zurück
Familie und Partnerschaft
Polyamorie: Wie funktioniert Liebe zu mehreren?
Polyamorie beschreibt offene, einvernehmliche Beziehungen mit mehreren Partnern. Erfahren Sie mehr über Konzepte, Unterschiede und rechtliche Herausforderungen.
Paar.jpeg       -  In der Polyamorie geht es um offene, einvernehmliche und romantische Beziehungen mit mehreren Menschen.
Foto: Axel Heimken, dpa (Symbolbild) | In der Polyamorie geht es um offene, einvernehmliche und romantische Beziehungen mit mehreren Menschen.
Stefanie Eller
 |  aktualisiert: 11.03.2025 10:40 Uhr

Polyamorie ist ein Begriff, der in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen hat. Doch was genau steckt hinter dieser Beziehungsform, wie unterscheidet sie sich von anderen Modellen, und welche rechtlichen Herausforderungen bringt sie mit sich? Erfahren Sie hier mehr.

Polyamorie: Das versteht man unter dem Begriff

Polyamorie beschreibt eine Lebensweise, in der Menschen gleichzeitig mehrere romantische oder intime Beziehungen führen, wobei Offenheit und das Einverständnis aller Beteiligten im Mittelpunkt stehen. Die Bezeichnung setzt sich aus „poly“, dem griechischen Wort für „viele“, und „amor“, dem lateinischen Wort für „Liebe“, zusammen.

Wie Britannica erklärt, sehen einige Personen Polyamorie als eine zentrale Facette ihrer Identität an, auch wenn sie nicht als eigenständige sexuelle Orientierung gilt. Menschen aller Geschlechter und sexuellen Orientierungen können diese Beziehungsform praktizieren, da sie nicht auf eine bestimmte Gruppe beschränkt ist.

Die Geschichte der Polyamorie

Die Monogamie, wie wir sie heute kennen, war nicht immer die bevorzugte Beziehungsform. Frühere Gesellschaften kannten verschiedene Modelle, darunter auch nicht-monogame Beziehungen. Laut Scinexx entwickelte sich die Zweierbeziehung möglicherweise durch den Wunsch nach Stabilität in sesshaften Gemeinschaften oder als Schutz vor Geschlechtskrankheiten.Der Begriff Polyamorie selbst entstand jedoch erst in den 1990er-Jahren. Wie Scinexx berichtet, wurde er von Morning Glory Zell-Ravenheart geprägt, die alternative Beziehungsformen gesellschaftlich sichtbarer machen wollte. Bereits im 19. Jahrhundert gab es Diskussionen über freie Liebe, aber erst mit den sozialen Bewegungen der 1960er-Jahre rückten solche Ideen stärker in den Fokus.Polyamorie hebt sich, laut Scinexx, durch emotionale Nähe und Offenheit von anderen nicht-monogamen Beziehungsformen ab. Obwohl der Begriff modern erscheint, zeigt die Geschichte, dass die Idee von Beziehungen jenseits der Monogamie weit zurückreicht.

Polyamorie und Polygamie: Das sind die Unterschiede

Obwohl die Begriffe Polyamorie und Polygamie oft verwechselt werden, beschreiben sie sehr unterschiedliche Konzepte. Polyamorie umfasst eine Vielzahl an Beziehungsformen, in denen Menschen gleichzeitig mehrere romantische oder intime Verbindungen eingehen – unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Wie Psychology Today erklärt, kann Polyamorie sowohl heterosexuelle als auch LGBTQ-Beziehungen einschließen und ist nicht zwangsläufig mit einer Ehe verbunden.Im Gegensatz dazu beschreibt Polygamie das rechtliche oder kulturelle Modell, bei dem eine Person mehrere Ehepartner hat. Laut Psychology Today handelt es sich dabei meist um einen Mann, der mehrere Frauen heiratet, und es ist stärker auf heteronormative Strukturen ausgerichtet. Polyamorie hingegen setzt keinen rechtlichen Rahmen wie eine Ehe voraus und legt mehr Wert auf emotionale Verbindungen und die Zustimmung aller Beteiligten.

Polyamorie: Diese Formen gibt es

Polyamore Partnerschaften können ganz unterschiedlich gestaltet sein, da sie auf den Bedürfnissen und Absprachen der Beteiligten basieren. Manche Menschen entscheiden sich für klar definierte Strukturen, während andere ihre Beziehungen ohne feste Regeln entstehen lassen. Laut PsychCentral ist eine mögliche Form die Polyfidelity, bei der alle Beteiligten romantische und sexuelle Verbindungen nur innerhalb einer geschlossenen Gruppe eingehen. In einer Triade wiederum sind drei Personen miteinander romantisch verbunden, während bei einer Quad-Beziehung vier Menschen beteiligt sind. Eine weitere Variante ist das sogenannte „Vee“, bei dem eine Person zwei andere datet, die jedoch keine Beziehung zueinander haben.

Darüber hinaus unterscheiden sich polyamore Beziehungen in der Frage, ob sie hierarchisch oder gleichberechtigt gestaltet sind. Bei einem hierarchischen Ansatz wird meist eine Partnerschaft, etwa eine Ehe, als Hauptbeziehung angesehen, während andere Verbindungen weniger Priorität haben. Im Gegensatz dazu sehen nicht-hierarchische Modelle alle Partnerschaften als gleichwertig an. Laut PsychCentral zeigen Studien, dass Menschen in beiden Formen ähnliche Zufriedenheit erleben, auch wenn hierarchische Modelle teilweise kritisch betrachtet werden.

Polyamorie: Rechtliche Lage in Deutschland

In Deutschland sind polyamore Beziehungen rechtlich nicht anerkannt, da die Ehe nur zwischen zwei Personen erlaubt ist. Wie Deutschlandfunk Nova berichtet, fehlt für weitere Partner eine rechtliche Absicherung, selbst wenn sie wirtschaftlich und emotional Verantwortung teilen.

Zwar können Vollmachten oder Testamente einige Fragen regeln, doch wichtige Vorteile wie Steuervorteile oder Rentenansprüche bleiben Ehepaaren vorbehalten. Besonders schwierig wird es laut Deutschlandfunk Nova, wenn finanzielle Ungleichheiten entstehen, etwa durch Kinderbetreuung. Aktuelle rechtliche Modelle bieten hier keine Lösungen für mehr als zwei Personen.

 
Themen & Autoren / Autorinnen
Deutschlandfunk
Latein
Monogamie
Sexuelle Neigungen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden Jetzt registrieren

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits von 50 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen