ausblick auf die nächsten Jahre dürfte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wenig Hoffnung machen. Eine aktuelle Prognose lässt erwarten, dass die Sozialabgabelast weiter steigt – und in etwa zehn Jahren der 50-Prozent-Marke bedrohlich nahekommt.
Prognose: Wie hoch steigen die Sozialabgaben bis 2035?
Das IGES Institut hat im Auftrag der DAK-Gesundheit eine szenarienbasierte Berechnung angestellt, die eine Prognose der Entwicklung der Sozialabgaben erlaubt. In den drei Szenarien wurde die Beitragssatzentwicklung für alle Zweige der Sozialversicherung mit unterschiedlichen Einflussfaktoren, wie beispielsweise der Lohnentwicklung, berechnet. Das Basisszenario geht dabei einen Mittelweg und stellt die mittlere Ausprägung der Effekte dar. Laut der Berechnung könnten die Sozialabgaben bis 2035 auf fast 50 Prozent steigen.
Gesetzlicher Versicherungszweig | 2026 | 2029 | 2035 |
Rentenversicherung | 18,6 Prozent | 20 Prozent | 21,2 Prozent |
Krankenversicherung | 18 Prozent | 18,5 Prozent | 20 Prozent |
Pflegeversicherung | 4,0 Prozent | 4,4 Prozent | 4,5 Prozent |
Arbeitslosenversicherung | 2,6 Prozent | 2,7 Prozent | 3,1 Prozent |
Gesamtwert der Sozialabgaben | 43,2 Prozent | 45,7 Prozent | 48,8 Prozent |
Sozialabgaben-Prognose: Krankenkasse und Pflegeversicherung als Schlüsselpunkte
Für die für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bittere Prognose ist unter anderem ein erwarteter Anstieg des Beitrags in der gesetzlichen Krankenversicherung verantwortlich. Laut der IGES-Analyse droht 2026 eine Beitragserhöhung, die auf die erste Zahlung an den Krankenhaus-Transformationsfonds zurückzuführen ist. Hier müssen 2,5 Milliarden Euro abgedeckt werden. Die Analysten gehen davon aus, dass die Krankenkassen-Beiträge daher um weitere 0,5 Prozentpunkte ansteigen und ein Niveau von 18 Prozent erreichen. Nur der Beginn eines Anstiegs, durch den die Beiträge 2035 den Wert von 20 Prozent erreichen sollen – oder in einem ungünstigeren Szenario sogar bei 22,6 Prozent liegen.
Finanzierungsmaßnahmen könnten dafür sorgen, dass ein freundlicheres Szenario eintritt. Die DAK-Gesundheit schlägt folgende Maßnahmen vor, mit der Kassenbeiträge in Höhe von 17,5 Prozent bis 2035 möglich sein sollen:
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Bundeszuschuss von sieben Milliarden Euro an die Krankenkassen.
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Keine Nutzung von Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen für den Krankenhaus-Transformationsfonds.
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Beginn einer einnahmeorientierten Ausgabenpolitik, bei der die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen entsprechend ihrer Einnahmen wachsen. Startschuss zum Jahresbeginn 2027.
Bei der Pflegeversicherung stellt die wachsende Zahl an Pflegebedürftigen einen Faktor dar. Diese Entwicklung dürfte laut IGES „finanziellen Druck“ ausüben. Immerhin: Auszahlungen aus dem Pflegevorsorgefonds können ab 2035 zur Stabilisierung der Beiträge eingesetzt werden. Das sorgt dafür, dass die Beiträge zur Pflegeversicherung bei keinem IGES-Szenario über 4,5 Prozent steigen.
Anstiege in Arbeitslosen- und Rentenversicherung erwartet
Ein weiterer Schlüsselfaktor soll laut der IGES-Berechnung das Rentenpaket II sein, das beschlossen wurde, um das Rentenniveau bei 48 Prozent zu halten. In der Rentenversicherung sei deswegen ein steiler Anstieg der Beiträge zu erwarten. Im pessimistischen Szenario könnte dieser im Jahr 2035 ein Niveau von 22,1 Prozent erreichen, glauben die Expertinnen und Experten von IGES.
Bezüglich der Arbeitslosenversicherung seien zunächst keine großen Veränderungen zu erwarten, bis 2035 droht aber ein Anstieg auf 3,1 Prozent.