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Familie und Partnerschaft
Teenager: So beeinflussen Peergroups und Familie die Identitätsfindung
Die Jugendzeit ist eine prägende Phase der Selbstfindung. Wie beeinflussen Peergroups, Familie und gesellschaftliche Rahmenbedingungen die Identitätsbildung?
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Foto: Gerald Matzka, dpa | Die Jugend ist für junge Menschen die Zeit der Identitätsfindung.
Stefanie Eller
 |  aktualisiert: 23.12.2024 09:09 Uhr

Die Jugendzeit ist eine Phase des Wandels, geprägt von Selbstfindung, Unsicherheiten und neuen Erfahrungen. Doch wie entwickeln Jugendliche ihre Identität – und welche Herausforderungen stehen ihnen dabei im Weg?

Psychologische Aspekte der Identitätsbildung

Die Jugendzeit ist eine intensive Phase der Selbstfindung, in der Jugendliche Antworten auf die Frage suchen, wer sie sind und wohin sie gehören. Laut Neurologen und Psychiater im Netz spielt die Identifikation mit Vorbildern dabei eine entscheidende Rolle. Jugendliche übernehmen bewusst oder unbewusst Eigenschaften und Werte, die ihnen Orientierung geben. Dieser Prozess ist oft emotional gesteuert und ermöglicht, sich in verschiedenen sozialen Rollen auszuprobieren.

Doch die Suche nach Identität birgt auch Risiken. Krisen, wie das Gefühl der Entfremdung von sich selbst oder der Umwelt, können laut Neurologen und Psychiater im Netz auftreten. Diese sogenannten Depersonalisations- oder Derealisations-Erfahrungen sind meist vorübergehend, können aber die Persönlichkeitsentwicklung behindern, wenn sie wiederholt auftreten.

Freundeskreis und Clique: Die prägende Rolle der Peergroup

Neben inneren Prozessen spielt auch das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle bei der Identitätsbildung. Denn die Jugendzeit bedeutet für die Heranwachsenden auch eine Neuausrichtung sozialer Beziehungen. Während sich Jugendliche von der Familie ablösen, rücken Freunde und Cliquen in den Mittelpunkt ihres Lebens. Laut dem Bayerischen Erziehungsratgeber wird die Peergroup zu einem entscheidenden Raum, um eigene Werte und Überzeugungen zu entwickeln und gesellschaftliche Normen zu hinterfragen.

Ein unterstützendes Umfeld innerhalb der Freundesgruppe gibt Jugendlichen die Sicherheit, ihre Unabhängigkeit auszuprobieren. In einer solchen Atmosphäre können sie ihre Persönlichkeit formen und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Bleibt diese Unterstützung jedoch aus oder erfahren sie Ablehnung, entstehen oft Unsicherheiten. Jugendliche passen sich dann stärker äußeren Meinungen an, was sie laut Bayerischen Erziehungsratgeber anfälliger für Gruppenzwang machen kann – im Extremfall bis hin zu problematischen Verhaltensweisen wie Sucht oder Regelbrüchen.

Der Freundeskreis ist somit nicht nur sozialer Rückhalt, sondern auch ein Spiegel, der die Identitätsbildung maßgeblich beeinflusst. Wie der Bayerische Erziehungsratgeber betont, kann die Qualität dieser Beziehungen den Weg zur Selbstfindung entweder ebnen oder erschweren.

Identitätsfindung: Gesellschaftliche Herausforderungen und Freiräume

Doch nicht nur das direkte Umfeld, sondern auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflussen die Identitätsfindung junger Menschen. Diese sind zunehmend durch Krisen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit und politische Instabilität geprägt. Laut dem Deutschen Bundesjugendring fühlen sich viele junge Menschen durch diese Unsicherheiten belastet. Gleichzeitig fehlt es ihnen oft an Freiräumen, um sich zu entfalten – Jugendzentren und andere Angebote wurden besonders während der Pandemie vernachlässigt.

Wie Eltern Jugendliche bei der Identitätsfindung unterstützen können

Die Jugend ist eine Zeit des Umbruchs und der Selbstfindung – eine Phase, in der Unterstützung durch die Familie entscheidend ist. Laut dem Familienportal.NRW können Eltern durch Geduld und Vertrauen dazu beitragen, dass ihre Kinder zu selbstbewussten jungen Erwachsenen heranwachsen. Wichtig ist dabei vor allem die richtige Balance aus Freiraum und Begleitung. Dabei können Eltern Folgendes tun:

  • Freiraum geben und Eigenverantwortung fördern: Jugendliche müssen ihre Fähigkeiten und Grenzen selbst erkunden. Eltern sollten Fehler als Teil des Wachstumsprozesses akzeptieren und ermutigen, Neues auszuprobieren.

  • Über Werte und Ziele sprechen: Eltern können Jugendliche dazu anregen, über ihre Zukunft, Wünsche und Überzeugungen nachzudenken, ohne sie dabei zu lenken.

  • Vertrauen und Rückhalt zeigen: Respekt vor der Privatsphäre und die Bereitschaft zuzuhören vermitteln Sicherheit und Stabilität – selbst dann, wenn Jugendliche sich zurückziehen.

  • Offene Gespräche führen: Regelmäßige, ehrliche Kommunikation hilft, Orientierung zu geben. Eltern sollten dabei eher als Gesprächspartner auftreten, statt Vorschriften zu machen.

  • Geduld bei Konflikten bewahren: Emotionale Schwankungen gehören zur Pubertät. Ein ruhiger Umgang mit Streit oder Ablehnung zeigt Jugendlichen, dass sie bedingungslos akzeptiert werden.

Auch wenn Freunde und erste Beziehungen für Jugendliche zunehmend wichtig werden, bleibt die Familie ein entscheidender Anker. Ein liebevolles Zuhause gibt Jugendlichen die Möglichkeit, Selbstvertrauen zu entwickeln und Krisen zu bewältigen. Wie das Familienportal.NRW betont, brauchen Eltern vor allem Geduld und die Bereitschaft, ihre Kinder auf dem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten, ohne sie zu überfordern.

Übrigens: Kennen Sie den Begriff „Love Bombing“?

 
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